Mit Schülern diskutieren üben: Die Fishbowl-Methode

Mit Schülern diskutieren üben: Die Fishbowl-Methode

Sachlich diskutieren zu können ist eine Kompetenz, die spätestens im Berufsleben unabdingbar ist. Um das sachliche Diskutieren in der Klasse zu üben, eignet sich die Fishbowl-Methode hervorragend. Auch wenn der Name dieser Diskussionsmethode erst einmal ungewöhnlich klingen mag, ist sie gerade für den Unterricht in größeren Klassen äußerst praktikabel. Denn häufig ist es schwierig, alle Schüler zu Wort kommen zu lassen, wodurch zum einen die Aufmerksamkeit bei vielen Schülern sinkt und Diskussionen zum anderen schnell in unübersichtliches Chaos und Zwischenrufe ausarten können. Bei der Fishbowl-Methode geht es aufgrund einer klaren Rollenverteilung strukturierter vor.

Was ist die Fishbowl-Methode?

Bei der Fishbowl-Methode führt eine kleine Gruppe in einem Stuhlkreis eine Diskussion. Diese Diskussion wird von einem Moderator geleitet – das kann der Lehrer sein oder im besten Fall ein weiterer Schüler. Der Rest der Klasse wird zu Beobachtern, die die Diskussion in einem größeren Stuhlkreis mitverfolgen und am Ende Rückmeldungen über den Verlauf der Diskussion und das Verhalten der beteiligten Personen geben. Der Name der Methode rührt daher, dass die Diskutierenden in der Mitte wie die Fische in einem Aquarium von außen betrachtet werden.

Diskussionen sind Teil des alltäglichen Lebens eines jeden Menschen. Dabei sachlich zu bleiben, ist nicht immer leicht, jedoch eine wichtige Kernkompetenz, die sowohl während der Schulzeit als auch später im Berufsleben von großer Bedeutung ist. Aus diesem Grund ist es hilfreich, bereits in der Schule zu vermitteln, worauf es bei einer guten Diskussion ankommt. Die Schüler sollen lernen, ihren eigenen Standpunkt glaubwürdig und argumentativ zu vertreten und gleichzeitig respektvoll mit anderen Meinungen umzugehen. Die Fishbowl-Methode ist eine gute Übung, um mit Schülern ebendieses Vorgehen und Verhalten während einer Diskussion zu trainieren.

Anwendung im Klassenzimmer

Vorbereitung

  • Zuerst sollte den Schülern Zeit gegeben werden, um sich auf das zu diskutierende Thema vorzubereiten. Das kann als Hausaufgabe geschehen oder aber gemeinsam im Unterricht erarbeitet werden. Hilfreich ist es auch, mit wenigen präzise formulierten Fragen Denkanstöße zu geben. Die Schüler haben somit bereits eine Vorstellung vom Thema und die Diskussion sollte ohne Verzögerungen starten können.
  • Der Lehrer bestimmt eine kleine Gruppe (empfehlenswert sind etwa 3-5 Schüler), die den Kern der Diskutierenden bildet, sowie den neutralen Moderator, der die Diskussion leitet. Dieser achtet auch darauf, dass die Redeanteile nicht zu ungleich verteilt sind und kann die Ergebnisse schlussendlich zusammenfassen.
  • Der Aufbau ist einfach: Für die erste Gruppe werden Stühle in einem Kreis aufgereiht. Ein zusätzlicher, leerer Stuhl wird mit in den Kreis integriert. Der Rest der Klasse setzt sich in einem größeren Kreis um die Gruppe herum. Der größere Kreis besteht aus den Beobachtern der Diskussion.

Durchführung

  • Nun wird im Innenkreis über ein festgelegtes Thema diskutiert. Während der Diskussion können die Beobachter das Verhalten der Diskutierenden analysieren und sich Notizen für das Feedback im Anschluss machen.
  • Die Beobachter können sich aber auch selbst beteiligen. Wenn ein Schüler der Meinung ist, noch einen anderen Aspekt in die Diskussion einbringen zu können, kann er seinen Platz im Außenkreis verlassen und sich auf den leeren Stuhl zwischen die Diskutierenden begeben. Dort hat er die Möglichkeit, mitzudiskutieren und frischen Wind in das Gespräch zu bringen, bis er den Platz im Innenkreis wieder verlässt, um anderen Beobachtern die gleiche Möglichkeit zu geben.

Auswertung

  • Besonders wichtig ist das Feedback am Ende der Diskussion. Hier sind vor allem die Beobachter gefragt. Sie bewerten den Verlauf der Diskussion und merken an, was gut und was verbesserungswürdig war. Da bei der Fishbowl-Methode das Diskutieren selbst geübt werden soll, geht es weniger darum, Inhaltliches zu kritisieren, als vielmehr um das Führen der Diskussion selbst sowie den Umgang mit den anderen Schülerinnen und Schülern.
  • Auch die Schüler, die sich in der Innenrunde beteiligt haben, können schildern, wie die Diskussion von ihnen empfunden wurde. So können die Schüler sich gegenseitig helfen, ihr Vorgehen bei Diskussionen effektiv zu verbessern.

Durch das Feedback der Mitschüler lernt die Klasse das Diskutieren.

Vorteile

Die Fishbowl-Methode bietet viele Vorteile und ist sehr gut für die Anwendung in der Klasse geeignet.

  • Da nur wenige Personen aktiv an der Diskussion beteiligt sind, ist es einfacher für die gesamte Klasse, der Argumentation zu folgen.
  • Dadurch, dass die Diskussion von einem Moderator geführt wird, ist die Chance geringer, vom Thema abzulenken. Der Moderator kann sich im Zweifel ganz auf die Aufgabe konzentrieren, die Diskussion wieder zum eigentlichen Thema zu lenken.
  • Ein weiterer Vorteil ist die Dynamik, die durch die Beobachter in die Diskussion gebracht werden kann. Der freie Platz bietet den beobachtenden Schülern die Möglichkeit, ebenfalls aktiv zu werden. Das kann auch hilfreich sein, wenn die Diskussion in der Mitte mal ins Stocken gerät. Durch den Austausch werden neue Anregungen eingebracht und die Diskussion bleibt spannend.
  • Auch die einzelnen Rollen, die von den Schülern eingenommen werden, bieten Potenzial. So kann nicht nur das Diskutieren ausführlich trainiert werden, sondern auch die Gesprächsführung. Alle Schüler haben die Möglichkeit, über die Fishbowl-Methode zu lernen, welche Diskussionsstrategien es gibt und welche von ihnen in bestimmen Situationen am besten Anwendung finden.
  • Durch Rotationen oder mehrmalige Anwendung der Methode können Schüler sich außerdem in verschiedenen Rollen ausprobieren und ihre Stärken und Schwächen in ihnen kennenlernen.
  • Das Feedback lehrt die Schüler außerdem, sich selbst und auch andere einzuschätzen. Dadurch lernen sie voneinander, was sie gut können und was sie vielleicht noch verbessern müssen. Gleichzeitig können sie sich gegenseitig dabei helfen, ihre Diskussionsstrategien zu verbessern.

Quellen und weiterführende Links

Betzold: Diskussionsmethode Fishbowl

Klett: Eine Fishbowl-Diskussion führen

Lehrerfreund: Methoden zur Kommunikation

Fotos: Unsplash

Sindy Bellmann

Ihre Reiseexpertin für Italien und Spanien.

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