Digitale Medien – Gefahr für Schulen?

Rund um den geplanten Digitalpakt des Bundes ist wieder einmal eine Debatte über den Nutzen digitaler Medien an Schulen entbrannt. Deutschland hinke anderen Ländern wie Finnland, Estland oder den Niederlanden zurück, meinen Unterstützer der neuen Lernformen. Das sei für Schüler auch besser so, weil Smartphone, Tablet und Co. in Schulen nichts zu suchen hätten, entgegnen Digitalisierungskritiker.
Rund um den geplanten Digitalpakt des Bundes ist wieder einmal eine Debatte über den Nutzen digitaler Medien an Schulen entbrannt. Deutschland hinke anderen Ländern wie Finnland, Estland oder den Niederlanden zurück, meinen Unterstützer der neuen Lernformen. Das sei für Schüler auch besser so, weil Smartphone, Tablet und Co. in Schulen nichts zu suchen hätten, entgegnen Digitalisierungskritiker.
Blicka uf Schüler, die im Computer-Kabinett arbeiten
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Besonders prominent ist Manfred Spitzer, der an der Universität Ulm Professor für Psychiatrie ist und bereits zahlreiche Bücher über die Gefahren der Digitalisierung veröffentlicht hat. Zuletzt sind „Die Smartphone-Epidemie: Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft“ (2018), „Cyberkrank! Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert“ (2015) und „Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen“ (2012) erschienen. Welche Probleme Spitzer identifiziert hat und worauf Lehrer beim Umgang mit digitalen Medien achten sollten, verraten wir in diesem Blogartikel.

Mangelnde Konzentration durch digitale Medien

Das Handy vibriert, der Bildschirm leuchtet wegen einer neuen Nachricht auf oder es liegt einfach nur umgedreht auf dem Schreibtisch: Jetzt ist die Versuchung groß, unauffällig nachzusehen, was es in den sozialen Netzwerken Neues gibt. Rund 65 Aktivierungen und eine Bildschirm-Zeit von 3 Stunden und 25 Minuten sind das statistische Mittel der Smartphone-Nutzung in Deutschland. Jugendliche dürften also noch deutlich mehr Zeit mit ihrem Handy verbringen. Dementsprechend ist es leicht vorstellbar, dass Geräte im Unterricht die Konzentrationsfähigkeit erheblich einschränken. In einem Editorial der Fachzeitschrift Nervenheilkunde (Ausgabe 08/2017) schreibt Manfred Spitzer daher:

„Mit anderen Worten: Das Smartphone bewirkt allein durch seine Präsenz eine Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit – in der Psychiatrie spricht man von einer Denkstörung. Je abhängiger man vom Smartphone ist, desto größer ist die Störung. (…) Man sollte es schon in ein anderes Zimmer bringen – freiwillig, sonst entsteht Angst. Solche klar definierten geschützte Zeiträume sollte sich jeder schaffen, der konzentriert arbeiten oder einfach nur ein gutes Gespräch führen will – vom Schüler bis zum Topmanager!“ (S. 590)

US-amerikanische Untersuchungen, die die Bertelsmann Stiftung zitiert,  weisen sogar nach, dass Lernende mit Laptops oder Tablets rund zwei Drittel der Unterrichtszeit mit unterrichtsfernen Tätigkeiten wie Facebook, Spielen oder Webrecherchen beschäftigen und sich durch das Multitasking schlechter konzentrieren können. Dieses Ergebnis ist zwar nicht uneingeschränkt auf Schulen übertragbar, da Lehrer einen größeren Einfluss auf ihre Schüler nehmen können als Dozenten an der Universität. Es sollte jedoch Pädagogen nachdenklich stimmen, die ihren Klassen uneingeschränkten Zugang zum Internet bieten, damit diese selbstständig Schulaufgaben lösen können.

Während die Leistung durch neue Medien also signifikant abnimmt, kann durch ein bewusstes Smartphone-Verbot an der Schule ein positiver Effekt erzielt werden. So zitiert der Manfred Spitzer eine von Londoner Wirtschaftswissenschaftlern im Jahr 2015 publizierte Studie, die 90 Schulen im Großraum London untersucht. Diese hatten zwischen 2002 und 2012 ein Handyverbot eingeführt. Das Ergebnis: Die besten Schüler hielten ihren Notenstandard und konnten ihn nicht weiter verbessern. Die schlechtesten 20 Prozent der Schüler steigerten ihre Leistungen jedoch deutlich.

Oberflächliche Verarbeitung von Informationen

Befürworter von digitalen Medien plädieren oftmals dafür, Jugendlichen den Umgang mit Suchmaschinen wie Google und Co. beizubringen, damit sie sich selbstständig Wissen aneignen und Antworten auf ihre Fragen suchen könnten. Laut Manfred Spitzer ist das jedoch die falsche Taktik, weil Internetnutzer zum „Googlen“ vor allem Wissen bräuchten, um die Seriosität von Informationen einschätzen zu können. So weist auch die Bertelsmann Stiftung in ihrer medienpädagogischen Studie „Chance und Risiken digitaler Medien in der Schule“ aus dem Jahr 2015 darauf hin,  dass Schüler die im Netz gefundenen Informationen oft unhinterfragt übernähmen und sich nur oberflächlich damit auseinandersetzten. Fast die Hälfte der Lehrer gibt demnach an, dass das Plagiieren von Informationen aus dem Internet ein Problem im Unterricht darstelle.

Neben diesen Auswirkungen auf das Lernverhalten von Jugendlichen warnt Manfred Spitzer davor, dass digitale Medien im schlimmsten Fall zu physischen und psychischen Leiden wie Depressionen, Demenz, Kurzsichtigkeit und Schlafstörungen führen könnten. Mehr dazu erklärt er im Interview mit dem ZDF.

Ein verantwortungsvoller Einsatz von digitalen Medien

Sollten digitale Medien also kompromisslos aus dem Unterricht verbannt werden? Eine Metastudie, die das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) der Technischen Universität München (TUM) im Auftrag der Kultusministerkonferenz durchgeführt hat, kommt zu einem weniger drastischen Ergebnis. Die Forscher werteten 79 Einzelstudien aus. Das Ergebnis: Medien allein garantieren keinen Erfolg. Ihre Wirkung auf die Leistung und Motivation von Schülern hänge vielmehr davon ab, ob der Lehrer sie sinnvoll im Unterricht integriere:

  • Jugendliche sollten nicht allein, sondern in Paaren arbeiten, da die Computerprogramme Gespräche zwischen den Schülern in besonderer Weise anregen würden.
  • Schüler erzielen bessere Leistungen, wenn sie bei der Arbeit mit Digitalmaterialien von den Lehrkräften begleitet werden.
  • Digitale Medien sollten nur als Ergänzung zu analogen Methoden gesehen werden und können analoge Unterrichtsmethoden nicht ersetzen.
  • Medien steigern die Leistungen stärker, wenn sie von professionell geschulten Lehrern in den Unterricht integriert werden.

Eine Chance sehen die Forscher aber darin, Schüler dank der Medien für die naturwissenschaftlichen MINT-Fächer zu begeistern.

In diesem Artikel beschäftigen sich die Herolé-Experten mit den Chancen, Risiken und Perspektiven für digitale Medien in Schulen.

Ist der Unterricht der Zukunft digital oder analog? Über diese Frage wird zum Teil erbittert gestritten, immerhin geht die Bildung der Schüler die gesamte Gesellschaft an. Laptops, Smartphones und Tablets als Selbstzweck zu sehen und sie uneingeschränkt im Unterricht einzusetzen, ist ebenso wenig zielführend wie eine generelle Ablehnung. Natürlich verzichten auch Digitalisierungskritiker wie Manfred Spitzer im Alltag nicht vollständig auf das Internet. Im Interview sagt er dazu:

„Digitale Medien sind Werkzeuge. Ich bin Arzt und Wissenschaftler und verwende Computer und das Internet tagtäglich, um meine Arbeit zu machen. Ich bin glücklicherweise vor der Zeit des Tablets und Smartphones aufgewachsen, habe ziemlich viel gelernt in der Schule und im Studium. Das kann ich jetzt einsetzen und bei meiner Arbeit gebrauchen. Da hilft mir natürlich eine digitale Infrastruktur, um an Informationen im Bereich der Medizin und Gehirnforschung zu kommen, die ich gar nicht wissen kann.“

Digitale Medien als Werkzeuge und Ergänzung zur klassischen Wissensvermittlung zu sehen, kann also ein wertvoller Leitsatz für Pädagogen sein. Vollständig auf den Einsatz von Tablet, Laptop und Co. zu verzichten, dürfte in Zukunft immer schwieriger werden, weil die Medien längst im Alltag der Kinder und Jugendlichen angekommen sind. Die Aufgabe für Schulen sollte also darin liegen, ihnen einen verantwortungsvollen Umgang nahezulegen. Dazu gehört beispielsweise, seriöse von falschen Informationen zu unterscheiden, sich vor kriminellen Aktivitäten im Internet zu schützen – und einfach mal das Smartphone aus der Hand zu legen.

Klassenchats sind mittlerweile Normalität für Jugendliche. Leider kommt es in vielen Fällen zu Cybermobbing. Was Schüler – und Lehrer – dagegen tun können, verraten wir im Herolé-Blog.

Bildnachweis

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