Lustiges Namenraten in Nizza – #klassenfahrtdiary Côte d’Azur

Lustiges Namenraten in Nizza – #klassenfahrtdiary Côte d’Azur

Ein Montagmorgen in Nizza: Möglichst unscheinbar schleiche ich mich durch die Lobby des Schülerhotels und suche mir einen Platz, an dem ich einen guten Überblick über den Eingangsbereich habe. Das Procedere habe ich inzwischen gelernt: Meine Ohren versuchen, im Akustikgewusel deutsche Stimmen herauszufiltern, meine Augen suchen Menschen, mit denen ich hier verabredet sein könnte. Davon gibt es in diesem Fall eine ganze Menge: Die 23 Schülerinnen und Schüler aus dem 11. Jahrgang des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums in München und ihre beiden Lehrer. Für mich ist es jedes Mal wieder so etwas wie ein Massen-Blind-Date.

Ein Massen-Blind-Date in Nizza

Unsere Gruppe an der Côte d'Azur - #klassenfahrtdiary 2016

Die Gruppe aus München

Es ist 9:15 Uhr, um diese Zeit sind wir verabredet – es ist also bestimmt schon irgendjemand aus der Gruppe hier. Vielleicht ist es der junge Mann, der direkt neben mir sitzt? Nee, er spricht Spanisch. Die Frau mit den schwarzen langen Haaren ist doch bestimmt die Lehrerin, oder? Nein, doch nicht, sie hat ein Namensschild an der Bluse, das sie als Touristenführerin outet. Schließlich trifft sich mein Blick mit dem einer jungen Frau am anderen Ende der Lobby. Neben ihr sitzt eine kurzhaarige Mittfünfzigern. Die beiden fangen an zu tuscheln, ich gehe auf sie zu. „Seid ihr…?“ frage ich. „Bist du…?“ erwidern sie im selben Moment. Na, dann haben wir uns ja gefunden. Frau Jacquot-Weber ist die Lehrerin, das Mädel stellt sich als Selin vor – und damit beginnt für mich die nächste, immer wiederkehrende Herausforderung auf Klassenfahrt: Namen lernen!

Während unseres Stadtrundgangs durch Nizza – die schwarzhaarige Frau stellte sich übrigens als unsere Führerin heraus – beschnuppern wir uns das erste Mal. Die größten Fragezeichen bezüglich meines Namens sind schnell geklärt: „Christian?“ – „Nein, Christoph.“ – „Ah, können wir dich Chris nennen?“ – „Öhm, klar, warum nicht.“ Ich hingegen habe es diesmal besonders schwer.

Erste Gehversuche mit der Kamera - #klassenfahrtdiary 2016

Sina und Leon schießen sich gegenseitig mit den Kameras ab.

Das allermeiste reime ich mir oft in den ersten Stunden zusammen, indem ich genau zuhöre, welche Namen in welche Richtung gerufen werden. Wie so oft in Schülergruppen dieser Generation sind auch dieses Mal wieder Lukas und Sarah, Jakob und Philipp, Johannes und Yannick dabei. Die sind relativ schnell ausfindig gemacht. Erschwerend kommt allerdings hinzu, dass es gleich zweimal Leo, einmal Leon und einmal Leah gibt. Außerdem Clara und Clarissa sowie Lina und Sina, wobei sich Sina als Junge entpuppt. Uff. Als Bonus noch ein paar Seltenheiten: Akin, Olivia, Hafez und Adriana. Da soll mal einer hinterherkommen.

Tolle Erlebnisse in der Gruppe

Aber das Schöne an diesen Klassenfahrten ist, dass sich das gegenseitige Beschnuppern recht schnell erledigt und ich im Optimalfall direkt einer von ihnen werde. So auch diesmal: Nach der Stadtführung steht für den Rest des Nachmittags Freizeit auf dem Programm, für die mich die Schüler zum Strand einladen: „Kommst du mit, ’n bisschen chillen?“ fragt mich Tim in der Hotellobby. Logo, voll gerne! Und so finde ich mich kurze Zeit später in der gemütlichsten Runde wieder, die ich mir am Strand der Côte d’Azur überhaupt vorstellen kann.

Chillen am Strand in Nizza - #klassenfahrtdiary 2016

Auszeit am Strand

Wir haben ein riesiges Lager aus Handtüchern gebaut, Melissa bringt die Bluetooth-Box mit Musik in Wallung, im Hintergrund klimpern ein paar (halberlaubte) Bierflaschen, im Wasser werfen wir mit dem Football, an Land spielen wir Karten – bis irgendwann die orangefarbene Sonne hinter der Stadtsilhouette verschwindet. Für jemanden, der alterstechnisch auch der Lehrer dieser Kids sein könnte, ist es alles Andere als selbstverständlich, so bedingungslos Teil der Gruppe zu werden.

In den darauffolgenden Tagen passiert noch einiges: Wir schauen uns gemeinsam das Picasso-Museum in Antibes an, fahren mit dem Boot die Côte d’Azur entlang und mit dem Zug nach Grasse, um in der Parfümerie Fragonard auf den Spuren von Grenouille zu wandeln – „Das Parfüm“, ihr wisst schon…

Was für ein toller Abschluss

Hafez' Klassenfahrten Workout - #klassenfahrtdiary 2016

Hafez und Lukas nutzen die Kulisse in Antibes für ein Buddy Foto

Aber die einzelnen Programmpunkte, das habe ich auf all meinen Klassenfahrten inzwischen gelernt, sind nicht das Entscheidende. Das Wichtigste ist das, was dazwischen passiert – miteinander, untereinander, gemeinsame Stunden am Strand zum Beispiel. Das habe ich dieses Mal besonders zu spüren bekommen. Mir persönlich haben die Mädels und Jungs ein paar schöne Tage beschert, vor allem aber haben sie etwas für sich selbst getan. Auf Klassenfahrt festigen und bestätigen sich Freundschaften. Es ist das letzte Mal, dass die Schüler vor dem Abitur gemeinsam unterwegs sind. Das weiß jeder von ihnen – und deshalb entstehen hier besondere Momente, die alle mit nach Hause nehmen werden. Einige davon werden für immer bleiben.

Und hier könnt ihr euch das Video unseres #klassenfahrtdiary an der Côte d’Azur anschauen: herole.de/klassenfahrtdiary/das-schoene-leben-an-der-cote-dazur-2016

Christoph Karrasch

Reiseblogger und Abenteurer.

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