Mit dem Nachtbus nach Kroatien

Mit dem Nachtbus nach Kroatien

Samstag/Sonntag, 30. /31. August 2014

Es ist ein verregneter Samstagabend, an dem sich der 12. Jahrgang des Helene-Lange-Gymnasiums vor der Schule in Dortmund-Hombruch einfindet. Der Warnblinker des Herolé-Reisebusses wirft seinen orangefarbenen Schein durch die dunkle Straße, er geht wahrscheinlich gemächlicher als so mancher Pulsschlag der Schülerinnen und Schüler. Die Aufregung ist selbst für mich, der gerade zum ersten Mal auf die Gruppe stößt, zu spüren. Vor dem Einstieg noch schnell eine Umarmung der Eltern, und dann geht es ab in den Bus.

Zur Begrüßung Morgengrauen in Österreichstellt Busfahrer Micha sich und seinen Kollegen vor: „Unser zweiter Fahrer heißt Hermann, aber der spricht leider nur ganz wenig Deutsch. Er kommt nämlich aus Bayern.“ Was sofort auffällt: Die Aufteilung im Bus ist wie eh und je. Die Jungs besetzen die hintersten Reihen, die Mädels sitzen mittig bis vorne. Auf einige Klassenfahrtgesetze ist eben immer Verlass.

Wir haben noch nicht einmal die Stadtgrenze hinter uns gelassen, da drehen die Jungs schon ihre Boxen auf und singen lauthals zu „Atemlos durch die Nacht“ mit. Ja, das könnte wirklich das Motto für diese Fahrt werden – schließlich werden wir für den 16-Stunden-Trip nach Kroatien tatsächlich (mehr als) die ganze Nacht unterwegs sein. Einige Mädchen stimmen mit ein, andere wiederum verlangen ein sofortiges Helene-Fischer-Verbot an Bord.

Gegen Mitternacht verstummen die letzten Stimmen, und die 36 Schüler fallen in einen mehr oder weniger ausgiebigen Schlaf. Kurz nach dem Aufwachen überfahren wir im Morgengrauen die österreichische, später die slowenische und nach einigen weiteren Stunden schließlich die kroatische Grenze. Das Ziel ist zum Greifen nah: Pula am Südzipfel der Halbinsel Istrien.Badebucht Pula

Für den Rest des Tages steht nur noch ein Programmpunkt auf dem Plan: der erfrischende Sprung ins Mittelmeer! Wenige Gehminuten vom Hotel entfernt befindet sich eine kleine Badebucht, in der die Jugendlichen in den nächsten Tagen regelmäßig schwimmen und schnorcheln werden, um zum Beispiel Meerestiere zu entnehmen und zu bestimmen – schließlich ist dies unter anderem die Studienfahrt des Biologiekurses.

Montag, 1. September

Am nächsten Morgen halten einige Schüler im Seminarraum des Hotels Referate zum Kennenlernen der Region – die Landschaft, die Besonderheiten der Halbinsel, die (geringen) Gezeiten des Mittelmeers, die Unterwasserwelt. Interessanteste Erkenntnis des Vormittags: Der Seestern kann seinen Magen aus seinem Körper herausstülpen, um besser an Nahrung zu gelangen.

Gruppenbild Istrien
Zwischendurch gibt es immer wieder genügend Gelegenheit, um die Freizeit zu genießen oder Pula zu erkunden. Auf einer Führung entdecken wir die altrömischen Überreste der Altstadt. Das beeindruckendste Zeugnis ist zweifelsohne das Amphitheater, in dem früher echte Gladiatorenkämpfe stattgefunden haben. Heutzutage geht es in der Arena bei großen Sommerevents mit Musikstars wie Sting und Norah Jones glücklicherweise weniger blutrünstig zu. Am Nachmittag verlaufen sich die Schüler in den Gassen der Altstadt, zeigen sich beim Bummel durch die Markthalle und schießen Selfies auf den Vorsprüngen der alten Gemäuer.

Nur abends, nachdem die Sonne untergegangen ist und wir mit dem gemeinsamen Abendessen fertig sind, sind sie plötzlich nicht mehr zu sehen. Dann nämlich beginnt die Tageszeit, zu der sich die 16- bis 18-jährigen ausschließlich mit sich und ihren Klassenkameraden beschäftigen wollen. Und das an einem Ort, an dem abends weder die Lehrer noch irgendwelche dahergelaufenen Reiseblogger etwas zu suchen haben: die romantische kleine Bucht im Mondschein – bei Gesprächen, Getränken und, sagen wir, Gemütlichkeit.

Das ist dann auch der Moment, an dem meine Berichterstattung über die Reise des 12. Jahrgangs aus Dortmund endet. Denn es ist ja bekannt: Auf Klassenfahrten gilt die gleiche Regel wie in Las Vegas. What happens on Klassenfahrt, stays on Klassenfahrt.

Christoph Karrasch

Reiseblogger und Abenteurer.

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