In der Natur unterrichten: Tipps zu Schulgärten

In der Natur unterrichten: Tipps zu Schulgärten

Der Schulgarten war zu DDR-Zeiten ein fester Bestandteil des Grundschulunterrichts. Inzwischen gibt es jedoch nur noch in Thüringen das verpflichtende Fach „Schulgarten“ an Grundschulen. In allen anderen Bundesländern verfügen die Schulen nur dann über gemeinschaftliche Grünflächen, wenn sich Schüler und Lehrer gemeinsam engagieren. Dabei sind Schulgärten in Zeiten des Ganztagsunterrichts eine sinnvolle Ergänzung zum regulären Lehrplan und leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration und Inklusion. Wir geben Tipps, wie Lehrer und Schüler gemeinsam einen Schulgarten anlegen und pflegen!

Voraussetzungen für einen Garten schaffen

Ein Schulgarten bereitet allen Beteiligten viel Freude und ermöglicht Lehrern und Schülern, die Bücher für einige Unterrichtsstunden in die Ecke zu werfen und stattdessen in der Erde zu wühlen. Mit dem Garten sind aber auch über mehrere Jahre hinweg viele Aufgaben und Verpflichtungen verbunden. Daher sollte zunächst das Kollegium darüber nachdenken, ob die Schule über ausreichend Kapazitäten verfügt, um einen Schulgarten am Leben zu erhalten.

Entscheidend ist zunächst einmal die Frage, ob die Schule über ein geeignetes Grundstück für einen neu angelegten Schulgarten verfügt. Die Fläche muss mindestens so viel Platz bieten, dass eine Schulklasse in Kleingruppen darin arbeiten kann. Außerdem sollte das Gelände für körperlich eingeschränkte Schüler leicht zugänglich sein und bestenfalls Raum für Erweiterungen lassen. Der Garten sollte zwar möglichst nah am Schulgebäude liegen, aber gleichzeitig nicht von den Klassenzimmern aus einsehbar sein. Erfahrungsgemäß lenkt ein solcher Ausblick Schüler ab und sorgt dafür, dass der Unterricht nur noch schleppend vorangeht.

Die Suche nach einer geeigneten Fläche läuft in der Regel recht schnell ab, wenn auch der Hausmeister und der Schulträger mit einbezogen werden. Komplizierter ist jedoch die Frage, ob ein oder zwei Pädagogen bereit sind, die Planung des Schulgartens federführend zu übernehmen. Da der Gartenzyklus nicht dem Verlauf eines Schuljahres folgt, sollte bereits bei der Planung sichergestellt werden, dass sich auch nach den Sommerferien noch jemand um den Garten kümmert.

Mit den ersten Planungen beginnen

Wenn sich ein oder zwei Garten-affine Pädagogen gefunden haben, kann die Organisation starten. Sie hängt maßgeblich davon ab, wer später am Schulgarten beteiligt sein wird: Ist dieser vor allem für den Unterricht in Klassen gedacht oder gibt es eine spezielle Garten-AG im Ganztagsangebot? Abhängig davon müssen verschiedene Lehrer involviert werden. Sinnvoll ist es aber auch, die Schüler von Anfang an mit einzubeziehen und sie nach ihren Wünschen zu fragen.

Gehören nur Zierpflanzen in den Garten oder soll auch Gemüse angebaut werden? Diese Frage muss früh geklärt werden.

In einem ersten Schritt sollten die Hobby-Gärtner einen maßstabsgetreuen Grundriss vom späteren Garten anfertigen. Diese Aufgabe ist eine gute Übung für Schüler, die sich über die Unterrichtseinheit im Freien sicherlich freuen. Wichtig ist jedoch, dass sie bei der Messung auch die Höhenunterschiede des Grundstücks beachten und die vorhandene Bepflanzung beachten.

Auf dieser Grundlage kann die konkrete Planung des Projekts Garten beginnen. Die Gartenplanerin und Sachbuchautorin Brigitte Kleinod hat zehn Checklisten zusammengestellt, die Lehrer bei der Planung des Gartens zur Hand nehmen können. Wir haben hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Wer arbeitet im Schulgarten? (Welche Gruppe, Alter, Körpergröße etc.?)
  • Welcher Standort ist geeignet? (Verfügt die Schule über geeignete Flächen?)
  • Welche Nutzpflanzen sind geplant?
  • Welche naturnahen Pflanzungen sind geplant? (Hecken, Bäume, Feuchtbiotope etc.)
  • Welche Beetformen sind geplant? (Bodenbeete, gerahmte Beete, Hochbeete)
  • Welche Kulturformen sind möglich (Mischkultur, Stockwerkbau, Reihenkultur, Frühkulturen etc.)
  • Welche Infrastruktur ist nötig? (Wasser, Kompostbehälter, Ruheplätze etc. für Schüler)
  • Wie soll das Erntegut verarbeitet werden? (Direktverzehr draußen, Schulküche, Unterrichtsinhalte, Konservieren)
  • Welche Unterrichtsfächer sollen einbezogen werden? (Kunst, Werken, Arbeitslehre etc.)
  • Was wollen wir mit dem Schulgarten erreichen? (Projektarbeit, Ferienbetreuung, Nachmittagsangebot etc.)
Tipp
Brigitte Kleinods Artikel ist ab der Seite 14 im Praxisratgeber Schulgarten des Landes Rheinland-Pfalz zu finden, der eine gute Planungshilfe für alle Schulgarten-Neulinge darstellt.

Die konkrete Planung

Wie der Garten genau aussieht, hängt maßgeblich von den Bedürfnissen der Nutzer ab. Grundsätzlich sollten die Lehrer und Schüler aber einen sinnvollen Mix aus Beeten mit Nutz- und heimischen Zierpflanzen sowie Rasen und Büschen finden. Damit auch kurze Kinderbeine die Gartenbeete von allen Seiten gut erreichen, sollten diese maximal eine Breite von 1-1,2 Metern haben. Um die Beete herum sollten Gänge von etwa 70 Zentimetern Breite angelegt werden, auf denen Schubkarren bequem parken können.

Bei der Wahl der Pflanzen sollten Lehrer ebenfalls eine sinnvolle Mischung finden, damit der Garten nicht übermäßig aufwendig ist. Pflanzenempfehlungen und eine Übersicht zu Erntezeiten von Nutzpflanzen gibt es zum Beispiel im Schulgartenhandbuch der Biologischen Station Lippe.

Wenn endlich alle Planungen abgeschlossen sind, fehlen nur noch die richtigen Werkzeuge. Als Grundausstattung ist folgende Basis-Ausstattung zu empfehlen:

  • Arbeitshandschuhe
  • Schubkarre
  • Eimer
  • Gießkanne
  • Rosenschere
  • Handhacke (und -schaufel)
  • Spaten
  • Hacke/ Rechen/ Harke
  • Schnur und Pflanzstäbe
  • Schaufel
  • Besen

Da es sehr aufwendig ist, den Schulgarten anzulegen, sollten sich dazu freiwillige Schüler und Lehrer finden, die bestenfalls am Wochenende mit der Gartenaktion starten. Für die weitere Betreuung des Gartens sollte unbedingt ein übersichtlicher Pflegeplan angelegt werden, damit der Garten zu jedem Zeitpunkt optimal betreut wird. Einen Vorschlag dafür hat die BUND-Mitarbeiterin Brigitta Goldschmidt für den Beitrag „Schulgarten-Management“ im Praxisratgeber Schulgarten erstellt.

Mobiles Gärtnern

Mobiles Gärtnern ist eine sinnvolle Alternative für alle, die den Garten schnell wieder abbauen möchten.

Da der Garten mit einem relativ hohen Aufwand verbunden ist, schrecken viele Schulen davor zurück. Wer weder einen Schulgarten neu anlegen noch auf das Gärtner-Erlebnis verzichten möchte, findet jedoch im mobilen Gärtnern eine gute Alternative. In Rheinland-Pfalz gab es beispielsweise das Projekt „Gärtnern in Kisten“, bei dem Schulklassen ohne großen Aufwand einen mobilen Garten auf einer Fläche von einigen Quadratmetern kultivieren konnten.

Es geht aber noch kleiner! Gerade junge Schüler freuen sich zum Beispiel, wenn sie kleine Pflanzen wie Kresse oder Sojasprossen auf der Fensterbank des Klassenzimmers wachsen sehen. Auch dieses kleine Projekt ist ein erster Schritt in Richtung naturnaher Unterricht!

Tipp
Klassen sparen sich teure Blumentöpfe, wenn sie ganz einfach saubere Tetrapaks vorsichtig aufschneiden und als Töpfe verwenden. Weitere Tipps dazu gibt es hier.

Quellen und weiterführende Links

Biologische Station Lippe: Ein Garten macht Schule

Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz: Schulgartenhandbuch

Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten

Fotos: Lewis Clarke/ Geograph


 

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Jana Krusch

Ihre Reiseexpertin für Ski-Klassenfahrten sowie Sport- & Erlebnisreisen.

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