Steuertipps für Lehrer

Steuertipps für Lehrer

Auf der Liste der unbeliebtesten Tätigkeiten im Leben eines Lehrers rangiert die Steuererklärung vermutlich ganz weit oben. Trotz der verständlichen Abneigung gegen die komplizierten Regeln des deutschen Steuersystems sollten sich Pädagogen Zeit dafür nehmen – sie können nämlich viele Alltagskosten von der Steuer absetzen. Ob Arbeitsmittel, Fortbildungskosten oder Dienstreisen: Wir stellen die wichtigsten Steuertipps für Lehrer vor!

Arbeitszimmer

Unterricht vorbereiten, Klassenarbeiten korrigieren oder den Schulausflug organisieren – in der eigenen Wohnung zu arbeiten ist für Lehrer selbstverständlich, da nur die wenigsten Schulen ausreichend Arbeitsplätze für ihre Lehrkräfte anbieten. Entsprechend können Pädagogen bis zu 1250 Euro für ihr Arbeitszimmer als Werbekosten in der Anlage N der Steuererklärung geltend machen. Diese Summe ist allerdings der Höchtsbetrag und keine Pauschale. Das heißt, dass Lehrer die anfallenden Kosten für ihr Arbeitszimmer gegenüber dem Finanzamt nachweisen müssen.

Konkrete Ausgaben wie zum Beispiel die Renovierung des Arbeitszimmers können Lehrer bei der Steuererklärung angeben. Doch wie sieht es mit anteiligen Kosten wie zum Beispiel Miete, Hausratsversicherung und Heizkosten aus? Diese werden anteilig an die Gesamtfläche der Wohnung bestimmt: Die „Fläche des Arbeitszimmers“ wird durch „Gesamtfläche der Wohnung“ geteilt und mit 100 multipliziert. Wie die Vereinigte Lohnsteuerhilfe an einem Beispiel verdeutlicht, heißt das konkret:

Wenn die Wohnung eines Lehrers insgesamt 120 Quadratmeter (inklusive Arbeitszimmer) groß ist und das Arbeitszimmer eine Fläche von 15 Quadratmetern hat, wird der Anteil der Kosten wie folgt berechnet:

15 qm : 120  qm * 100 = 12,5

Somit können 12,5 Prozent aller Miet-, Heiz- und übrigen Kosten, die für die Wohnung entstehen, als Werbekosten in der Anlage N geltend gemacht werden.

Arbeitsmittel

In der Steuererklärung können Lehrer viele Kosten geltend machen.

Im Gegensatz zu vielen Angestellten müssen sich Lehrer um Arbeitsmittel wie etwa Stifte, Druckerpatronen und Aktentaschen selbst kümmern. Diese für die Arbeit notwendigen Gegenstände können ebenso als Werbemittel steuerlich abgesetzt werden wie Einrichtungsgegenstände für das Arbeitszimmer. Voraussetzung ist, dass die Gegenstände fast ausschließlich beruflichen Zwecken dienen. Seit diesem Jahr können alle Anschaffungen unter einem Wert von 800 Euro netto (952 Euro brutto) sofort als geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) abgeschrieben werden. Höhere Kosten, zum Beispiel neu angeschaffte Möbel für das Arbeitszimmer, müssen über eine amtlich vorgegebene Nutzungsdauer verteilt abgeschrieben werden.

Tipp
Über welchen Zeitraum Güter abgeschrieben werden, regelt die sogenannte „AfA-Tabelle für die allgemein verwendbaren Anlagegüter“. Weitere Infos dazu bietet das Bundesfinanzministerium.

Fachliteratur

Auch für Fachliteratur wie Bücher oder Zeitschriften müssen Lehrer selbst in die Tasche greifen. Die Ausgaben dafür können aber als Werbekosten in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der vollständige Titel des Fachmediums auf dem Kaufbeleg angegeben wird.

Viele Finanzämter akzeptieren pauschal Ausgaben von bis zu 110 Euro für Arbeitsmittel und Fachliteratur ohne einen Nachweis zu verlangen. Da jedoch kein Rechtsanspruch auf diese Pauschale besteht, sollten Lehrer die Kaufbelege für Fachliteratur immer aufbewahren.

Klassenfahrten und Schulausflüge

Offiziell gelten Klassenfahrten für Lehrer als Dienstreisen, für die sie oftmals selbst aufkommen müssen. Allerdings können die Kosten, die nicht von der Schule übernommen werden, steuerlich abgesetzt werden. Das gilt für:

  • Fahrtkosten: Bei Bahn- und Flugreisen dürfen Lehrer die vollen Kosten angeben. Bei der Anreise mit einem PKW gilt die Pauschale von 30 Cent pro gefahrenem Kilometer.
  • Übernachtungskosten
  • Nebenkosten wie Eintrittsgelder
  • Verpflegungsmehraufwand

Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe empfiehlt Lehrern, dass sie alle Belege während der Klassenfahrt sammeln und aufbewahren. Um Probleme mit dem Finanzamt zu vermeiden, sollten sich Pädagogen zum Beispiel von der Jugendherberge bescheinigen lassen, dass sie zu Schulzwecken vor Ort waren.

Falls Lehrer im Rahmen eines konkreten Programmpunkts während der Klassenfahrt oder eines Schulausflugs einen Unfall erleiden, gilt dieser übrigens als Arbeitsunfall und wird entsprechend steuerlich berücksichtigt. Sämtliche Anwendungen, die aufgrund des Unfalls notwendig sind, können als Werbekosten geltend gemacht werden.

Tipp
Auch ungewöhnliche Unfälle während einer Schulveranstaltung fallen bisweilen unter diese Regelung. So hat das Verwaltungsgericht Stuttgart den Sturz  einer Lehrerin von einer Bierbank während eines Volksfests als Dienstunfall anerkannt. Die Begründung der Richter: Das gemeinsame Tanzen der Besucher auf Festzeltbänken sei sozial angemessen.

Fortbildungskosten

Fortbildungen sind für Lehrer oftmals kostspielig. Umso wichtiger ist es, sie als Werbekosten in der Anlage N anzugeben.

Fortbildungen etwa zu pädagogischen Methoden müssen Lehrer oftmals selbst bezahlen. Die gute Nachricht: Qualifizierungsmaßnahmen, die beruflichen Zwecken dienen und von anerkannten Verbänden wie etwa dem Deutschen Sportlehrerverband veranstaltet werden, gelten als Werbekosten und können als solche geltend gemacht werden. Um Probleme mit dem Finanzamt zu vermeiden, sollten sich Lehrer von der Schulleitung bescheinigen lassen, dass die Fortbildung von der Schule erwünscht ist.

Weitere Kosten

Um von zu Hause aus arbeiten zu können, sind Lehrer in der Regel auf Telefon und Internet angewiesen. Die hierfür anfallenden Kosten sind ebenfalls steuerlich absetzbar. In der Regel akzeptieren Finanzämter einen monatlichen Betrag von bis zu 20 Euro ohne Einzelnachweis.

Auch die Mitgliedsbeiträge für Berufsverbände wie dem Deutschen Philologenverband, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) oder dem Beamtenbund werden akzeptiert.

Zu guter Letzt können auch die Fahrtkosten zur Schule geltend gemacht werden. Unabhängig vom benutzten Verkehrsmittel akzeptiert das Finanzamt eine Pauschale von 30 Cent pro zurückgelegtem Kilometer. Für diese Kosten müssen keine Nachweise gesammelt werden. Wer öffentliche Verkehrsmittel benutzt und dabei höhere Ausgaben hat, kann die tatsächlichen Fahrtkosten ansetzen. In diesem Fall müssen die Fahrkarten der Steuererklärung beigefügt werden.

Werbekostenpauschale vs. tatsächliche Kosten

Ohne Nachweise berücksichtigt das Finanzamt eine Werbekostenpauschale von 1000 Euro pro Jahr und Person. Dieser Betrag wird vom Einkommen des Lehrers auch dann steuerlich abgezogen, wenn die tatsächlichen Werbekosten aus den oben genannten Punkten geringer sind. Alle, deren Werbekosten höher als 1000 Euro sind, sollten diese aber in jedem Fall aufführen und Belege sammeln. Der Aufwand lohnt sich – denn mit einer fundierten Steuererklärung können Lehrer bares Geld sparen!

Quellen und weiterführende Links

Vereinigte Lohnsteierhilfe: Steuertipps für Lehrer

Vereinigte Lohnsteuerhilfe: Arbeitsmittel von der Steuer absetzen

DLG Lohnsteuerhilfeverein: Steuertipps für Lehrer

Finanztip: Häusliches Arbeitszimmer

Frankfurter Rundschau: Das häusliche Arbeitszimmer von der Steuer absetzen

Fotos: Shutterstock, Pixabay


 

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Carsten Herold

Geschäftsführer HEROLÉ Reisen

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