Aufsichtspflicht auf Klassenfahrten

Aufsichtspflicht auf Klassenfahrten

Klassenfahrten gehören besonders für Kinder und Jugendliche zu den Highlights der Schulzeit: Gemeinsam Ausflüge zu unternehmen, morgens am Frühstückstisch zu sitzen und andere Länder und Kulturen kennenzulernen kommt beim Nachwuchs in der Regel gut an. Gerade ältere Schüler möchten auf Schulfahrten aber auch ohne ihre Lehrer losziehen und zum Beispiel abends auf eigene Faust die Umgebung erkunden. Wir haben zusammengefasst, welche Regelungen Pädagogen bei der Aufsichtspflicht auf Klassenfahrten beachten müssen.

Aufsichtspersonen auf Klassenfahrten

Mindestens zwei Personen müssen bei einer mehrtägigen Fahrt die Aufsichtspflicht übernehmen. Darunter muss mindestens ein Lehrer sein, doch auch andere geeignete Personen wie zum Beispiel Eltern oder volljährige Schüler dürfen die Klasse begleiten. In diesem Fall übernimmt allerdings der Lehrer die Leitung der Fahrt und ist entsprechend gegenüber der weiteren Begleitperson weisungsberechtigt.

Bei der Wahl der Aufsichtspersonen muss allerdings beachtet werden, dass mindestens ein Mann und eine Frau die Fahrt begleiten müssen. Eine Ausnahme sind Fahrten mit Grundschülern bis zur vierten Klasse, die in der Regel auch ausschließlich von Lehrerinnen begleitet werden dürfen.

Tipp
Über die Rechte von Lehrern geben die Herolé-Reiseexperten hier eine Übersicht.

Aufsichtspflicht heißt nicht Anwesenheitspflicht

Kommt bei Jugendlichen gut an: Schüler möchten die Umgebung bei Klassenfahrten auch alleine erkunden

Ähnlich wie im Unterricht übernehmen die Begleitpersonen für die Zeit der Klassenfahrt die Aufsicht über die mitfahrenden Schüler. Sie sorgen dafür, dass die Schulordnung auch unterwegs eingehalten wird – das ist besonders in Bezug auf Alkohol– und Drogenkonsum wichtig. Allerdings können die Pädagogen ihre Schützlinge nicht rund um die Uhr bewachen: Spätestens nachts sind die Schüler alleine in ihren Zimmern untergebracht und stehen dann nicht unter direkter Aufsicht. Trotz dieser Einschränkungen erfüllt ein Pädagoge laut dem Bundesarbeitsministerium auch dann seine Aufsichtspflicht, wenn er die Gesamtsituation im Auge behält: So könnte die Lehrkraft zum Beispiel häufiger den Platz wechseln oder Stichproben vornehmen. Für die Nachtruhe sind laut dem Ministerium folgende Regelungen zu beachten:

Allgemein gilt für die Nachtruhe Folgendes: Die betreffenden Aufsichtspersonen müssen darauf achten, dass alle Schülerinnen und Schüler zu einer bestimmten Zeit in den Schlafräumen sind und dass in diesen Schlafräumen die vorgeschriebene Ordnung eingehalten wird. Eine Überwachung der Anwesenheit der Schülerinnen und Schüler in den Schlafräumen während der Nacht ist hingegen nur erforderlich, wenn hierzu ein besonderer Anlass besteht. – Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Abgesehen von den Schlafenszeiten erlauben viele Lehrer ihren Schülern auch, in Kleingruppen einige Stunden lang ohne Aufsicht loszuziehen. Hier gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit: Je nach geistiger Reife der Schüler sollten diese mehr oder weniger viel Zeit alleine verbringen dürfen. Natürlich sollten die Begleitpersonen zu dieser Zeit in Notfällen oder bei Fragen ständig erreichbar sein: Dafür kann zum Beispiel im Vorfeld ein Ort verabredet werden, an dem die Lehrer während des Ausflugs der Schüler zu finden ist. Falls die Schüler ein Handy mit auf die Klassenfahrt mitnehmen dürfen, ist außerdem eine Liste mit den Handynummern aller Mitfahrenden sinnvoll.

Damit minderjährige Schüler auch auf eigene Faust die Umgebung erkunden dürfen, müssen vorher die Erziehungsberechtigten um Einverständnis gebeten werden. Daher sollten die Klassenlehrer vorher eine schriftliche Erklärung austeilen, die die Schüler ihren Eltern vorlegen und unterschrieben zurückbringen. In diesem Fall ist der Pädagoge abgesichert und kann seine Schützlinge ruhigen Gewissens alleine losziehen lassen.

Aufsichtspflicht bei Sportveranstaltungen

Für eine gelungene Klassenfahrt dürfen für viele Schüler sportliche Aktivitäten wie ein Kurs im Segeln oder Surfen, Ballspiele oder Wanderungen nicht fehlen. Doch wer übernimmt die Haftung, wenn zum Beispiel ein Surf-Workshop von einem externen Unternehmen angeboten wird? Hier gilt: Auch wenn die Veranstaltung nicht vom Lehrer geleitet wird, liegt die Aufsichtspflicht weiterhin bei den Begleitpersonen. Da die Schule die Gesamtverantwortung für das Programm übernimmt, müssen die Lehrkräfte sicherstellen, dass die Schüler gefahrlos teilnehmen können. Jeder Pädagoge sollte sich daher zuvor mit den Sicherheitsanforderungen der geplanten Sportart vertraut machen und seine Schützlinge auf Risiken aufmerksam machen. Bei einem kommerziellen Angebot wie zum Beispiel einem Skikurs liegt allerdings die Verkehrssicherungspflicht bei den Betreibern des Angebots. Dieser muss somit dafür sorgen, dass den Schülern aus den entstehenden Risiken keine Schäden entstehen.

Besondere Erfahrung: Sportliche Aktivitäten verbessern den Teamgeist und machen Spaß

Während bei einer Klassenfahrt grundsätzlich mindestens eine Begleitperson mit Maßnahmen der Ersten Hilfe vertraut sein muss, gelten für Freizeitaktivitäten wie Wassersport erhöhte Anforderungen: In diesem Fall muss mindestens eine Begleitperson ein ausgebildeter Rettungsschwimmer sein. Hier reicht in der Regel ein Rettungsschwimmerabzeichen in Bronze. Erteilt ein Lehrer auf einer Klassenfahrt außerdem Ski- oder Sportunterricht, muss er über die entsprechenden Qualifikationen verfügen. Bei Unterricht im Skilauf sind zum Beispiel Prüfungen im alpinen Skilauf, Snowboardfahren oder Skilanglauf bzw. vergleichbare Qualifikationen nötig.

Tipp
Tipps und Empfehlungen für Ski-Klassenfahrten haben die Herolé-Reiseexperten hier zusammengefasst.

Versicherung auf Klassenfahrten

Neben dem eigenen Krankenversicherungsschutz sind sowohl Lehrer als auch Schüler auf einer Klassenfahrt zusätzlich versichert. Wichtig ist es auch hier, die Aufsichtspflicht zu beachten:

Versicherungsschutz für Schüler

Im Rahmen der gesetzlichen Schülerunfallversicherung sind Schüler auf einer Klassenfahrt auch im Ausland gegen körperliche Schäden versichert. Hier ist allerdings wichtig, dass dies nur für gemeinsame Schulaktivitäten gilt: Entfernen sich die Schüler zum Beispiel unerlaubt aus der Jugendherberge, kann ihr Versicherungsschutz unter Umständen erlöschen. Sollte beispielsweise bei einem unerlaubten nächtlichen Ausflug in die Innenstadt ein Schüler stürzen, ist dieser Unfall lediglich von der eigenen Krankenversicherung abgedeckt und nicht von der gesetzlichen Schülerunfallversicherung.

Versicherungsschutz für Lehrer und Begleitpersonen

Lehrer und andere Personen, die bei einer Klassenfahrt die Aufsicht übernehmen, sind ebenfalls im Rahmen einer gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt.

Ausschluss von einer Klassenfahrt

Um eine erfolgreiche Klassenfahrt zu garantieren, müssen sich sowohl minder- als auch volljährige Schüler an gemeinsame Regeln halten: Besonders im Falle von Drogen- und Alkoholkonsum müssen sie mit Konsequenzen rechnen. Verletzt ein Jugendlicher seine Pflichten erheblich, kann sogar sein sofortiger Ausschluss von der Klassenfahrt in Frage kommen. Da auch minderjährige Schüler unter Umständen ohne Aufsicht alleine die Rückreise antreten müssen, ist zuvor eine Information der Eltern notwendig: Noch vor Antritt der Klassenfahrt sollten die Erziehungsberechtigten der minderjährigen Schüler bzw. die volljährigen Schüler darauf hingewiesen werden, dass die Jugendlichen bei schwerem Fehlverhalten alleine abreisen müssen und damit nicht mehr der direkten Aufsicht einer Begleitperson unterliegen. Um rechtlichen Problemen vorzubeugen, sollten Pädagogen daher vor Antritt der Fahrt die Unterschrift der Eltern bzw. volljährigen Schüler als Bestätigung dafür einholen, dass sie über diese mögliche Konsequenz aufgeklärt worden sind.

Tipp
Dem Ausschluss von Klassenfahrten haben die Herolé-Reiseexperten einen eigenen Blogbeitrag gewidmet.

Schule ist Ländersache

Bei den Regelungen zur Aufsichtspflicht auf Klassenfahrten sind sich die Landesgesetzgebungen grundsätzlich sehr ähnlich. Dennoch ist es wichtig, dass sich Pädagogen rechtzeitig über die jeweiligen Bestimmungen in den Schulgesetzen bzw. Verwaltungsvorschriften erkundigen, damit keine Schwierigkeiten auftreten. Wenn sich Lehrer rechtzeitig informieren und die Schüler über ihre Rechte und Pflichten informieren, steht einer gelungenen Klassenfahrt nichts mehr im Weg!

Tipp
Eine Übersicht über die Schulgesetze der Länder ist hier zu finden.

Quellen und weiterführende Literatur

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Klassenfahrt

GEW – Die Bildungsmacher: Klassenfahrt/ Schulwanderung/ Schulfahrt 

Lehrer Lounge: Richtlinien für Klassenfahrten

Schulrecht Schleswig-Holstein: Aufsichtspflicht bei Klassenfahrten

Zeit Online: Gesunder Menschenverstand statt Rechtssicherheit

Bilder: Herolé, Shutterstock 


 

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Carsten Herold

Geschäftsführer HEROLÉ Reisen

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