Planspiel Politik – Spielerisch die Demokratie kennenlernen

Planspiel Politik – Spielerisch die Demokratie kennenlernen

Warum dauert es so lange, bis ein Gesetz verabschiedet wird? Was ist der Fraktionszwang und warum sind informelle Treffen im politischen Alltag so wichtig? Wenn im Schulunterricht das politische System Deutschlands oder der Bundestagswahlkampf besprochen werden, bleiben die Erklärungen für viele Jugendliche abstrakt. Sie können oft nur schwer nachvollziehen, wie ein Gesetz im Zusammenspiel von Bundesregierung, Bundestag und -rat entsteht. Anstatt trockene Erklärungen auswendig zu lernen, sollten Schüler ein umfassendes Verständnis vom politischen Alltag entwickeln. Ein Planspiel macht es möglich! Gemeint ist damit eine vereinfachte, aber möglichst realistische Simulation des politischen Prozesses, in der sich die Schüler wie Politiker verhalten: Sie müssen sich in eine Fragestellung einarbeiten, Argumente und Verbündete finden und ihre Positionen schließlich im Plenum gegen andere durchsetzen.

Wir geben einen Überblick über die verschiedenen Planspiele und erklären, wie Schüler in die Rolle der Abgeordneten schlüpfen.

Ein geeignetes Planspiel finden

Sogar Universitäten führen Planspiele durch – als Ergänzung zum normalen Lehrplan.

Planspiele sind zwar kein didaktisches Wundermittel, sie werden aber als sinnvolle Ergänzung zu den klassischen Lehrmethoden sogar an Universitäten durchgeführt. Inzwischen haben sich verschiedene Organisationen, Unternehmen und die Bildungszentralen auf Planspiele spezialisiert. Lehrer haben buchstäblich die Qual der Wahl, ein für ihre Schüler geeignetes Planspiel zu finden.

Zunächst sollten folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welche Politikebene ist für die Schüler besonders interessant ? Planspiele gibt es in verschiedenen Varianten, vom Stadtrat bis zur Generalversammlung der Vereinten Nationen können Schüler verschiedene politische Ebenen kennenlernen. Angesichts der bald anstehenden Bundestagswahl ist eine Simulation des Bundestags aktuell besonders interessant.
  • Wie viel Zeit steht zur Verfügung? Planspiele können mehrere Tage in Anspruch nehmen, wie etwa das „Model United Nations“. Je mehr Zeit die Schüler haben, desto besser können sie sich in ihre Rolle einfinden und ein Gespür für die Zwänge des politischen Alltags entwickeln. Damit das Planspiel ein Erfolg wird, sollten Lehrer mindestens acht Schulstunden einplanen. Am besten eignen sich fächerübergreifender Unterricht, Projekttage oder -wochen.
  • Wie hoch dürfen die Kosten sein? Professionell vorbereitete Planspiele von Unternehmen können mehrere Tausend Euro kosten. Planspiele der Besucherdienste der deutschen Parlamente sind dagegen in der Regel kostenlos. Wer es sich zutraut, kann ein Planspiel auch selbständig vorbereiten und somit Kosten vermeiden.

Einen Überblick geeigneter Planspiele bietet die Datenbank der Bundeszentrale für politische Bildung.

Tipp
Auf ihrer Internetseite gibt die Bundeszentrale für politische Bildung einen umfassenden Überblick zum Thema Planspiele.

Vorbereitung in der Klasse

Planspiele sind nur dann sinnvoll, wenn die Schüler zumindest einen Überblick über die politischen Institutionen und Akteure haben. Ist beispielsweise eine Simulation des Bundestags geplant, sollten die Jugendlichen den idealtypischen Ablauf eines Gesetzgebungsverfahrens kennen.  Themenspezifische Materialien, zum Beispiel Informationen zu dem im Planspiel thematisierten Gesetz, sollten die Schüler allerdings erst während der Simulation erhalten. Auf diese Weise lernen sie, kurzfristig Positionen zu Themen zu entwickeln und spontan auf Gegenargumente zu reagieren.

Tipp
Infomaterialien über den politischen Betrieb können Lehrer auf der Internetseite des Deutschen Bundestags bestellen. Die wichtigsten Informationen zur Bundestagswahl haben die Herolé-Experten in diesem Blogbeitrag zusammengefasst.

Organisierte Planspiele

Die einfachste Möglichkeit für Lehrer ist es, die Organisation des Planspiels den Profis zu überlassen. Unternehmen wie Planpolitik haben sich auf die Planung verschiedener Simulationen spezialisiert und können Schulen individuell beraten. Auch politische Institutionen haben mittlerweile Angebote für Schüler entwickelt. Viele Landesparlamente wie der bayerische Landtag bieten inzwischen Simulationen an. Für Lehrer lohnt es sich daher, auf der Internetseite ihres Landtags zu stöbern.

Der Besucherdienst des Bundestags veranstaltet Planspiele für Schüler und Studierende – politische Atmosphäre garantiert!

Eine Klassenfahrt nach Berlin lässt sich ebenfalls ideal mit einem Planspiel kombinieren. Wo könnten Schüler den politischen Prozess besser kennenlernen als im Bundestag? Der Besucherdienst des Parlaments veranstaltet das Planspiel „Parlamentarische Demokratie spielerisch erfahren“ jeweils montags und dienstags in der Zeit von 8 bis 14.30 Uhr. Die Simulation ist für Schüler ab der zehnten Klasse und Studierende geeignet. Besonderer Pluspunkt: Das Planspiel ist kostenfrei! Unter der Anleitung von Bundestags-Mitarbeitern werden die Schüler zu Abgeordneten fiktiver Fraktionen. Sie erhalten vorbereitete Lebensläufe und Parteipositionen, die sie im Laufe der Verhandlungen verteidigen und durchsetzen müssen. Am Ende entscheiden sie selbst, ob ein Gesetz verabschiedet wird.

Tipp
Das Planspiel in Berlin ist bei Schulen sehr beliebt. Daher kann der Bundestag nicht garantieren, dass jede Schule zum Zug kommt. Eine frühzeitige Anmeldung ist daher erforderlich. Weitere Infos zur Anmeldung gibt es hier.

Planspiel selbst organisieren

Planspiele stärken das Gemeinschaftsgefühl in einer Klasse.

Die aufwendigere, aber kostengünstigere Methode ist es, das Planspiel selbst zu organisieren. Dafür sollten sich Lehrer zunächst ein Szenario bzw. einen Gesetzesentwurf zu einem jugendgerechten Thema wie zum Beispiel die Einführung des Wahlrechts ab 16 Jahren überlegen. Damit das Spiel möglichst reibungslos abläuft, sollten sie alle notwendigen Informationen auf Karten notieren: Die Schüler erhalten Karten mit der Problemsituation und eine Arbeitskarte mit den Erläuterungen zum Spielverlauf. Jeder Schüler benötigt außerdem eine Karte, auf der seine Rolle notiert ist. Damit die Rollenverteilung im Planspiel der Realität ähnelt und sich nicht alle Schüler auf einer Seite des politischen Spektrums bündeln, sollten die Schüler Rollen zugewiesen bekommen. Dazu gestalten die Lehrer am besten Rollenprofile für jeden Schüler. Notiert darauf sind zum Beispiel generelle Informationen zu den Positionen der Partei, ein Lebenslauf und politische Ziele, die der Teilnehmer während des Rollenspiels durchsetzen sollte. Am besten werden auch verantwortliche Schüler bestimmt, die die Rolle des Moderators bzw. Parlamentspräsidenten und der Fraktionsvorsitzenden übernehmen.

Ablauf des Planspiels

Die Universität Köln empfiehlt in ihrem Methodenpool folgende Phasen eines Planspiels:

  1. Spieleinführung: In dieser Phase erläutern die Lehrkräfte das Planspiel, die Fragestellung und die Rollen, die im Planspiel vergeben werden.
  2. Informations- bzw. Lesephase: Die Schüler verteilen sich an Gruppentische und haben Zeit, sich die Informationsmaterialien durchzulesen. Sie erhalten ihre individuellen Rollen- und Arbeitskarten.
  3. Meinungsbildung und Strategieplanung in den Gruppen: In Gruppen bzw. Fraktionen entwickeln die Schüler Strategien und besprechen Handlungsmöglichkeiten. Die Lehrer halten sich möglichst zurück und nehmen keinen Einfluss auf die Beratungen der Schüler!
  4. Interaktion zwischen den Gruppen: Kein Gesetz ohne eine Mehrheit im Bundestag! Diesem Grundsatz entsprechend müssen die Schüler in der vierten Phase des Planspiels Verbündete suchen. Erlaubt sind informelle Treffen einzelner Abgeordneter und gemeinsame Verhandlungen der Fraktionen.
  5. Vorbereitung eines Plenums: Die Gruppen tragen ihre Ergebnisse zusammen und bereiten sich konkret auf das Plenum vor. Sie entscheiden, wer im Plenum eine Rede hält und wie die Abgeordneten am besten auf Gegenargumente reagieren. Wichtig: Sie sollten sich auch überlegen, wie weit sie anderen Fraktionen entgegenkommen würden, um eine Mehrheit zu bilden.
  6. Das Plenum: In dieser Phase werden die Schüler zu Abgeordneten. Der Parlamentspräsident legt eine Redeliste fest und achtet darauf, dass die Fraktionen ihrer Größe entsprechend gleichberechtigt zu Wort kommen. Am Ende steht die Abstimmung. Hier entscheidet sich, welche Fraktion sich am besten durchsetzen kann. Wie auch im echten Politikprozess kann der Gesetzgebungsprozess scheitern.
  7. Spielauswertung: Wie fühlt es sich an, Abgeordneter zu sein? Welche politischen Zwänge gibt es und wie groß ist der persönliche Gestaltungsfreiraum? Diese Fragen sollte die Klasse in der Auswertung thematisieren. Schüler dürfen selbstverständlich konstruktive Kritik an der Organisation äußern und darüber diskutieren, wie sie persönlich zu dem fiktiven Gesetz stehen.
Tipp
Während des Planspiels sollten sich Lehrer zurückhalten und sich auf die Rolle des neutralen Moderators festlegen. Selbst wenn die Schüler unerwartet abstimmen und Lernumwege nehmen, sollten sie besser nicht einschreiten. Der Lernprozess liegt gerade darin, dass die Schüler ebenso auf sich gestellt sind wie neue Abgeordnete im Parlament.

Planspiel Light: Die Podiumsdiskussion

Ein Planspiel vorzubereiten und durchzuführen ist aufwendig und kostet Schüler und Lehrer viel Zeit. Im eng gestrickten Lehrplan ist die nicht immer verfügbar. Als zeitsparende Alternative bietet sich daher eine Podiumsdiskussion an, die eine oder zwei Doppelstunden in Anspruch nimmt. Als Hausaufgabe oder Gruppenarbeit beschäftigen sich die Schüler mit den Positionen ihrer jeweiligen Partei und bereiten Argumente vor. Am Ende sitzt jeweils ein Vertreter pro Partei und der Parlamentspräsident als Moderator vorne. Die Schüler im Publikum haben ebenfalls Rederecht und bringen ihre Argumente per Handzeichen ein. Am Ende gibt es ebenfalls eine Abstimmung über den Gesetzesentwurf.

Fotos: Wikimedia, Shutterstock


 

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Romy Herold

Ihre Reiseexpertin für Deutschland und Dänemark

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