Probleme mit der Stimme? Das können Lehrer tun

Probleme mit der Stimme? Das können Lehrer tun

Bei einer Klassengröße bis zu 35 Schülern müssen Lehrer durchaus ihre Stimmlage erhöhen, um Gehör zu finden. Unruhige Klassen erreichen in ihrer Lautstärke einen Wert von bis zu 70 Dezibel. Kein Wunder, dass viele Lehrer im Laufe Ihres Lehrerdaseins Probleme mit der Stimme bekommen und sogar jede vierte Lehrkraft aufgrund von Stimmproblemen nicht unterrichten kann. Da die Stimme letztlich das Werkzeug von Lehrern darstellt, ist es wichtig, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen und dadurch einen durch Überlastung der Stimmbänder bedingten Ausfall von Lehrern vorzubeugen.

Warum Lehrer anfällig für Stimmprobleme sind?

Im Gegensatz zu Berufen, in denen vorwiegend Tätigkeiten am Computer nachgegangen wird, zählt der Lehrerberuf zur Gruppe der sprechintensiven Berufen. Neben der Vermittlung von Lehrinhalten nutzen Lehrer ihre Stimme, um die Klassenstunde zu strukturieren, indem sie Gruppen einteilen oder auch Arbeitsprozesse initiieren, und um bei Diskussionen unter Schülern einzugreifen. Der Einsatz der Stimme kann dabei sehr unterschiedlich sein und von einer schwachen über eine monotone bis hin zu einer gepressten Stimme reichen. Gerade bei einer großen Klassengröße, einem weitläufigen Klassenraum oder einem spezifischen Unterrichtsfach wie Sport müssen Lehrer ihre Stimme meist laut oder sehr laut einsetzen. Daraus folgt, dass ihre Stimmbänder kontinuierlich strapaziert werden.

Warum der richtige Stimmeinsatz wichtig ist?

Der Beruf des Lehrers ist sehr sprechintensiv!

Der richtige Einsatz der Stimme hat nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit von vielen Lehrern, sondern auch auf den Lernprozess der Schüler. Mittlerweile konnte nachgewiesen werden, dass Schüler besser lernen, wenn ihnen ein Lehrer gegenübersteht, der lebendig und verständlich spricht. Durch die Stimme des Lehrers wird außerdem maßgeblich die Atmosphäre im Klassenzimmer bestimmt, welche wiederum die Freude am Lernen beeinflusst.

Welche Anzeichen ernst genommen werden sollten?

Die ersten Anzeichen, die mit Stimmprobleme einhergehen, sind Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Heiserkeit. Betroffene empfinden darüber hinaus oftmals Schmerzen beim Sprechen. Bei der Beschreibung der Symptome wird gelegentlich auch von dem Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben, gesprochen. Die Anzeichen sollten ernst genommen und die Stimme möglichst geschont werden, da sich bei einer zu starken Belastung dieser das Gewebe der Stimmlippen verändern kann, woraufhin die Stimmlippen nicht mehr regelmäßig schwingen und schlimmstenfalls die Stimme weg bleiben kann. Somit wird beim Aufkommen jener Anzeichen Ruhe und Entspannung empfohlen.

Anzeichen von Stimmproblemen gar nicht erst aufkommen lassen

Um Problemen mit der Stimme vorzubeugen, können Lehrer ein paar Tipps nachgehen, die zur Schonung der Stimme beitragen und mit denen Nachhilfe für die Stimme betrieben werden kann:

  • Warten statt schreien: Manche Unterrichtssituationen, wie der Beginn der Stunde oder der Übergang von einer Gruppenunterrichts- zu einer Frontalunterrichtsphase, sind mit einem gewissen Trubel im Klassenzimmer verbunden. In solchen Situationen sollte man statt sehr viel Energie durch Ermahnen der Schüler zu verlieren, ausprobieren, für einen Moment zu warten. Meist beruhigt sich die Stimmung von selbst. Solche Übergangsphasen können gegebenfalls durch ein Ruhesignal, wie dem Ton einer Klangschale, oder durch ein bestimmtes Handzeichen unterstützt werden.
  • Leise statt laute Stimme: Ein einfacher Trick ist außerdem, eine leise Stimme einzusetzen. Der Einsatz einer lauten Stimme führt ohnehin dazu, dass die Grundstimmung im Klassenzimmer weiter vorangetrieben wird, so dass durch eine laute Stimme meist ein gegenteiliger Effekt erzielt wird.
  • Mit einzelnen statt mit allen Schülern sprechen: Häufig trägt zur Schonung der Stimmung bereits bei, einzelne Schüler gezielt ansprechen. Dies kann durch einen gezielten Blickkontakt geschehen, durch welchen bereits vermieden wird, eine sehr laute Stimme nutzen zu müssen.
  • Selbst erarbeiten statt erklären: Viele Inhalte können Schülern außerdem in Form von Gruppenarbeit, Freiarbeit oder Partnerübung beigebracht werden. Dadurch wird nicht nur der Redeanteil der Lehrer automatisch reduziert, sondern die Inhalte bleiben bei den Schülern häufig auch besser hängen.
  • Aktiv Erholungsphasen wahrnehmen: Während des Unterrichts können jene Gruppen-, Freiarbeit-, oder Partnerübung zudem dazu genutzt werden, die Stimme für einen Moment aktiv zu erholen. Ebenso sollte die Zeit nach dem Schulgong zur aktiven Erholung der Stimme wahrgenommen werden.
  • Raumakustik verbessern: Ein recht banaler, aber wirksamer Trick ist außerdem die Verbesserung der Raumakustik. Einzelne Möbelteile oder das Anbringen von Vorhänge und Dekoration kann zu einer besseren Akustik im Raum beitragen, wodurch mit einer leiseren Stimme gesprochen werden kann.
  • An ausreichend Flüssigkeitszufuhr denken: Ebenso banal aber hilfreich ist der Tipp, viel zu trinken. Durch die Zufuhr von ausreichend viel Wasser oder Kräutertees können die Stimmlippen geschmeidig und die Schleimhäute feucht gehalten werden.
  • Mit dem Stand die Stimme unterstützen: Ein aufrechter Stand und das Lockern der Schultern kann Wunder bewirken. Durch einen bewussten Stand kann das Sprechvolumen verbessert und dadurch ebenfalls das Strapazieren der Stimme verringert werden.
  • Regelmäßige Atem- und Sprechtechnik üben: Atem- und Sprechübungen können sowohl vor, als auch während des Unterrichts zum Einsatz kommen. Während des Unterrichts sollte man sich daran erinnern, langsam und mit Pausen zu reden sowie Wortendungen nicht zu verschlucken. Vor dem Unterricht kann beispielweise einer Übung nachgegangen werden, die das Zwerchfell lockert.

Den richtigen Gebrauch der Stimme erlernen

Gruppenarbeiten sind für Lehrer und Schüler gleichermaßen sinnvoll!

Übungen, die die Atem- und Sprachtechnik optimieren, können durch eine so genannte logopädische Therapie, die Hals-, Nasen- oder Ohrenarzt sowie Logopäden anbieten, erprobt werden. Eine umfassende Stimmausbildung von Lehrern hat zudem den Vorteil, dass Lehrer ihre Stimme nicht mehr falsch oder unbewusst einsetzen und die Schädigung der Stimmbänder dadurch nicht mehr provozieren. Teilweise ist eine Stimmausbildung angehender Lehrer vorgesehen. Dies hängt allerdings vom jeweiligen Bundesland ab. Eine feste Verankerung einer Sprachausbildung ist bislang nur in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vorgesehen. Um Lehrer werden zu können, muss in diesen Bundesländern ein so genanntes phoniatrisches Gutachten erbracht werden, welches bestätigt, dass die Stimme den Belastungen des Lehreralltags gewachsen ist. Die RWTH Aachen hat darüber hinaus eine Software entwickelt, die die Stimme von angehenden Lehrern prüft und Sprachprobleme frühzeitig erkennen lässt. Der Test wird derzeit von vielen angehenden Lehrern freiwillig durchgeführt. Die RWTH Aachen will diesen nun verpflichtend machen.

Stimmprobleme als Folge des Lehrerberufs können somit gut therapiert werden. Eine grundsätzliche Beratung zur stimmlich-sprecherischen Eignung kann jedem Lehrer empfohlen werden, um Probleme mit der Stimme bereits vor Auftreten erster Anzeichen vorbeugen zu können.

Fotos: Pixabay, Unsplash

Quellen und weiterführende Links

SWR2: Die Bedeutung der Stimme für den Unterricht

WDR: RWTH Aachen: Stimmenscreening für angehende Lehrer

Deutschlandfunk: Lehrer ohne Stimme

Betzold Blog: Wie Sie Stimmprobleme vermeiden

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Jana Krusch

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