Alles über Klassenfahrten in Mecklenburg-Vorpommern

Alles über Klassenfahrten in Mecklenburg-Vorpommern

In der Verwaltungsvorschrift Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern vom 17. September 2010 heißt es:

„Durch das Lernen am anderen Ort wird in besonderer Weise ein handlungsorientiertes und lebensnahes Lernen ermöglicht. Lernen am anderen Ort schafft Raum für Begegnungen mit der unmittelbaren Umgebung, mit der Natur, mit Umwelt, Kultur, Geschichte, Politik, Wirtschaft und Sport. Des Weiteren ermöglicht Lernen am anderen Ort Einblicke in die Berufs- und Arbeitswelt.“

Schulfahrten nehmen im Lehr- und Erziehungsplan der Schulen in Mecklenburg-Vorpommern einen wichtigen Platz ein. Welche Regelungen bei der Organisation und Durchführung genau zu beachten sind, stellen wir im Folgenden vor.

Art und Dauer von Schulfahrten

Als „Schulfahrten“ werden laut der Verwaltungsvorschrift vom 17. September 2010 folgende Fahrten bezeichnet:

  • mehrtägige Klassenfahrten
  • Fahrten zu Gedenkstätten nationalsozialistischen Unrechts, besonders KZ-Gedenkstätten, sowie zu Gedenkstätten und -orten für Opfer der jüngeren deutschen Geschichte (ab Jahrgangsstufe 9)
  • Fahrten zum Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, zum Deutschen Bundestag, zum Bundesrat und zum Europäischen Parlament (ab Jahrgangsstufe 9)
  • Schullandheimaufenthalte
  • Studienfahrten oder Exkursionen als politische, wirtschaftliche, naturkundliche und kulturell-historische Bildungsveranstaltungen ins In- und Ausland
  • Schüleraustausch mit anderen Bundesländern oder ins Ausland mit Unterbringung in Gastfamilien (ab Jahrgangsstufe 8)
  • sonstige genehmigte Schulveranstaltungen außerhalb des Schulortes wie Besichtigungsfahrten, Fahrten zu Sportveranstaltungen und Wettbewerben, Besuch von Theaterveranstaltungen, Konzertveranstaltungen oder Ausstellungen, Orchesterreisen u.ä.

Schulfahrten ins Ausland sind in der Regel nur für Schüler ab der Jahrgangsstufe 8 zulässig. Dabei sollten Schulfahrten in die in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Länder und Regionen, wie Polen und Skandinavien, Priorität genießen.

In jeder Jahrgangsstufe soll laut der Verwaltungsvorschrift vom 23. September 2013 je eine Schulfahrt im Primarbereich (Jahrgangsstufe 4), im Sekundbereich I (in den Jahrgangsstufen 5 bis 10) sowie im Sekundarbereich II (ausgenommen sind berufliche Bildungsgänge in Teilzeitform) durchgeführt werden. Jede Schule kann darüber hinaus je nach Möglichkeiten und in eigener Verantwortung eigene Regelungen treffen, wenn der Unterricht dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Schulfahrten sind mehrtägige Veranstaltungen – im Einzelnen gilt folgende Dauer:

  • Primarstufe: dreitägig,
  • Sekundarstufe I und II: viertägig,
  • Schüleraustausch: zwei- bis dreiwöchig.

Diese Dauer kann durch die Hinzunahme unterrichtsfreier Tage (zum Beispiel Wochenenden, Feiertage oder Ferientage) verlängert werden, wenn die Erziehungsberechtigten oder volljährigen Schüler dem zustimmen. Schulfahrten dürfen aber nicht vollständig in den Ferien stattfinden. Ist für eine Klasse ein Schüleraustausch geplant, so können in diesem Schuljahr für weitere Schulfahrten nur noch drei Unterrichtstage in Anspruch genommen werden.

Können einzelne Schüler an der Veranstaltung nicht teilnehmen, besuchen sie während der Schulfahrt den Unterricht einer anderen Klasse.

Vorbereitung und Genehmigungen

Jede  Schule stellt einen Jahresplan für Schulfahrten auf, der in den Klassenkonferenzen vorbereitet und von der Schulkonferenz verabschiedet wird. Die Schulleitung legt die Planung für die im folgenden Kalenderjahr vorgesehenen Schulfahrten dann bis 15. November des vorangegangenen Jahres dem Staatlichen Schulamt vor.

Jede einzelne Schulfahrt bedarf der Genehmigung durch den Schulleiter unter Beachtung der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel für die Reisekosten. Sie muss spätestens einen Monat vor Termin und rechtzeitig vor Abschluss rechtsverbindlicher Verträge beantragt werden. Auch die Teilnahme von Begleit- und Aufsichtspersonen muss genehmigt sein. Lehrer beantragen die Genehmigung als Dienstreise.

Planung und Kosten der Schulfahrt sind frühzeitig in einer Elternversammlung oder mit den volljährigen Schülern zu besprechen. Dann ist die Erklärung der Erziehungsberechtigten oder der volljährigen Schüler einzuholen.

Alle Verträge, insbesondere Beförderungs- und Beherbergungsverträge, werden von der Schule für das Land Mecklenburg-Vorpommern abgeschlossen und bedürfen der Unterschrift des Schulleiters.

Sportliche Aktivitäten

Fahrradtouren auf Klassenfahrt sind erlaubt, dabei ist jedoch ein Fahrradhelm zu tragen! Die örtliche Verkehrssituation, das Alter der Schüler und ihre Fahrtüchtigkeit sind zu berücksichtigen. Das schriftliche Einverständnis für die Radwanderung und für die Benutzung des eigenen Fahrrades ist bei den Erziehungsberechtigten oder den volljährigen Schülern einzuholen. Die Fahrräder der Schüler müssen den verkehrsrechtlichen Bestimmungen entsprechen, dafür sind die Erziehungsberechtigten oder die volljährigen Schüler selbst verantwortlich. Der Lehrer kontrolliert die Fahrräder jedoch zu Beginn und während der Fahrt.

Hinweis
In unserem Blogartikel „Fahrradtouren auf Klassenfahrt“ geben wir viele weitere wertvolle Tipps und Hinweise rund ums Thema!

Auch Wassersport (zum Beispiel Schwimmen, Rudern, Paddeln, Segeln, Surfen, Wasserskiseilbahnfahren) ist erlaubt, wenn dabei die Vorgaben beachtet werden. Die Lehrer müssen sich über die besonderen örtlichen Wassergegebenheiten informieren. Schwimmen ist in der Regel nur in öffentlichen Badeanstalten zulässig; Schwimmen in Teichen, Seen oder Talsperren nur an ausgewiesenen Badestellen. Schwimmen im offenen Meer ist nur dort erlaubt, wo eine Überwachung durch Rettungsorganisationen gewährleistet ist. Die Lehrkraft oder eine der Begleitpersonen muss im Besitz einer gültigen Rettungsschwimmerqualifikation gemäß der Deutschen Prüfungsordnung oder im Besitz des Deutschen Rettungsschwimmabzeichens der DLRG oder des DRK sein. Die Aufsicht kann aber auch durch Rettungsschwimmer übernommen werden. Bei Aktivitäten auf dem Wasser müssen die Schüler und die aufsichtführenden Personen Schwimm- oder Rettungswesten tragen.

Hinweis
In unserem Blogartikel „Schwimmen auf Klassenfahrt“ zeigen wir, was im Einzelnen noch zu beachten ist.

Die Leitung von Skikursen kann von qualifiziertem Fachpersonal oder Lehrern übernommen werden, die – während des Studiums im Spezialfach Skilauf ausgebildet wurden oder oder -weiterbildung des Institutes für Qualitätsentwicklung Mecklenburg-Vorpommern oder einer vergleichbaren Einrichtung eine entsprechende Qualifikation erworben haben oder – im Besitz einer gültigen Lizenz des Deutschen Verbandes für das Skilehrerwesen e. V. oder des Deutschen Skiverbandes sind.

Sportliche Aktivitäten in Hochseilgärten, Kletterwäldern oder Kletterhallen dürfen nur an geprüften und nach gängiger DIN-Norm betriebenen Anlagen durchgeführt werden. Es muss nachweislich geschultes Personal vor Ort sein. Die erforderlichen Sicherheitsausrüstungen sind obligatorisch. Das schriftliche Einverständnis der Erziehungsberechtigten oder des volljährigen Schülers ist einzuholen.

Tipp
In unserem Blogartikel „Die 5 besten Sportarten für Klassenfahrten“ fassen wir zusammen, welche Sportarten bei Schülern am beliebtesten sind und welche Regelungen bei der Durchführung gelten.

Aufsicht und Begleitpersonen

Begleitpersonen sind alle begleitenden Lehrkräfte, begleitende Personal mit sonderpädagogischer Aufgabenstellung und Personal für Betreuung und Pflege an Förderschulen. Für sie gelten Schulfahrten als Dienstreisen.

Aufsichtspersonen sind in erster Linie Eltern oder andere geeignete volljährige Personen, zum Beispiel Familienangehörige, Erzieherinnen und Erzieher oder Jugendleiter.

Der verantwortliche Lehrer bespricht vor der Schulfahrt mit den Schülern sowie Begleit- und Aufsichtspersonen die Verhaltensregeln und macht dies aktenkundig. Unter Berücksichtigung ihres Alters, der Disziplin und ihrer Reife kann den Schülern während der Schulfahrt Freizeit gewährt werden. Die Erziehungsberechtigten können dem jedoch schriftlich widersprechen. Eine Aufsichtspflicht der Schule besteht für diese Zeiträume nicht. Auch darauf müssen die Erziehungsberechtigten hingewiesen werden.

Kosten und Finanzen

Für die Teilnahme an Schulveranstaltungen außerhalb des Unterrichts kann laut Schulgesetzes ein Beitrag erhoben werden, den die Erziehungsberechtigten oder die volljährigen Schüler übernehmen. Daher ist die finanzielle Planung der Klassenfahrt in der Elternversammlung abzusprechen.

Finanzierung und Zuschüsse

Die wirtschaftliche Situation der Familien darf die Teilnahme  eines Schülers an Schulfahrten nicht verhindern. Damit kein Schüler aus finanziellen Gründen zuhause bleiben muss, sind finanzielle Förderungen in Anspruch zu nehmen. Auch Werbung, Erhebung von Geldspenden oder Sammlungen an öffentlichen Schulen sind möglich.

Tipp
In unserem Blogartikel „Förderungsmöglichkeiten für Klassenfahrten“ haben wir viele wissenswerte Möglichkeiten zur Förderung und Finanzierung von Klassenfahrten zusammengefasst.

Reisekostenerstattung für Lehrer

Für die Erstattung der Reisekosten der Lehrer sowie der Begleitpersonen sind die Bestimmungen des Landesreisekostengesetzes (LRKG M-V) anzuwenden. Die Kostenerstattung der durch Aufwendungen weiterer, genehmigter entgeltfrei tätiger Aufsichtspersonen, erfolgt in sinngemäß nach dem Landesreisekostengesetz.

Hinweis
Das Landesreisekostengesetz von Mecklenburg-Vorpommern kann hier eingesehen werden.

Versicherungen

Die gesetzliche Unfallversicherung tritt für Unfälle von Schülern, angestellten Lehrern und Begleit- und Aufsichtspersonen ein, wenn sie mit der Schulfahrt im direkten oder indirekten Zusammenhang stehen. In Zeiten für individuelle Freizeitgestaltung stehen die Teilnehmer nur dann unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn sie unter pädagogischen Gesichtspunkten als schulische Veranstaltung gelten können.

Für die Fahrt ist eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen, deren Kosten anteilig auf die Teilnehmer der Schulfahrt umgelegt werden.

Tipp
Passende Versicherungsangebote für Klassenfahrten, wie z.B. die HEROLÉ-Reiserücktrittsversicherung, stellen wir hier vor.

Bei Schulfahrten ins Ausland sind die Erziehungsberechtigten oder die volljährigen  Schüler außerdem darauf hinzuweisen, dass versicherungsrechtliche Besonderheiten zum Beispiel in Nicht-EU-Mitgliedsstaaten bestehen können. Die Erziehungsberechtigten oder volljährigen Schüler müssen eventuelle Versicherungslücken selbst schließen. Die Belehrung darüber ist aktenkundig zu machen.

Quellen

Verwaltungsvorschrift Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern vom 23. September 2013

Verwaltungsvorschrift Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern vom 17. September 2010
Richtlinien für Schulfahrten in Mecklenburg-Vorpommern

Hinweis
Welche Rahmenbedingungen für Klassenfahrten in den anderen Bundesländern gelten, kann hier nachgelesen werden.

 

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Carsten Herold

Geschäftsführer HEROLÉ Reisen

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