Lehrer-Burnout: Anzeichen erkennen und Lösungen finden

Lehrer-Burnout: Anzeichen erkennen und Lösungen finden

Kurz vor den Sommerferien haben Schüler und Lehrer anstrengende Wochen voller Klassenarbeiten und Korrekturen hinter sich. Während sich die Schüler vor allem auf sechs schulfreie Wochen freuen, fühlen sich ihre Lehrer oftmals überarbeitet oder sogar lethargisch und ausgebrannt. Burnout lautet die Diagnose in einigen Fällen. Wie Studien zeigen, leiden Lehrer häufiger als andere Berufsgruppen unter einem Burnout. Wir erklären, warum Pädagogen besonders oft betroffen sind, wie sie einen Burnout erkennen und was sie dagegen tun können.

Diagnose Burnout: Ausgebrannt und antriebslos

Ein Burnout tritt nicht von heute auf morgen auf. Im Gegenteil: Das Syndrom kündigt sich schleichend, zum Teil über Jahre, durch Erschöpfungs-Symptome auf allen Kanälen an – emotional und physisch, auf kognitivem Niveau und im Sozialverhalten.

  • Emotional zeigt sich ein Burnout durch ein Gefühl des Ausgebranntseins, durch Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Erschöpfungs- und Angstzustände sowie Niedergeschlagenheit. Häufig wirken Burnout-Patienten auf andere gleichgültig oder sogar zynisch.
  • Auf der kognitiven Ebene macht sich das Syndrom durch eine schlechtere Konzentrationsfähigkeit bemerkbar.
  • Kritisch wird es, wenn sich Betroffene auf der sozialen Ebene zurückziehen und sich von Freunden und der Familie entfremden. Denn diese Sozialkontakte sollten ein Ausgleich zur Arbeitswelt sein.
  • Eine Folge des Burnouts kann eine verringerte Arbeitsleistung sein, die durch einen Verlust der Leistungsfähigkeit ausgelöst wird.

Ausgebrannt und antriebslos? Tritt dieses Gefühl auf, brauchen Betroffene Hilfe.

Ein Burnout besteht aus einer Vielzahl von körperlichen und seelischen Störungen, die sich zu einem typischen Krankheitsbild zusammenfügen. Das Problem bei der Diagnose ist, dass viele Burnout-Symptome auch bei anderen Krankheiten wie Depressionen auftreten. Patienten fällt es jedoch oftmals leichter, eine Burnout-Diagnose zu akzeptieren als zum Beispiel eine Depression. Denn Letztere ist noch mit einem größeren sozialen Stigma behaftet als Stress-Symptome.

Wie sich ein Burnout im Detail äußert, hängt ganz vom Einzelfall ab und lässt sich nicht pauschalisieren. Der Deutsche Bundesverband für Burnout-Prophylaxe und Prävention skizziert jedoch zwölf idealtypische Phasen, die Betroffene durchlaufen:

  1. Berufliches Engagement: Burnout-Patienten verwenden oft ihre ganze Energie darauf, ihre beruflichen Ziele zu erreichen und stellen hohe Erwartungen an sich selbst.
  2. Verstärkte Leistungsbereitschaft: Die Patienten zeigen übertriebene Leistungsansprüche und haben das Gefühl, unersetzbar zu sein. Aufgaben delegieren sie kaum.
  3. Ausblenden eigener Bedürfnisse: In dieser Phase ignorieren Betroffene ihre eigenen Bedürfnisse. Statt durch Schlaf und Ruhe halten sie sich mit Koffein, Nikotin oder Alkohol leistungsfähig.
  4. Konfliktverdrängung: Körperliche Warnsignale werden ignoriert. Langsam häufen sich im Arbeitsalltag Fehler wie vergessene Termine oder unerledigte Aufgaben.
  5. Verzerrte Wahrnehmung: Freundschaften und soziale Kontakte verlieren an Wert. Betroffene können kaum noch Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden.
  6. Verleugnung der Probleme: Das Problem der Überarbeitung steigert sich, so dass kaum noch Zeit für Freunde und Hobbys bleibt. Die Betroffenen verleugnen diese Probleme aber zunehmend.
  7. Rückzugsphase: Die Patienten ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück und suchen häufig in Alkohol oder Medikamenten eine Ersatzbefriedigung.
  8. Verhaltensänderung: Betroffene ziehen sich weiter zurück und schränken sich im eigenen Verhalten immer weiter ein.
  9. Entfremdung: In dieser Phase funktionieren Burnout-Patienten nur noch und verlieren zunehmend ihren freien Willen.
  10. Innere Leere: Betroffene wechseln zwischen einem Gefühl der inneren Leere und schmerzhaften negativen Gefühlen, zu denen sogar Angst- und Panikattacken gehören können. Manche versuchen, ihre Probleme mit exzessivem Shopping- oder Essverhalten zu kompensieren.
  11. Depression: Völlige Niedergeschlagenheit und Verzweiflung breiten sich aus. Die körperliche und seelische Erschöpfung hat sich zu einer Krankheit entwickelt, die mit einem Bedürfnis nach Dauerschlaf einhergeht.
  12. Völliger Burnout: Die geistige, körperliche und seelische Erschöpfung hat sich zu einer lebensgefährlichen Bedrohung entwickelt. Das Immunsystem ist dauerhaft geschwächt, es besteht die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Leiden. In diesem Stadium besteht eine erhöhte Suizidgefahr. Betroffene sollten sich spätestens jetzt dringend Hilfe suchen.
Hinweis
Leide ich an einem Burnout? Diese Frage lässt sich am besten im Gespräch mit einem Arzt beantworten. Erste Hinweise liefert aber auch ein Selbsttest der Zeitschrift Apotheken Umschau.

Lehrer: Eine ausgebrannte Berufsgruppe?

Wie verbreitet Burnout-Symptome bei Lehrern sind, zeigt eine Metastudie des Aktionsrats Bildung aus dem Jahr 2014. Demnach leiden viele Beschäftige im Erziehungssektor unter chronischem Stress und psychischen Beeinträchtigungen: Rund 2,1 Millionen Menschen in Deutschland arbeiteten im Jahr 2011 im Bildungssektor. Ein Drittel von ihnen gaben an, dass sie zu hohen Belastungen ausgesetzt seien.

Hinweis
Der Aktionsrat Bildung ist ein unabhängiges Expertengremium, das von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft finanziert wird. Unter den Autoren des Gutachtens sind renommierte Bildungsexperten und Professoren wie Hans-Peter Blossfeld und Dieter Lenzen.

Dass ausgerechnet Lehrer Burnout-gefährdet sind, liegt an den spezifischen Belastungen der Berufsgruppe:

  • Aufgrund der hohen Interaktionsdichte zwischen Lehrern und Schülern im Unterricht müssen Lehrer permanent Entscheidungen darüber treffen, worauf sie reagieren und worauf nicht.
  • Problematisch ist laut den Forschern zudem, dass Lehrer im Kollegium häufig nicht ausreichend kooperieren und alleine mit ihren Problemen umgehen müssen.
  • Da Lehrer einen Großteil ihrer Arbeit von zuhause aus erledigen müssen, ist eine Trennung zwischen Beruf und Privatleben nur schwer umsetzbar.
  • Viele Lehrer erleben auch Mobbing oder empfinden es als belastend, dass ihnen von Seiten der Bevölkerung oft ein entspanntes Leben mit „Halbtagsjob“ vorgehalten wird. Eine weltweite Umfrage ergab sogar, dass Lehrer in Deutschland im internationalen Vergleich besonders schlecht angesehen sind.
  • Aufgrund des Lehrermangels müssen viele Pädagogen zusätzliche Aufgaben erledigen und fehlende Lehrkräfte ersetzen. Auch neue Herausforderungen wie Ganztagsunterricht, G8 oder Inklusion werden oft als Belastung wahrgenommen.

Besonders Burnout-gefährdet sind laut der Metastudie zwei Gruppen von Lehrern: Überengagierte Lehrer mit geringer Widerstandskraft und resignierte Lehrer ohne Engagement und Widerstandskraft.  Sehr engagierte Lehrer, die über eine hohe Widerstandskraft verfügen, sind dagegen vergleichsweise gut gegen Burnout-Erscheinungen geschützt.

Burnout-Prävention: Diese Maßnahmen helfen

Wie viel arbeite ich tatsächlich? Ein Tagebuch gibt Aufschluss darüber.

Wer sich selbst für gefährdet hält, sollte bewusst Maßnahmen zur Burnout-Prävention ergreifen. Ein erster Schritt ist es, sich seine Überlastung einzugestehen und diese nicht als persönliche Schwäche zu interpretieren. Viele Lehrer lieben ihren Job und möchten sich daher bestmöglich für ihre Schüler engagieren. Daher verlieren sie ihr Arbeitspensum aus den Augen und nehmen zu viele Aufgaben an. Hier heißt es, seine eigenen Belastungsgrenzen zu kennen und gezielt nach Möglichkeiten zu suchen, das Arbeitspensum zu verringern. Unterstützend wirken Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Yoga oder Tai Chi und stabile soziale Kontakte zu Freunden und Familie.

Ein Problem des Berufs ist es, dass Lehrer ihre Arbeit meist mit nach Hause nehmen und daher keine klare Trennung zwischen Beruf und Freizeit haben. Eine Möglichkeit ist es daher, ein Arbeits-Tagebuch zu schreiben. Darin notieren Pädagogen, wann sie aus welchem Grund gearbeitet haben. Diese Dokumentation ändert zwar nichts am eigentlichen Arbeitsaufwand, führt überarbeiteten Lehrern aber vor Augen, wie viel sie tatsächlich arbeiten und offenbart unter Umständen Möglichkeiten zur Arbeitsreduktion. Zudem ist ein Arbeitstagebuch eine gute Dokumentation im Gespräch mit der Schulleitung, falls diese Zusatzaufgaben vergeben möchte.

Wer die oben skizzierten Symptome eines Burnouts an sich selbst erkennt, sollte sich unbedingt professionelle Hilfe holen. Ein erster Anlaufpunkt ist in der Regel ein Hausarzt, der den Patienten bei Bedarf an einen Spezialisten wie einen Psychiater, Psychotherapeuten oder Psychologen überweist.

Lehrer vor Burnout schützen – Empfehlungen des Aktionsrats Bildung

Als Fazit aus seiner Metastudie hat der Aktionsrat Bildungen verschiedene Vorschläge zur Prävention formuliert. Die Experten fordern, dass in Zukunft ein verstärkter Fokus auf das Thema Ausbildung gelegt wird. Viele angehende Lehrer hätten idealistische Vorstellungen vom Berufsbild und seien daher nicht auf die Belastungen des Berufsalltags vorbereitet. Daher müsse es überall Auswahl- und Beratungsgespräche an den Universitäten geben, damit Bewerber noch vor Studienstart herausfinden könnten, ob sie wirklich für den Beruf geeignet sind.

Eine weitere Forderung ist es, dass Lehrer in Zukunft mit ihren Problem nicht allein gelassen werden sollen. Dazu gehört für den Aktionsrat, dass es für Lehrerkollegien Teambildungs-Maßnahmen geben solle, um das Gemeinschaftsgefühl an Schulen zu stärken. Klaus Wenzel, Vorsitzender des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnnenverbandes (BLLV), forderte zudem, dass Lehrer bei Entscheidungen im Bildungsbereich stärker mit einbezogen werden: „Sie sind bereit, viel zu leisten, wenn sie einbezogen werden, fühlen sich aber hilflos, wenn sie Verordnungen einfach übergestülpt bekommen, wie es mit der Einführung des G8 geschah.“

Lehrer am Limit – wie belastend der Arbeitsalltag für viele Pädagogen ist, zeigt diese Dokumentation des Bayerischen Rundfunks:

Fotos: Unsplash, Pixabay

Quellen und weiterführende Links

Aktionsrat Bildung: Psychische Belastungen und Burnout beim Bildungspersonal

DBVB: Burnout rechtzeitig erkennen – Auf diese Warnsignale sollte man achten

News4Teachers: Gefangen im Hamsterrad: Warum gerade Lehrer Gefahr laufen, sich zu übernehmen

Süddeutsche Zeitung: Welche Symptome sind typisch für den Burnout?


 

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Carsten Herold

Geschäftsführer HEROLÉ Reisen

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