Brauchen wir das Schulfach „Gesunde Lebensweise“?

Studien aus den vergangenen Jahren verdeutlichen, dass viele Kinder bereits im Grundschulalter unter Übergewicht und Gesundheitsproblemen leiden. Ärzte wie Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, fordern daher Gesundheitskonzepte ab der Kita. Lehrervertreter halten dagegen und meinen, dass die Schule nicht alle gesellschaftlichen Entwicklungen korrigieren könne.
Studien aus den vergangenen Jahren verdeutlichen, dass viele Kinder bereits im Grundschulalter unter Übergewicht und Gesundheitsproblemen leiden. Ärzte wie Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, fordern daher Gesundheitskonzepte ab der Kita. Lehrervertreter halten dagegen und meinen, dass die Schule nicht alle gesellschaftlichen Entwicklungen korrigieren könne.
Wichtige Elemente für den Unterricht
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So viele Kinder und Jugendliche leiden unter Gesundheitsproblemen

Für die Studie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) wurden in drei Wellen insgesamt 25.000 Schüler und Eltern befragt. Sie ist damit die umfassendste Jugendgesundheitsstudie in Deutschland und ist vor allem deshalb interessant, weil sie eine Langzeitperspektive auf das Thema Jugend und Gesundheit liefert. Das Ergebnis der Erhebung aus den Jahren 2013-2017  ist erschreckend: Demnach sind 15,4 Prozent der 3- bis 17-Jährigen dick, 5,9 Prozent sogar fettleibig. Die Werte haben sich trotz vieler Sport- und Bewegungsangebote in Kindergärten, Schulen und Vereinen seit dem Beginn der Untersuchung in den Jahren 2003 bis 2006 nicht verbessert. Positiv bewerteten die Forscher allerdings, dass der zunehmende Hang zum Übergewicht immerhin gestoppt wurde.

Die Studie verdeutlicht auch, dass sich der „Babyspeck“ aus Kindertagen bei vielen Jugendlichen nicht verwächst. So leidet fast die Hälfte der übergewichtigen Kinder auch als Teenager unter den Folgen. Bei Erwachsenen sei der Krankheitsverlauf häufig noch schwerer, wenn sich die Adipositas im Kindes- oder Jugendalter entwickelt habe. Sie führe häufig zu Herz- und Gefäßerkrankungen und Typ-2-Diabetes.

Im Einzelnen identifizierten die Autoren folgende Probleme im Hinblick auf die Lebensweise der Kinder und Jugendlichen:

  • Laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten Kinder und Jugendliche täglich mindestens 60 Minuten mäßig bis sehr anstrengende Aktivitäten ausüben. Wie die KiGGS zeigt, orientieren sich jedoch nur 25,9 Prozent der 3- bis 17-Jährigen an dieser Empfehlung. In beiden untersuchten Altersgruppen (3-10 Jahre und 11-17 Jahre) geben Jungen häufiger als Mädchen an, Sport zu treiben. Kinder, deren Eltern mindestens eine Stunde wöchentlich Sport treiben, haben eine doppelt so hohe Chance, selbst aktiv zu sein.
  • 3- bis 17-Jährige trinken durchschnittlich mehr als einen halben Liter zuckerhaltige Getränke pro Tag und essen fast 69 Gramm Süßwaren. Im Vergleich zur KiGGS-Basiserhebung in den Jahren 2003 bis 2006 sind die Werte teils jedoch erheblich gesunken.
  • Der Anteil derjenigen, die pro Tag die empfohlene Menge von fünf Obst- und Gemüseportionen zu sich nehmen, ist im Vergleich zur ersten KiGGS-Erhebung gestiegen. Trotzdem essen lediglich 12,3 Prozent der 3- bis 17-Jährigen so viel Obst und Gemüse.

Alle Ergebnisse der KiGGS-Erhebungen gibt es hier.

Der Zusammenhang zwischen Elternhaus und Gesundheit

Die Studie weist also nach, dass Kinder sportlicher Eltern häufiger aktiv sind. Einen ähnlichen Zusammenhang zwischen dem Elternhaus und der Gesundheit von Kindern verdeutlicht auch der erste Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK, für den die Abrechnungsdaten von rund 590.000 minderjährigen Versicherten und 430.000 Eltern ausgewertet wurden. Demnach hat das Bildungsniveau der Eltern einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit von Kindern: Nachwuchs von Eltern ohne Bildungsabschluss bekommt häufiger Medikamente verschrieben und muss häufiger ins Krankenhaus als Kinder aus höher gebildeten Elternhäusern. Laut dem DAK-Vorstandschef Andreas Storm sind die Unterschiede größer als erwartet: „Wenn das Elternhaus krank macht, hängt die Diagnose der Kinder oft mit dem Lebensstil von Mutter und Vater zusammen“, wird er im Portal News4Teachers zitiert.

So habe die Bildung vor allem einen Einfluss auf Karies und Fettleibigkeit. Zahnprobleme seien bei Kindern von Eltern ohne Abschluss dreimal häufiger und Adipositas zweieinhalbmal häufiger als bei Akademikerkindern. Deutlich ist auch der Unterschied bei den Entwicklungs- und Verhaltensstörungen.

Debatte um das Schulfach „Gesunde Lebensweise“

Vom Ergebnis des DAK-Reports zeigte sich Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, wenig überrascht. Er sagte, dass das Thema seit zehn, fünfzehn Jahren verschleppt werde. Materiell und Bildungsarme Familien hätten oft kein Gesundheitsbewusstsein, weil sie wichtigere Probleme hätten. Folglich fielen die Kinder durch die Maschen des Systems. Daher brauche es Gesundheitskonzepte von der Kita an. Noch deutlicher sprach sich Martina Wenker, die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, für das Unterrichtsfach „Gesundheit“ aus: „Es ist wichtig, schon Kinder und Jugendliche an das Thema Gesundheit heranzuführen“, sagte sie dem Ärzteblatt. Unterstützung erhielt sie von den Autoren des „Nationalen Aktionsplans Gesundheitskompetenz„, an dem unter anderem die Robert-Bosch-Stiftung, die Hertie School of Governance und die Universität Bielefeld mitgewirkt hatten.

Lesetipp

Gesundes Essen spielt auch auf Klassenfahrt eine wichtige Rolle, alles was es zu beachten gilt, finden Sie hier.

Aus gesundheitlicher Sicht erscheint ein solches Schulfach sinnvoll. Trotzdem kritisierte der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Schleswig-Holstein den Vorstoß scharf und begründete seine Ablehnung damit, dass die Schule „kein Reparaturbetrieb für gesellschaftliche Fehlentwicklungen“ sei. Stattdessen forderte der VBE gemeinsam mit dem Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte Schulgesundheitsfachkräfte für die Schulstandorte. Diese dürften Medikamente reichen, bei kleinen Unfällen versorgen, Gesundheitsprojekte übernehmen sowie Eltern und Kinder beraten. Damit seien sie ein wichtiger Faktor für gesunde Schüler.

Gesundheitsprojekte an Schulen

Zumindest auf absehbare Zeit wird es kein Unterrichtsfach „Gesunde Lebensweise“ geben. Schon jetzt sind viele Lehrer am Limit und können nur schwer Einheiten zum Thema gesunde Ernährung in den eng getakteten Lehrplan integrieren. Dieses Problem haben mittlerweile auch externe Akteure erkannt und bieten Unterstützung für Projekte an.

An der bundesweiten Initiative fit4future der Cleven-Stiftung und DAK-Gesundheit nehmen insgesamt 600.000 Kinder an 2000 Grund- und Förderschulen teil. Die Schulen erhalten unter anderem Spiel- und Sportgeräte, Brainfitness-Boxen, Lehrerworkshops und werden persönlich und wissenschaftlich von der TU München unterstützt. Derzeit vergibt die Stiftung zwar keine verbindlichen Zusagen mehr, weil alle verfügbaren 2000 Plätze vergeben sind. Schulen können sich jedoch weiterhin für die Warteliste anmelden.

Auch die Edeka-Stiftung will mit verschiedenen Projekten Kinder der Altersgruppen 3-6 Jahre, 8-10 Jahre und 12-14 Jahre für ausgewogene Ernährung, Bewegung und Verantwortung für die Umwelt sensibilisieren. Bewerbungen sind in den kommenden Monaten auf der Internetseite der Edeka Stiftung möglich.

Kostenlose Materialien, Tipps und Fachbeiträge sind zudem auf der Webseite von „InForm„, der Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung des Landwirtschafts- und Gesundheitsministeriums erhältlich.

Über HEROLÉ

HEROLÉ mit Sitz in Dresden wurde 2002 gegründet und ist heute einer der drei größten Veranstalter von und Spezialist für Klassenfahrten in Deutschland. Dafür sprechen auch über 140.000 Teilnehmer, die jedes Jahr mit HEROLÉ auf Klassenfahrt gegangen sind. Mit der unternehmenseigenen Flotte von 18 modernen Reisebussen werden über 140 weltweite Reiseziele angesteuert.

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