„Unser Tipp an Eltern: Redet mit euren Kindern!“

„Unser Tipp an Eltern: Redet mit euren Kindern!“

Soziale Medien werden im Alltag junger Menschen immer wichtiger: Etwa 67 Prozent der Jugendlichen, die das Internet nutzen, haben in sozialen Netzwerken Fotos und Filme von sich hinterlegt. Umso entscheidender ist es daher, dass sie sich mit den Gefahren und Herausforderungen des Internets auskennen. Kristin Wrubel, Projektmanagerin beim Projekt „Social Web macht Schule“, erzählt im Interview von ihren Erfahrungen, gibt Tipps für Eltern und erklärt, was sich an Schulen ändern muss.

Kristin Wrubel
Kristin Wrubel ist Junior Marketing Managerin bei dem Dresdner Unternehmen Queo, das im Jahr 2011 das Projekt „Social Web macht Schule“ ins Leben gerufen hat. In ganz Sachsen haben bereits Trainer Workshops in Schulen gehalten, um Schüler, Lehrer und Eltern mit den Herausforderungen des Internets vertraut zu machen. Seit 2014 arbeitet Kristin Wrubel für das Projekt und ist dort unter anderem für die Konzeption und Umsetzung von Lehr- und Lerneinheiten zuständig. 
 

Frau Wrubel, Schüler gelten heute als „Digital Natives“, weil sie mit Smartphones, Laptops und Co. aufgewachsen sind. Wie sind Ihre Erfahrungen: Ab welchen Alter benutzen Kinder das Internet und wie gut kennen sie sich damit aus? Welche Internetseiten sind für sie besonders wichtig?

Die Mediennutzung der Kinder beginnt tatsächlich ab Klasse 5. Vorher spielen die Kleinen auf den Geräten der Eltern ab und zu ein Online Game, mehr aber nicht. Mit der neuen Schule (und meist dem längeren Schulweg) erhalten Kinder das erste Smartphone, beginnen sich mit Freunden in Games zu vernetzen, installieren WhatsApp und schauen Videos. Von 100 befragten Schülern der Klassenstufen 5-8 eines Gymnasiums nutzten 95 WhatsApp und Youtube, 46 Skype, 44 Instagram, 13 Facebook und 11 Twitter. In der Regel hat auch ein Schüler pro Klassenstufe einen Youtube-Account und versucht berühmt zu werden.

Etwa 67% der internetnutzenden Jugendlichen haben in sozialen Netzwerken Fotos und Filme von sich hinterlegt. Wie vorsichtig gehen Jugendliche mit den Daten um, die sie bei Facebook und Co. online stellen?

Das Bewusstsein für Privatsphäre wandelt sich. Zwar haben wir immer noch Klassen, in denen alles ohne weiter darüber nachzudenken gepostet und hochgeladen wird und Privatsphäre-Einstellungen nicht vorgenommen werden. Aber gleichzeitig sehen wir Klassen, die wie selbstverständlich ihr Facebook-Profil privat gestellt haben. Viel hängt hier von dem Engagement der Eltern und Lehrer ab. Per WhatsApp wird allerdings alles verschickt, was verschickt werden kann. Da die Medien aus WhatsApp von allen Nutzern heruntergeladen werden und gespeichert, vervielfältigt und weiterverteilt werden können, ist das natürlich ziemlich schwierig.

Mittlerweile sind es allerdings oft die Eltern, die eine Nachhilfestunde in informeller Selbstbestimmung bräuchten und an ihre Vorbildwirkung erinnert werden müssten. Kinderbilder haben nichts im Netz zu suchen.

Wie können Eltern ihre Kinder am besten im Internet begleiten? Wie lange sollten sie kontrollieren, was ihr Nachwuchs im Internet macht?

Zu unseren Elternabenden stellen wir gern die Frage, wer das Smartphone tatsächlich braucht: Sind es die Kinder oder die Eltern, die ihre Kinder kontrollieren wollen?

Unser Tipp ist stets: redet mit euren Kindern! Lest nicht einfach ihre privaten Nachrichten in WhatsApp und verletzt damit die Privatsphäre eurer Kinder, sondern fragt sie, was sie da machen. Lasst es euch zeigen. Spielt mit. Seid offen für die Möglichkeiten und seid interessiert, aber seid euch auch der Gefahren bewusst. Und letztendlich: legt verbindliche Regeln zur Mediennutzung fest, die ihr selbst einhaltet! Oft genug beschweren sich Eltern, dass ihre Kinder nur noch am Handy hängen – und machen es selbst ganz genauso. Also seid Vorbilder!

Wie gut werden digitale Medien aktuell in den Schulunterricht eingebunden? Sollten bzw. können Lehrer mehr tun, um ihre Schüler darauf vorzubereiten?

An dieser Stelle kann ich nur für Sachsen sprechen. Und Sachsen hat noch einen langen Weg vor sich. Ein guter Beginn wären funktionierende, tatsächlich mit dem Internet verbundene Computerkabinette (und hier rede ich nicht von ländlichen Regionen!). Letztens stand ich selbst vor 28 Schülern in einem fantastisch ausgestatteten Kabinett und konnte nicht einmal ein interaktives Video abspielen. Welcher Lehrer geht in seinem Unterricht denn so eine Gefahr zweimal ein?

Was zusätzlich getan werden muss, ist Lehrern die Angst vor der Technik zu nehmen und die aktuelle Stimmung von „dem bösen Internet“ hin zu mehr Offenheit und Interesse zu wandeln. Wenn Lehrer nur wüssten, wie viel Zeit und Aufwand sie sich durch das Internet ersparen könnten!

Bei Ihren Workshops geht es um die bewusste Mediennutzung, also Themen wie Datenschutz, Cybermobbing und Sexting. Was sind die häufigsten Anliegen der Jugendlichen?

Die Jugendlichen direkt haben in diesem Bereich keine Anliegen. Was die Jugendlichen beschäftigt, ist einfach nur: schnelles, überall verfügbares Internet und glitzernde Handyhüllen.

Wir betreiben auch einen Cybermobbing-Kummerkasten über WhatsApp. Die wenigsten Anfragen haben mit Cybermobbing zu tun. Letztendlich beschäftigen die Jugendlichen von heute dieselben Probleme wie uns damals: Freunde, Liebe, Sexualität…

Wie oft berichten Schüler von Cybermobbing? Von wem werden Betroffene gemobbt und wie können sich junge Internetnutzer wehren?

Wir haben dazu in unseren Workshops nachgefragt. Bei rund 800 befragten Schülern geben 37% an, bereits Erfahrungen mit Mobbing zu haben, 26% wurden schon einmal gemobbt und 10% haben bereits gemobbt. Die Hemmschwelle ist durch die virtuelle Kommunikation stark gesunken.

Und wenn Sie wissen wollen, wie man sich schützen kann – fragen Sie doch mal unseren Mobbing-Mops (siehe Beitragsbild).

Wenden sich betroffene Schüler an ihre Eltern und Lehrer? Wie können diese helfen?

Ich denke, viele Probleme klären die Kids untereinander. Wenn es tatsächlich mal eskaliert, hängt es natürlich auch von der Offenheit der Lehrer und Eltern ab, ob sie um Rat gefragt werden. Leider sind Eltern und Lehrer oft so verfahren in ihren Ansichten und ihrer Ablehnung gegenüber den digitalen Medien, dass sie den Jugendlichen keine Anlaufstelle bieten können.

Sind Schüler mit Gefahren wie Cyber-Grooming und Sexting vertraut?

Ja. Trotz dessen sind es eben oft Kinder, die nun einmal kindlich naiv sind.

Frau Wrubel, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Info
Mehr Beiträge aus der Serie Digitale Medien sind hier zu finden.
Ronny Stöck

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