Unser Reiseblogger Christoph im Interview

Unser Reiseblogger Christoph im Interview

Christoph Karrasch (30) stammt ursprünglich aus Kiel, wo er auch lebt – wenn er nicht gerade quer durch die ganze Welt reist. Als Reporter für Reisemagazine und mit dem Erstellen von Reisereportagen für Online-Medien und seinen Blog hat er sich inzwischen selbstständig gemacht. Bevor er sich dem Wagnis #klassenfahrtdiary stellt, stand er uns Rede und Antwort.

Fernweh, Reisen, Bloggen

Erzähl uns von deinem ersten eigenen Urlaub – ohne Eltern oder auf Klassenfahrt.

Meine drei besten Freunde und ich waren gerade 15 geworden – und alles, was uns an Fortbewegungsmitteln zur Verfügung stand, waren unsere Fahrräder, der Zug und eine Fähre. Also kombinierten wir all das und fuhren an einem warmen Morgen in den Sommerferien in Kiel los: mit dem Fahrrad bis zum Hauptbahnhof, mit dem Zug bis Westerland auf Sylt, mit dem Fahrrad hoch an Sylts Nordzipfel bei List und von dort mit der Fähre rüber auf die dänische Insel Rømø, wo wir eine unvergessliche Woche in unseren Zelten verbrachten.

Wie bist du auf die Idee gekommen, über deine Reisen zu bloggen?

Die Idee, als Reisejournalist oder –autor durch die Welt zu reisen, gärte schon sehr lange in mir. Schon mein ganzes Leben habe ich diesen Drang, auszubrechen und unseren Planeten kennenzulernen. Also traute ich mich einfach, diesen Weg einzuschlagen. Nach meiner Ausbildung beim Radio und einer anschließenden Festanstellung als Redakteur und Moderator machte ich mich nach sechs Jahren schließlich als Reisejournalist selbstständig. Ich verließ den Sender und begann, Reisereportagen für Magazine und Tageszeitungen zu schreiben. Mein Videoblog VonUnterwegs.com wuchs von da an automatisch mit, da ich auf meinen Reisen stets meine Videokamera dabei hatte.

Christoph3Wie wird man eigentlich professioneller Reiseblogger und kann das jeder werden?

Es gibt keinen klassischen Weg zum professionellen Reiseblogger. Alle, die ich in diesem Umfeld kenne, sind da mehr oder weniger reingestolpert. Als wir ca. 2011 mit dem Reisebloggen als Hobby anfingen, ahnte keiner von uns, dass daraus mal eine richtige Branche werden würde. Wir waren einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wer ein Auge darauf wirft, selbst Reiseblogger zu werden, sollte vor allem ein Talent fürs Geschichtenerzählen – egal ob schriftlich, in Fotoserien oder mit Videos – mitbringen. Und natürlich ist es auch unabdingbar, sich mit den neuen Medien bzw. den Möglichkeiten des Internets im Allgemeinen auskennen, um es sich als Marketingtool zu Eigen zu machen. Das klingt allerdings einfacher, als es ist – die Tiefen des Internets sind manchmal unergründlich.

Was sind deine Top3-Reiseziele?

Seitdem ich das erste Mal in Bangkok war, bin ich dauerverliebt in diese laute, wuselige Stadt. Sie ist nicht aufgeräumt, sie ist nicht sauber – aber sie hat eine unglaubliche Energie, die mich sofort mitgerissen hat – wie der Rest von Thailand übrigens auch, nur dass es auf dem Land und den Inseln deutlich entspannter zugeht als in der 13-Millionen-Metropole. Weitere Lieblingsziele von mir sind die USA und Australien, weil das Leben dort unserem Leben in Europa sehr ähnelt. Dort kann ich mich schnell heimisch fühlen.

An welche Orte willst du unbedingt noch reisen?

Ganz oben auf meiner Liste stehen einige der Südseeinseln wie Fidschi und Tonga, aber auch nach Hawaii möchte ich endlich unbedingt mal reisen.

An welche Orte willst du vielleicht gar nicht reisen?

Die vermeintlichen Krisengebiete dieser Erde reizen mich nicht besonders, ich bin ja kein Krisenreporter. Aber abgesehen davon gibt es eigentlich keinen Ort auf der Erde, dem ich nicht offen gegenüber stünde.

Welches ist deiner Meinung nach das am meisten unterschätzte Reiseziel? Und warum lohnt es sich doch?

Als Schüler durfte ich mal eine Woche zum Austausch nach Estland, ein Land, von dem glaube ich kaum jemand eine Vorstellung hat. Mich hat Estland damals so sehr fasziniert, dass ich einige Jahre später noch einmal dorthin gereist bin. Weil die Natur mit traumhaften Wald- und Seenlandschaften so etwas wie Kanada im Kleinformat ist. Außerdem ist Tallinn eine der gemütlichsten, kleinen Hauptstädte, die ich kenne.

Christoph5Du hast auf deinen Reisen ja schon viele Winkel der Erde gesehen. An welchem könntest du dir vorstellen, sesshaft zu werden?

Prinzipiell an jedem, der meiner eigenen Kultur nicht allzu fremd ist. Ich liebe es, in exotische Kulturen wie in Thailand oder Afrika einzutauchen. Aber um tatsächlich dauerhaft woanders zu leben, würde ich mir einen schönen Ort wie San Francisco, Amsterdam, Sydney oder Lissabon aussuchen, an dem es keine allzu großen sprachlichen und kulturellen Unterschiede gibt.

Heimweh vs. Fernweh – Was lässt sich besser ertragen?

Puh, das ist eine schwierige Frage. Ich habe es in den letzten Jahren geschafft, ein Gleichgewicht aus beidem herzustellen. Keine meiner beruflichen Reisen ist so lang, dass sich echtes Heimweh einstellt, aber immer lang genug, um das ganz schlimme Fernweh, das sich sonst breit machen würde, stillen zu können.

Der Klassiker: drei Dinge, die du mit auf eine einsame Inseln nehmen würdest. Was würdest du einpacken?

Es kommt drauf an, ob ich von meinem Aufenthalt auf dieser Insel berichten möchte. Dann würde ich mich natürlich für Laptop, Kamera und Smartphone (aber mit Empfang, bitte!) entscheiden. Zum Abschalten und Urlaubmachen hingegen brauche ich nicht viel: Buch, Sonnenbrille und Badehose.

Back to school – Als Blogger auf Klassenfahrt

Was können die Schüler von einem Reiseblogger, der mit auf Klassenfahrt fährt, erwarten?

Das wird eine sehr interessante Erfahrung. Meine letzte Klassenfahrt ist ja schon über ein Jahrzehnt her. Ich werde mich also an die Jungs und Mädels halten, ihnen mit neugierigen Augen und scharf geschalteter Kamera auf ihren Trips folgen. So eine Klassenfahrt ist schließlich für alle Beteiligten ein toller Ausnahmezustand.

Christoph1Worauf freust du dich schon am meisten?

Spannend finde ich bei dem Projekt, dass ich in kürzester Zeit verschiedene europäische Reiseziele mit verschiedenen Klassen erleben darf. An einem Tag bin ich bei der einen Gruppe in Kroatien, am nächsten mit einer anderen am Gardasee. Dabei entstehen bestimmt ganz tolle Momentaufnahmen. Sehr gespannt bin ich auch auf das Rafting in Tschechien.

Wenn du an deine Klassenfahrten zurückdenkst – welche Erlebnisse haben sich besonders eingeprägt?

Ich habe während meiner Schulzeit tolle Klassenfahrten erlebt, einmal waren wir auf Fahrradtour entlang der Weser, ein anderes Mal in Berlin. Das prägendste Erlebnis war dabei sicherlich, dass ich auf Klassenfahrt das erste Mal ein Mädchen geküsst habe.

Zum Abschluss: Was für ein Typ warst du auf Klassenfahrten? Hatten es die Lehrer leicht mit dir?

Ich glaube, dass ich ganz okay war… Aber die eigentliche Frage ist doch: Wie leicht hatte ich es mit den Lehrern?

Romy Herold

Ihre Reiseexpertin für Deutschland.

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