Die Berliner Geschichte: Zweiter Weltkrieg und deutsch-deutsche Trennung

Die Berliner Geschichte: Zweiter Weltkrieg und deutsch-deutsche Trennung

Kaiserreich, mondäne Zwanziger Jahre, der Nazi-Terror, die deutsch-deutsche Trennung und schließlich der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung: Die Geschichte Berlins im 20. Jahrhunderts ist einzigartig. Kein Wunder also, dass viele Klassenfahrten ihren Schwerpunkt auf die historischen Aspekte Berlins legen. Die Fülle des Angebotes ist dabei so groß, dass es empfehlenswert ist, sich auf einen Teilaspekt der Berliner Geschichte zu konzentrieren: Das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg oder die Zeit der Deutsch-Deutschen Trennung. Diese Programmvorschläge helfen Ihnen bei der Entscheidungsfindung.

Bei der Ankunft in Berlin

Tag 1:

Wie viel Programm am ersten Tag schon auf die Schüler wartet, hängt natürlich von der Anreise ab: Kommt Ihre Klasse erst am späteren Nachmittag nach langer Busfahrt in Berlin an, ist es sicher sinnvoller, am ersten Tag nur noch einen Stadtbummel mit Abendessen zu unternehmen, zum Beispiel vom Brandenburger Tor über den Boulevard Unter den Linden zu den größten Sehenswürdigkeiten von Berlin-Mitte mit dem Alexanderplatz als Endstation. Bei einer früheren Ankunft kann natürlich auch am ersten Tag schon mit dem Programm begonnen werden. Sehr empfehlenswert zum Einstieg ist die interaktive Erlebnisausstellung „The Story of Berlin“, die durch 800 Jahre Stadtgeschichte führt.

Der Schwerpunkt deutsch-deutsche Trennung

Tag 2:

Soll die Zeit der Teilung Deutschlands im Mittelpunkt der Klassenfahrt stehen, beginnt der erste volle Tag in Berlin am besten an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Hier lässt sich der Schrecken der Mauer und des Todesstreifens am besten erfahren. Zur Gedenkstätte gehören das Dokumentationszentrum mit Aussichtsturm, das Besucherzentrum und die Ausstellung „Grenz- und Geisterbahnhöfe im geteilten Berlin“ im S-Bahnhof Nordbahnhof. Für Schulklassen werden nicht nur reguläre Führungen angeboten, sondern auch spezielle Workshops, Seminare und die Möglichkeit zu einer Gesprächsrunde mit Zeitzeugen. Auch ganze Projekttage können arrangiert werden.

Programm: Deutsch-Deutsche Trennung

Programmvorschlag: Deutsch-Deutsche Trennung

Nach einer Mittagspause geht es weiter zum ehemaligen Grenzübergang „Checkpoint Charlie“ an der Friedrichstraße, wo sich heute das Mauermuseum befindet. Hier erfahren die Schüler mehr über die vielen Fluchtversuche aus dem Osten Berlins über die Mauer in den Westen. Auf Wunsch können Führungen durch das Museum und Zeitzeugengespräche organisiert werden.

In direkter Nachbarschaft des Mauermuseums befindet sich das beeindruckende Asisi-Panorama „Die Mauer“ in einem eigenen Gebäude. Das 360°-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi zeigt den Alltag an der Berliner Mauer an einem grauen Herbsttag in den 80er Jahren mit vielfältigen Details aus Ost und West. Eine Führung hilft den Schülern, die vielen Einzelheiten des Panoramas besser zu erkennen und zu verstehen. Für Schulklassen bietet das Asisi-Panorama spezielle Informationsbroschüren zum Download und attraktive Kombi-Angebote, u.a. mit dem DDR-Museum.

Nach diesen vielen vermutlich bedrückenden Erfahrungen sollte am Abend Freizeit auf dem Programm stehen, zum Beispiel ein Bummel durch den Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

Zu Fuß oder per Fahrrad an der Mauer entlang

Tag 3:

Ein halber Tag sollte der Berliner Mauer selbst gewidmet werden, zum Beispiel in Form einer Fahrradtour. Der von der Stadt Berlin entwickelte „Berliner Mauerweg“ verläuft über insgesamt rund 160 Kilometer um das ehemalige West-Berlin herum. Geführte Touren konzentrieren sich meist auf den Mauerverlauf in der Innenstadt zum Mauerpark, dem Grenzübergang Bornholmer Straße und zum Tränenpalast, dem ehemaligen Kontrollgebäude am Grenzbahnhof Friedrichstraße, ehe sie am Potsdamer Platz zu Ende gehen. Eine kürzere Strecke im Zentrum kann auch auf einer geführten Tour zu Fuß erkundet werden.

Nach einigen Stunden Freizeit für die Schüler zu eigenen Erkundungen und zum Shoppingbummel kommt die Klasse abends wieder zusammen um das Berlin-Musical „Hinterm Horizont“ im Theater am Potsdamer Platz zu sehen. Zu den größten Hits von Udo Lindenberg wird die Geschichte des jungen (West-)Rockstars Udo und seines „Mädchens aus Ost-Berlin“ erzählt, das hier Jessy heißt. Das Buch zum Stück schrieb Drehbuchautor Thomas Brussig („Sonnenallee“).

Die DDR erleben

Tag 4:

Am letzten vollen Tag in Berlin wird die DDR noch einmal lebendig und zwar im DDR-Museum an der Spree: In diesem interaktiven Museum wird dank zahlreicher authentischer Ausstellungstücke der Alltag in der DDR erlebbar. Für Schulklassen bietet das Museum eine Reihe pädagogischer Angebote von Zeitzeugengesprächen über Workshops bis zu vollständigen Projekttagen.

DDR Museum Berlin

DDR-Museum mit Original-Trabant

Dass die DDR mehr war als putzige Trabis und Spreegurken verdeutlicht auf eindrückliche Weise das Stasimuseum Berlin in den Räumen des Ministeriums für Staatssicherheit. Schüler sehen hier mit eigenen Augen wie die Stasi die Bürger der DDR belauschte und sämtliche Bereiche des Alltagslebens kontrollierte. Für Schüler werden auch hier Führungen angeboten und Bildungsmaterial bereitgestellt. Führungen müssen unbedingt vorab vereinbart werden.

Zum Abschluss der Klassenfahrt ist dann noch einmal Party angesagt, zum Beispiel in der Schüler-Disco D-Light oder bei einem gemütlichen Grillabend im Hof des Hostels (soweit möglich), ehe es wieder auf die Heimreise geht.

Der Schwerpunkt Zweiter Weltkrieg

Auch heute noch ist es schwer zu fassen, dass sich der Nazi-Terror von Berlin aus über ganz Europa ausbreiten und Millionen Menschen das Leben kosten konnte. Umso wichtiger ist es, dass junge Leute verstehen, was damals geschah – und wie wichtig es ist, dass sich ein solches Verbrechen an der Menschheit nie mehr wiederholt. Eine Klassenfahrt mit dem Schwerpunkt „Zweiter Weltkrieg“ hilft dabei, das Grauen jener Zeit fassbar zu machen.

Tag 2:

Dokumentationszentrum Topographie des Terrors

Das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors

So kann der erste volle Tag in Berlin mit einem geführten Stadtspaziergang zum Thema „Berlin unterm Hakenkreuz“ beginnen: Dabei sehen die Schüler wichtige Orte wie den Reichstag im historischen Kontext, besuchen das Holocaust-Mahnmal am Brandenburger Tor, die ehemalige Reichskanzlei und das Reichsluftfahrtmuseum. Der Rundgang endet am Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, an dessen Stelle sich während des Dritten Reiches die Zentrale der Gestapo und der SS befanden. Empfehlenswert ist eine Führung durch das Dokumentationszentrum, die unter topographie.de kostenfrei gebucht werden kann.

Ein anderer Stadtrundgang konzentriert sich hingegen auf die Opfer des Nationalsozialismus und führt u.a. zu den Mahnmalen für die verfolgten Homosexuellen, die jüdischen Holocaust-Opfer und die ermordeten Roma und Sinti, sowie zum Bebel-Platz, wo ein unterirdischer Raum an die Bücherverbrennung im Mai 1933 erinnert. Unterwegs kommen die Schüler auch immer wieder an den sogenannten Stolpersteinen vorbei, die an individuelle Opfer des Terrors erinnern. Auch dieser Rundgang endet am Dokumentationszentrum Topographie des Terrors.

Auf den Spuren des jüdischen Berlins

Tag 3:

Der zweite volle Tag dieser Klassenfahrt konzentriert sich auf das jüdische Leben in Berlin, das die Nazis auf so schreckliche Art zerstörten. Das beeindruckende Jüdische Museum in der Lindenstraße dokumentiert zweitausend Jahre deutsch-jüdische Geschichte und sollte auf keinen Fall fehlen. Für Schulklassen jeden Alters bietet das Museum Führungen, Workshops, Projekttage und vieles mehr.

Wurde das Holocaust-Mahnmal noch nicht im Rahmen der Stadtführung besichtigt, kann nach einer Mittagspause eine Führung über das Gelände und durch die Dauerausstellung im „Ort der Information“ erfolgen.

Tipp
 Eine Alternative ist das kaum bekannte Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt in der Rosenthaler Straße, das an echte Zivilcourage erinnert: Der Berliner Kleinfabrikant Otto Weidt beschäftigte während des Zweiten Weltkriegs vor allem blinde und gehörlose Juden, die Besen und Bürsten herstellten und die er vor Verfolgung und Deportation zu schützen versuchte. Heute befindet sich ein Museum in der ehemaligen Fabrik, zu dem auch ein original erhaltener Hinterraum gehört, in dem Weidt jüdische Mitarbeiter versteckte. Der Eintritt sowie Führungen sind kostenlos: museum-blindenwerkstatt.de 
Programmvorschlag: 3. Reich & Jüdische Geschichte

Programmvorschlag: 3. Reich & Jüdische Geschichte

Weitere lohnenswerte Ziele  sind der Jüdische Friedhof Weißensee und das Bayerische Viertel in Schöneberg, wo die „Orte des Erinnerns“ an die Ausgrenzung, Vertreibung und Ermordung der Berliner Juden zwischen 1933 und 1945 erinnern. Dabei wird deutlich, dass es sich um einen schleichenden Prozess handelte, der von den meisten Menschen kaum wahrgenommen wurde – einfache Hinweisschilder, die unter die Haut gehen.

Die Gedenkstätte KZ Sachsenhausen

Tag 4:

Am letzten vollen Tag der Klassenfahrt steht ein Ausflug zur Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg auf dem Programm. Auf Wunsch kann für den Tag ein Bus für die Schüler organisiert werden, doch auch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bahnhof Oranienburg, dann Buslinien 804 oder 821) ist problemlos möglich. Für Schulklassen werden Führungen durch das ehemalige Konzentrationslager und die Museen angeboten, bei denen die Schüler über die Geschichte des KZ informiert werden. Zwischen 1936 und 1945 wurden über 200.000 Menschen in Sachsenhausen gefangen gehalten, von denen die meisten ums Leben kamen. Führungen sollten aufgrund der hohen Nachfrage möglichst weit im Voraus angemeldet werden.

Zum Abschluss dieser thematischen Klassenfahrt sollte jedoch auch daran erinnert werden, dass viele Deutsche aktiven Widerstand gegen die Nazis leisteten und dabei großen Mut zeigten. Der beste Ort dafür ist die Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock, wo die Widerstandskämpfer um Graf Stauffenberg am 20. Juli 1944 ihr Attentat auf Hitler verübten. Schülergruppen müssen sich rechtzeitig vorab für eine kostenfreie Führung anmelden. Weitere Informationen unter gdw-berlin.de

Am letzten Abend geht die Klassenfahrt dann mit einer Abschiedsparty zu Ende, bei der die Schüler von den vielen bedrückenden Erlebnissen Abstand nehmen können, ehe es wieder nach Hause geht.

Bilder: Visit Berlin, DDR Museum Berlin, Topographie des Terrors Berlin, HEROLÉ


 

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Sabine Roitsch

Ihre Reiseexpertin für Berlin

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