Alles über Klassenfahrten in Sachsen

Alles über Klassenfahrten in Sachsen

Was müssen Lehrer in Sachsen bei der Planung und Durchführung einer Schulfahrt alles beachten? Um den Überblick zu erleichtern, fassen wir die wichtigsten Punkte aus der Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus zur Durchführung von Schulfahrten zusammen.

Die Verwaltungsvorschrift gilt für alle öffentlichen Schulen im Freistaat Sachsen, ausgenommen Fachschulen in den Berufen der Land-, Forst- und Hauswirtschaft sowie des Garten- und Landschaftsbaus.

Art und Dauer von Schulfahrten

Schulfahrten gelten laut Verwaltungsvorschrift als schulische Veranstaltungen. Darunter fallen im Einzelnen:

  • Schulwanderungen sind eintägige Veranstaltungen im regionalen Umfeld. Sie sollten vorrangig in Sachsen und sächsischen Einrichtungen stattfinden.
  • Schulfahrten als Bildungsveranstaltungen sind ein- und mehrtägige Veranstaltungen an politische, historische, naturkundliche Stätten im In- und Ausland. Auch Chor- und Orchesterfahrten oder Fahrten von Sportmannschaften zählen dazu.
  • Schullandheimaufenthalte können pro Schuljahr in einem Umfang von bis zu zehn Unterrichtstagen durchgeführt werden. Der Unterricht wird hier weitergeführt und/oder projektbezogen durchgeführt.
  • Schulfahrten im Rahmen von Maßnahmen der internationalen Bildungskooperation sollen v.a. der Förderung der interkulturellen und fremdsprachlichen Kompetenz dienen.

Wieviele Tage dürfen Schulfahrten pro Schuljahr in Anspruch nehmen? Allgemein bildende Schulen und Förderschulen müssen sich an folgende Richtlinien halten:

  • Primarstufe: bis zu fünf Unterrichtstage pro Schuljahr. Bei fünf Tagen sollen mindestens zwei davon Wandertage sein.
  • Sekundarstufe I, Klassenstufe 5 bis 7: bis zu sieben Unterrichtstage pro Schuljahr
  • Klassenstufe 8 bis 10: bis zu acht Unterrichtstage pro Schuljahr
  • Sekundarstufe II: bis zu zehn Unterrichtstage insgesamt.
  • Pro Schuljahr können innerhalb des zeitlichen Rahmens bis zu drei Wandertage durchgeführt werden.

Für berufsbildende Schulen gilt pro Ausbildungsjahr folgende Dauer:

  • Berufsschule, Berufsfachschule (ab zweijährig), Fachoberschule (zweijährig), Fachoberschule (einjährig VZ), Fachschule (VZ oder TZ), Berufsbildende Förderschule: bis zu fünf Unterrichtstage
  • Berufsvorbereitungsjahr, Berufsgrundbildungsjahr, Berufsfachschule (einjährig), Fachoberschule (einjährig TZ): bis zu drei Unterrichtstage
  • Berufliches Gymnasium: bis zu zehn Unterrichtstage
  • An berufsbildenden Schulen werden keine Schulwanderungen durchgeführt.

Schulfahrten finden grundsätzlich an Unterrichtstagen statt. Die Hinzunahme von unterrichtsfreien Wochenenden und Feiertagen sowie von Ferientagen ist zulässig, wenn die Eltern oder volljährigen Schüler dem zustimmen.

Schulfahrten sind mit der ganzen Klassen oder dem ganzen Kurs durchzuführen, es sei denn die Besonderheit der Veranstaltung macht einen hiervon abweichenden Teilnehmerkreis notwendig (z.B. bei Sportveranstaltungen). Alle Schüler sind grundsätzlich zur Teilnahme verpflichtet. Können einzelne Schüler in begründeten Ausnahmefällen nicht teilnehmen, so besuchen sie den Unterricht einer anderen Klasse oder eines anderen Kurses. Über Ausnahmen entscheidet der Schulleiter.

Vorbereitung und Genehmigungen

Jede Schulfahrt muss vom Schulleiter genehmigt werden. Der Antrag des Leiters für eine Schulfahrt enthält dabei die pädagogische Zielstellung, Angaben über Ort, Zeit und Dauer, Benennung von Begleitpersonen und gegebenenfalls Ersatzpersonen, die Einverständniserklärungen der Erziehungsberechtigten, der Schüler bzw. der volljährigen Schüler und einen Kostenplan. Mit Genehmigung der Schulfahrt gilt die Dienstreise für den Leiter und für die begleitenden Lehrkräfte als angeordnet.

Der Abschluss von Beförderungs- und Beherbergungsverträgen darf erst nach der Genehmigung der Schulfahrt erfolgen. Verträge sind vom Schulleiter zu unterzeichnen.

Die Schule plant die Schulfahrten und erörtert sie rechtzeitig mit den Erziehungsberechtigten. Auch die Schüler sind umfassend an den Vorbereitungen zu beteiligen. Die Erziehungsberechtigten beziehungsweise volljährigen Schüler müssen der Schulfahrt schriftlich zustimmen und sich verpflichten, die entstehenden Kosten zu tragen. Besonders für Schulfahrten mit erhöhtem Sicherheitsrisiko (z.B. Gebirgswanderungen, Wassersport) muss das schriftliche Einverständnis der Erziehungsberechtigten und der Schüler vorliegen.

Schulfahrten ins Ausland bedürfen der besonderen Vorbereitung. Die Bestimmungen für Grenzübertritte des Ziellandes sind zu beachten. Dies gilt insbesondere, wenn ausländische Schüler aus Nicht-EU-Staaten an der Schulfahrt teilnehmen. Eine ausreichende sprachliche Verständigung durch den Leiter oder eine Begleitperson muss gesichert sein. Schulfahrten ins Ausland sind vier Wochen vor Beginn der Fahrt schriftlich beim zuständigen Regionalschulamt anzuzeigen.

Aufsicht und Begleitpersonen

Die Teilnahme an Schulfahrten gehört zu den dienstlichen Aufgaben der Lehrkräfte. Die Vorbereitung und Durchführung der Schulfahrt obliegt im Regelfall dem Klassenlehrer, Kursleiter oder Tutor. Der Leiter sollte über eine entsprechende Eignung und Erfahrung verfügen.

Art und Umfang der Aufsicht richten sich v.a. nach den Gegebenheiten der Schulfahrt und dem Alter der Schüler. Bei Schulwanderungen genügt die Aufsicht durch den Leiter, er kann aber weitere Begleitpersonen hinzuziehen. Bei schwierigen Aufsichtsverhältnissen oder mehrtägigen Schulfahrten ist die Teilnahme einer weiteren Begleitperson erforderlich. Begleitpersonen können Lehrer oder andere volljährige Personen sein. Bei mehrtägigen Schulfahrten ab Klassenstufe 7, an denen Schülerinnen und Schüler teilnehmen, ist die Teilnahme von Aufsichtspersonen beiderlei Geschlechts erforderlich, es sei denn, es nehmen nur volljährige Schüler teil.

Vor der Schulfahrt muss der Leiter die Schüler über Gefahren und Maßnahmen zum sicheren Verhalten unterweisen sowie darin, dass den Anordnungen der Lehrkräfte und Begleitpersonen Folge zu leisten ist. Besonders bei Schulfahrten mit erhöhtem Sicherheitsrisiko (z.B. Wanderungen im Hochgebirge, Klettertouren, Ski- und Wassersport) sind die Verhaltensregeln und Sicherheitsmaßnahmen mit den Teilnehmern im Vorfeld festzulegen. Die Erlasse der Schulaufsichtsbehörden über Sicherheitsbestimmungen und Qualifikationen von Lehrkräften für einzelne Sportarten sind zu beachten.

Tipp
Welche Regelungen bei der Durchführung von Sport bei Klassenfahrten generell zu beachten sind, haben wir hier zusammengefasst.

Auf Schulfahrten ist Erste-Hilfe-Material mitzunehmen. Die Lehrkräfte müssen außerdem über Kenntnisse in Erster Hilfe verfügen. Hat sich ein Unfall oder ein Krankheitsfall ereignet, ist sofort für ärztliche Hilfe zu sorgen und die Erziehungsberechtigten sind zu benachrichtigen.

Der Ausschluss von Schülern von einer Schulfahrt vor und während der Veranstaltung richtet sich nach §§ 32, 39 SchulG. Während der Schulfahrt entscheidet der Leiter nach Anhörung der Erziehungsberechtigten oder des volljährigen Schülers über den Ausschluss eines Schülers. Der Schulleiter ist zu informieren. Die Erziehungsberechtigten sind umgehend von der Entscheidung zu unterrichten. Der minderjährige Schüler soll von ihnen abgeholt werden, andernfalls soll der Schüler durch eine Begleitperson nach Hause gebracht werden. Die anfallenden Kosten tragen die Erziehungsberechtigten oder der volljährige Schüler.

Hinweis
Im Blog gehen wir im Detail auf die Thematik „Ausschluss von Klassenfahrten“ ein.

Kosten und Finanzen

Die zur Verfügung stehenden Mittel werden den Regionalschulämtern vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus jährlich zugewiesen. Die Regionalschulämter informieren die Schulen über die Höhe der zur Verfügung stehenden Mittel, durch die alle Reisekosten der teilnehmenden Lehrkräfte und Begleitpersonen zu begleichen sind. Der Schulleiter entscheidet, wie die Mittel für die jeweilige Schule in Anspruch genommen werden.

Die Reisekostenerstattung für Lehrer erfolgt entsprechend dem SächsRKG. Freiplätze der Beförderungs- und Beherbergungsunternehmen sind zur Minderung der Reisekosten der Lehrer und Begleitpersonen einzusetzen.

Tipp
Über Sachsens Finanztöpfe hinaus gibt es auch auf Bundesebene Förderungsmöglichkeiten für Klassenfahrten, die hier nachgeschlagen werden können.

Die finanzielle Belastung durch die Schulfahrt muss für alle Teilnehmer zumutbar sein. Das ist bei der Planung zu beachten.

Versicherungen

Alle Schüler sind bei Schulfahrten in der gesetzlichen Schülerunfallversicherung Unfallkasse Sachsen versichert. Ausgenommen sind Tätigkeiten, die nicht durch die Schulveranstaltung bedingt sind (z.B. Essen, Trinken, Schlafen und Freizeit). Lehrkräfte und andere Begleitpersonen sind in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert, für Lehrkräfte im Beamtenverhältnis tritt die beamtenrechtliche Unfallfürsorge ein.

Es wird empfohlen, dass bei Schulwanderungen von den Schülern ein Krankenversicherungsnachweis und bei Schulfahrten zusätzlich der Impfausweis (auch als Kopie) mitgeführt wird.

Bei Fahrten ins Ausland sind die Erziehungsberechtigten und die volljährigen Schüler auf versicherungsrechtliche Besonderheiten hinzuweisen. Der aktuelle Stand ist bei den Krankenkassen zu erfragen.

Die Erziehungsberechtigten und die volljährigen Schüler sind auf die Möglichkeit des Abschlusses von Haftpflicht-, Gepäck- und Reiserücktrittskostenversicherungen und bei einem Auslandsaufenthalt auf die Notwendigkeit einer Auslandskrankenversicherung hinzuweisen. Es obliegt den Erziehungsberechtigten und den volljährigen Schülern, Versicherungslücken selbst zu schließen. Der Hinweis darauf ist aktenkundig zu machen.

Tipp
Spezielle Versicherungsangebote, wie z.B. die Herolé-Reiserücktrittsversicherung für die Klassenfahrt, stellen wir hier vor.

Beförderung

Schulfahrten werden im Regelfall mit Bus oder Bahn durchgeführt. Die Benutzung des Flugzeugs ist nötigenfalls zulässig.

Fahrradfahren ist nur erlaubt, wenn die Verkehrsbedingungen sowie Alter, Verkehrserfahrung und Fahrsicherheit der Schüler und die Verkehrssicherheit der Fahrräder das zulassen. Das schriftliche Einverständnis der Erziehungsberechtigten muss vorliegen.

Hinweis
Was muss man beim Fahrradfahren auf Klassenfahrt generell beachten? Hier geben wir viele nützliche Hinweise.

Die Benutzung von privaten Kraftfahrzeugen durch Lehrkräfte und sonstige Begleitpersonen muss durch den Schulleiter genehmigt werden. Im begründeten Ausnahmefall dürfen auch Schüler der Sekundarstufe II private Kraftfahrzeuge benutzen, wenn die Schulleitung das genehmigt.  Für minderjährige Mitfahrer ist das schriftliche Einverständnis der Erziehungsberechtigen erforderlich.

Quelle

Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus zur Durchführung von Schulfahrten (VwV-Schulfahrten), Az.: 36-6535.10/41, vom 7. April 2004
Richtlinien für Schulfahrten in Sachsen

Hinweis
Welche Rahmenbedingungen für Klassenfahrten in den anderen Bundesländern gelten, kann hier nachgelesen werden.

 

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Carsten Herold

Geschäftsführer HEROLÉ Reisen

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