Tipps für einen erfolgreichen Start ins Referendariat

Tipps für einen erfolgreichen Start ins Referendariat

Für frisch gebackene Universitätsabsolventen mit dem Traumberuf Lehrer gibt es nur noch eine Hürde zu nehmen: Das Referendariat. Dieser meist 18-monatige Vorbereitungsdienst genießt nicht überall den besten Ruf – viele Referendare berichten von einem Praxis-Schock und einem kaum zu bewältigenden Arbeitspensum. Das muss nicht sein! Wir haben Tipps, wie Referendare ihre praktische Ausbildung überstehen.

Ein guter Start im neuen Kollegium

Wie an jedem Arbeitsplatz hängt auch die Qualität des Referendariats maßgeblich davon ab, ob das Kollegium nett ist und die erfahrenen Lehrer bereit sind, ihr Wissen mit dem Nachwuchs zu teilen. Deshalb lohnt es sich, von Beginn an offen zu sein und den Unterricht möglichst vieler Kollegen zu besuchen. Besonders Netzwerke mit anderen Referendaren oder mit Lehrern der gleichen Unterrichtsfächer sind auf Dauer eine Bereicherung.

Zur individuellen Betreuung wird Referendaren in vielen Bundesländern auch ein Mentor zugeteilt, der den Vorbereitungsdienst begleitet. Für diese Tätigkeit erhält dieser meist eine Stundenermäßigung, die allerdings in der Regel nicht der aufgewendeten Zeit für die Betreuung entspricht. Auch wenn die Mentoren oftmals an Fortbildungen teilnehmen und die Arbeitsweise des Seminarleiters kennenlernen, stimmt natürlich nicht immer die Chemie zwischen Betreuer und Referendar. Deshalb empfiehlt der Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg, derartige Schwierigkeiten frühzeitig gegenüber dem Mentor anzusprechen. Wenn sich das Verhältnis nicht verbessert, sollten Nachwuchs-Lehrer die Schulleitung oder das Studienseminar um einen Wechsel bitten.

Von den Schülern respektiert werden

Ein gutes Verhältnis zu den Schülern zu finden ist die wichtigste Herausforderung für angehende Lehrer.

Eine der größten Herausforderungen für junge Lehrer ist der Wechsel in die Position der Lehrenden, da der Altersunterschied zu Schülern der Oberstufe oft nur wenige Jahre beträgt. Wichtig ist daher, von Beginn an die nötige Distanz zu wahren und sich den Schülern nicht mit übertrieben legerer Kleidung und Jugendsprache anzubiedern. Die Schüler merken ohnehin recht schnell, wer authentisch auftritt und selbstsicher ist.

Daher gilt es auch, eine Balance zwischen vertrauensvollem Umgangston mit den Schülern und nötiger Autorität zu finden. Viele erfahrene Lehrer empfehlen, zunächst etwas strenger aufzutreten und gegebenenfalls im Verlauf des Schuljahrs lockerer zu werden. Wer einmal Autorität verloren hat, gewinnt diese nämlich nur schwer wieder zurück. Daher sollte der Mentor im besten Fall nicht in den Unterricht eingreifen, selbst wenn gerade Chaos in der Klasse herrscht. Andernfalls haben die Schüler schnell das Gefühl, dass sie sich gegenüber dem Referendar durchsetzen können, sobald kein erfahrener Lehrer in der Klasse sitzt.

Die Zeit einteilen

Das Referendariat ist oft ein Spagat zwischen Seminaren, Stundenvorbereitung, Lehrproben und Korrekturen. Gerade am Anfang dauert alles sehr lange und viele Nachwuchs-Lehrer haben das Gefühl, dass sie ihre Aufgaben nicht bewältigen können. In verzweifelten Momenten sollten sich Referendare aber immer vor Augen halten, dass Lehrer später im Berufsleben keine detaillierten Unterrichtspläne vorbereiten müssen und stattdessen auf ihre Materialien aus den vergangenen Jahrgängen zurückgreifen können.

Um am Anfang einen besseren Überblick über die verschiedenen Aufgaben zu haben, lohnt sich die Investition in einen „Lehrerinnen- und Lehrerkalender“, den zum Beispiel die Landesverbände der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft herausgeben. Eine digitale Alternative sind verschiedene Apps zum Zeitmanagement.

Tipp
Die besten Apps für Lehrer stellen wir in diesem Blogartikel vor.

Finanzen im Blick behalten

Das Referendariat ist leider nicht als Zeit großer Reichtümer bekannt – je nach Bundesland und Schulform erhalten Lehrer im Vorbereitungsdienst zwischen 1.100 und 1.300 Euro brutto. Mögliche Zuschläge für Kinder und Verheiratete sind jedoch noch nicht eingerechnet.

Umso mehr lohnt es sich, die Finanzen im Blick zu behalten und von Anfang an alle Sparmöglichkeiten auszuschöpfen. So können Referendare Schulbücher und Unterrichtsmaterialien bei vielen Verlagen zu einem vergünstigten Preis erhalten und bis zu 50% im Vergleich zu ausgebildeten Lehrern sparen. Ein weiterer Tipp ist das Beamten-Selbsthilfewerk: Für eine Jahresgebühr von 36,90 Euro erhalten Mitglieder Vergünstigungen von bis zu 20% bei knapp 30.000 regionalen und überregionalen Geschäften.

Tipp
Weitere Spartipps gibt es hier.

Die Beihilfe verstehen

Der Wechsel ins Beamtenverhältnis bringt für die meisten angehenden Lehrer auch eine Veränderung bei der Krankenversicherung mit sich. Wie alle verbeamteten Lehrer haben sie ein Anrecht auf die Beihilfezahlungen durch ihren Dienstherrn, dem Bundesland. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Ehepartner mit einem geringen Beitrag zum Haushaltseinkommen und Kinder finanzielle Unterstützung durch die Beihilfe erhalten. In dieser Tabelle haben wir zusammengefasst, wie hoch der Beihilfe-Anteil jeweils ist:

PersonenkreisBeihilfesatzErgänzung durch Privat-Krankenkasse
Beihilfeberechtigte (aktiv im Dienst)50%50%
Beihilfeberechtigte mit min. zwei Kindern70%30%
Berücksichtigungsfähige Ehepartner70%30%
Ruhestandsbeamte, Verwitwete70%30%
Berücksichtigungsfähiges Kind80%20%

Überforderung ist am Anfang normal. Deshalb sollten Referendare keine Scheu haben, ihre Probleme offen anzusprechen.

Im Gegensatz zum Arbeitgeber-Anteil bei der gesetzlichen Krankenversicherung stellt die Beihilfe keine monatliche Leistung des Dienstherrn zur Krankenversicherung dar. Sie übernimmt vielmehr einen Teil der anfallenden Kosten im Krankheitsfall. Daher benötigen verbeamtete Lehrer nur eine private Krankenversicherung, die den restlichen Anteil der Kosten übernimmt, so dass die private Krankenversicherung günstiger ist. Ein Nachteil ist jedoch, dass Beihilfe-Berechtigte nach einem Arztbesuch, einer Behandlung im Krankenhaus oder beim Kauf von Medikamenten zunächst selbst die Rechnung begleichen müssen. Anschließend können sie jedoch die Kosten anteilig jeweils von der privaten Krankenversicherung und der Beihilfe zurückfordern. Dabei sind jedoch unbedingt Fristen und Antragsgrenzen zu beachten!

Wer zuvor nicht über seine eigenen Eltern durch die Beihilfe unterstützt wurde, sollte sich gründlich mit dem System vertraut machen, um am Ende nicht auf Kosten sitzen zu bleiben. Hier gibt es weitere Informationen zur Beihilfe.

Checkliste für die ersten Tage

Der Start an einer neuen Schule ist aufregend. Damit kein Referendar den Überblick verliert, hat der Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg eine Checkliste für die ersten Tage des Referendariats erstellt:

  • Vorstellung bei Schulleitung, Kollegium, im Sekretariat und beim Hausmeister – ggf. kleinen Einstand feiern
  • Mit welchen Kollegen arbeite ich näher zusammen? (Lehrer der Parallelklassen und gleichen Fächer kennenlernen)
  • Kollegen um Hospitationen möglichst vielen Klassen bitten
  • Kontaktliste des Kollegiums erfragen (Sekretariat)
  • Rundgang durch Schule (Fachräume, Kartenräume, Bibliothek ansehen)
  • Welche Lehrwerke sind eingeführt/ stehen zusätzlich in der Bibliothek?
  • Welche visuellen Medien hat die Schule (Beamer, interaktives Whiteboard etc.)? Kollegen um eine Einführung bitten
  • Wo finde ich schulinterne Beschlüsse der Gesamtlehrerkonferenz?
  • Wo finde ich Erlasse und Verordnungen sowie das Amtsblatt für mein Bundesland?
  • Wie funktioniert das Kopierverfahren an der Schule?
  • Schulschlüssel für Klassenzimmer, Fachräume, Lehrerzimmer erfragen

Wie das Referendariat verläuft, hängt immer stark von der Schule, den Anforderungen des jeweiligen Bundeslands und dem Seminarleiter ab. Wichtig ist jedoch, sich immer wieder vor Augen zu halten: Am Anfang haben fast alle Lehrer die gleichen Probleme. Niemand muss sich dafür schämen, wenn die Unterrichtsplanung in den ersten Wochen nicht so recht klappen will und die Schüler machen, worauf sie Lust haben. Wichtig ist, dass jeder Referendar diese Probleme gegenüber dem Kollegium ansprechen kann und bei Nachfragen die nötige Unterstützung erhält.

Quellen und weiterführende Links

Verband Bildung und Erziehung: Informationen und Hilfen zum Vorbereitungsdienst

Lehrer Finanztipps: Tipps zur Beihilfe für Lehrer und Referendare

Wissen PKV: Was ist die Beihilfe?

GEW: 7 Tipps, die den Einstieg in den Vorbereitungsdienst erleichtern

Beihilfe Ratgeber: So bekommen Sie Beihilfe für Ihren Ehepartner

Unicum: 5 Tipps fürs Lehramtsreferendariat

Fotos: Shutterstock, Adobe Stock


 

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Carsten Herold

Geschäftsführer HEROLÉ Reisen

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