Inklusion und Klassenfahrten

Inklusion und Klassenfahrten

Inklusion ist ein wichtiges Thema an deutschen Schulen. Seit 2009 gilt in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention, die weltweit 172 Staaten unterzeichnet haben. Darin verpflichten sich die Unterzeichner, die Inklusion von Menschen mit Behinderung zu stärken und Barrieren abzubauen. Zum Thema Bildung heißt es in Artikel 24:

Die Vertragsstaaten erkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung an. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen […]

Demnach haben Kinder mit Behinderungen das Recht, eine Regelschule zu besuchen – vorausgesetzt, dass sie und ihre Eltern das möchten. Damit die Schüler gleichberechtigte Mitglieder der Klassengemeinschaft sein können, möchten sie selbstverständlich auch an Schulveranstaltungen wie Klassenfahrten teilnehmen. Damit die Fahrt für alle zu einer schönen und entspannten Zeit wird, sollten sich Lehrer, Schüler und Eltern auf die Bedürfnisse aller einstellen. Hier sind Tipps zur Inklusion auf Klassenfahrten.

Die Bedürfnisse der Schüler abklären

Lehrer sind in der Regel mit den Einschränkungen ihrer Schüler vertraut. Bei einer Klassenfahrt stehen die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schüler allerdings noch stärker im Vordergrund als im normalen Unterricht. Die Klasse verbringt einige Tage und Nächte außerhalb der Heimat, so dass rund um die Uhr eine geeignete Betreuung der Schüler mit Behinderung gewährleistet sein muss. Deshalb sollten sich die Lehrer unbedingt rechtzeitig mit den betroffenen Schülern und Lehrern treffen. Noch bevor ein Ziel für die Klassenfahrt ausgewählt wurde, sollten die Beteiligten einige Fragen klären: Welche Einschränkungen hat der Schüler? Was muss beim Reiseziel beachtet werden? Gibt es Programmpunkte, an denen der Schüler nicht teilnehmen könnte?

Da sich kein Schüler ausgeschlossen oder diskriminiert fühlen soll, sollten diese Fragen rechtzeitig besprochen werden. Wenn der Lehrer der Klasse zum Beispiel einen Abenteuerurlaub in den Bergen vorschlägt und hinterher auffällt, dass ein Schüler mit chronischer Herzerkrankung nicht mitmachen könnte, sind Verstimmungen in der Klasse vorprogrammiert. Damit die Schulfahrt nicht zur Belastungsprobe für die ganze Klasse wird, sollten alle Beteiligten gut planen und die Organisation rechtzeitig in Angriff nehmen – so bleibt genügend Zeit, um eine geeignete Unterkunft und ein passendes Reiseziel zu finden. Lehrer sollten daran denken, dass nicht nur sichtbare Einschränkungen wie ein Rollstuhl zu beachten sind – auch auf Erkrankungen wie schwere Diabetes sollte sich die Klasse rechtzeitig einrichten.

Reiseziel und Unterkunft auswählen

Wenn geklärt ist, auf welche Bedürfnisse die Klasse achten muss, kann die Planung der Reise beginnen. Für eine entspannte Fahrt sollte die Klasse ein Reiseziel wählen, das möglichst barrierefrei ist. Bei Schülern mit körperlichen Einschränkungen bietet sich oftmals ein Städtetrip, da sich gerade in Großstädten leichter geeignete Unterkünfte finden lassen und auch der örtliche Nahverkehr in der Regel behindertengerecht ist.

In jedem Fall sollten die Lehrer rechtzeitig mit der Recherche beginnen und alle Schüler gleichberechtigt in die Planung mit einbeziehen. Oft lohnt es sich auch, die Eltern nach Vorschlägen für das Reiseziel zu fragen. Vielleicht waren sie vor Kurzem an einem schönen Reiseort, der barrierefrei und daher geeignet ist.

Wenn Schüler und Lehrer ein Reiseziel ins Auge gefasst haben, kann die Recherche nach einer geeigneten Unterkunft beginnen. Eine erste Anlaufstelle bei Reisen innerhalb Deutschlands sind die Jugendherbergen, die auf den Internetseiten der Landesverbände über barrierefreie Ausstattungen informieren. Sie sind oftmals gut auf körperliche Einschränkungen eingestellt und bieten zum Teil eine finanzielle Entlastung für Schüler, die eine Begleitperson brauchen: Der Landesverband Berlin Brandenburg sichert Begleitpersonen zum Beispiel einen kostenlosen Schlafplatz zu. Voraussetzung ist, dass der betroffene Schüler den Verweis „Merkzeichen B“ im Schwerbehindertenausweis hat.

Wer im Ausland unterwegs ist oder lieber in einem Hostel oder Hotel unterwegs ist, informiert sich am besten über Vergleichsportale oder Internetforen. Oft hilft es auch, die Geschäftsführung eines Hostels direkt zu kontaktieren. Im direkten Gespräch erfahren die Lehrer oder Eltern, wie die Zimmer vor Ort ausgestattet sind. Wer mit einem Kind reist, das an schwerer Diabetes erkrankt ist, kann sich auch direkt nach einer geeigneten Verpflegung erkundigen.

Tipp
Die Herolé-Reiseexperten geben gerne Auskunft zu geeigneten Unterkünften.

Anreise-Art wählen

Entscheidend für einen reibungslosen Ablauf ist auch, dass alle Schüler das Reiseziel gut erreichen. Wenn gehbehinderte Schüler die Fahrt begleiten, müssen Lehrer daher auf ein geeignetes Transportmittel achten. Besonders praktisch ist zum Beispiel ein behindertengerechter Reisebus, da hiermit auch problemlos Hilfsmittel wie Rollstühle transportiert werden können.

Tipp
Eine Übersicht über Unternehmen mit barrierefreien Reisebussen hat der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer hier zusammengestellt.

Seit Juli 2008 haben Fluggäste mit einer eingeschränkten Mobilität verbesserte Rechte. In einer Verordnung der Europäischen Union ist geregelt, dass Flughäfen, Fluggesellschaften ihre Mobilität unterstützen und zum Beispiel kostenlos Hilfsmittel wie klappbare Rollstühle zur Verfügung stellen müssen. Voraussetzung ist, dass der Schüler bzw. Lehrer die notwendigen Hilfen 48 Stunden vor Abflug beim Reiseveranstalter oder der Fluggesellschaft anmeldet.

Gemeinsam lernen – gemeinsam reisen

Wer mit der Deutschen Bahn reist, kann bei den meisten Bahnhöfen darauf vertrauen, dass Fahrstühle vorhanden sind. Hilfe leistet vielerorts zum Beispiel die Bahnhofsmission. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Deutschen Bahn.

Hilfe beantragen

Schüler mit körperlichen Behinderungen sind zum Teil auf eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen. Nicht immer können Mitschüler und Lehrer diese Hilfe gewährleisten. Deshalb sollten sich die betroffenen Schüler bzw. ihre Erziehungsberechtigten rechtzeitig mit der Frage beschäftigen, wer eine (medizinische) Begleitperson bezahlt. Wenn die Eltern und Schüler die Schule über die Notwendigkeit informiert haben, sollten sie sich möglichst frühzeitig an Organisationen in der Nähe wenden. Einrichtungen wie zum Beispiel die Johanniter, Malteser oder das Deutsche Rote Kreuz vermitteln oftmals Betreuer. Am besten treffen sich die Eltern und Schüler Schüler direkt mit Mitarbeitern einer solchen Einrichtung und klären ab, wie teuer eine Begleitung in etwas sein wird. Anschließend sollten die Betroffenen jeweils ein Schreiben an die eigene Krankenkasse und an die Eingliederungshilfe aufsetzen und dieses per Einschreiben versenden. Darin sollte ein Antrag auf eine Kostenübernahme enthalten sein, in dem möglichst detailliert festgehalten wird, welche Art der Betreuung das Kind braucht. Am besten sollten Eltern darin argumentieren, warum es nicht ausreichend ist, dass ein Pflegedienst am Zielort die Betreuung übernimmt.

Leider herrscht oft Uneinigkeit zwischen den Krankenkassen und Sozialämtern über die Frage, wer die Kosten für eine Betreuung übernimmt. Betroffene sollten daher unbedingt an beide Stellen gleichzeitig einen Antrag stellen und darin erwähnen, dass sie sich auch an die andere Stelle gewandt haben. Sie sollten in ihrem Schreiben die Kontaktdaten der anderen Kostenstelle notieren und darum bitten, dass sich die Krankenkasse und die Eingliederungshilfe auf eine Kostenübernahme einigen. Wichtig: Eltern sollten Absagen ihres Antrags niemals telefonisch annehmen. Sie sollten in jedem Fall darauf bestehen, dass eine schriftliche Absage verschickt wird. Diese ist die Grundvoraussetzung dafür, Einspruch gegen die Entscheidung einlegen zu können.

Tipp
Einen detaillierten Überblick über einen Antrag auf eine Begleitperson für Schüler mit Diabetes Typ 1 gibt es hier.

Programm wählen

Wenn die Kostenfrage geklärt ist, steht zuletzt die Wahl eines geeigneten Programms an. Auch hier ist es wichtig, sich an den Bedürfnissen aller Teilnehmer zu orientieren. Wichtig ist eine detaillierte Recherche vor Beginn der Reise. Klären Sie vor jedem Programmpunkt, ob alle Eingänge behindertengerecht sind und alle Schüler an der Veranstaltung teilnehmen können. Wer zum Beispiel einen Stadtrundgang plant, sollte vorher mit dem Reiseleiter absprechen, dass keine Routen mit Treppen gewählt werden. Die meisten Organisatoren stellen sich problemlos auf die Bedürfnisse ein, solange sie rechtzeitig informiert werden.

Tipps zur Vorbereitung einer inklusiven Klassenfahrt

  • frühzeitige, detaillierte Vorbereitung und Absprache mit der Hausleitung (unter anderem Art der Anreise, Anzahl beeinträchtigter Schülerinnen und Schüler, Art der Behinderung, spezielle Bedürfnisse der Gruppe, konkrete Vorhaben vor Ort)
  • detaillierte Information über Ausstattung der Unterkunft (wie Zimmergröße, Türbreite, Lage der Zimmer, Fahrstühle, Tischhöhe im Speisesaal et cetera)
  • frühzeitige Rücksprache mit Programmpädagogen zwecks Klärung auf Eignung des Wunschprogramms und etwaiger Modifizierungen
  • Klärung der Infrastruktur vor Ort (Entfernung von Parkplätzen, Anbindung an öffentlichen Nahverkehr, weitere Transportmöglichkeiten)
  • frühzeitige Information hinsichtlich Allergien/Lebensmittelunverträglichkeiten, damit sie bei der Verpflegung berücksichtigt werden können
  • Klärung der ärztlichen Versorgung vor Ort (Entfernung Arzt, Krankenhaus)
  • Information über spezielle behindertengerechte Einrichtungen
  • Information über Zusatzangebote für Rollstuhlfahrer

Inklusive Klassenfahrten sind zwar in der Organisation aufwendiger – wenn sich alle Beteiligten rechtzeitig bemühen, steht einer erfolgreichen Fahrt aber nichts im Weg!

 


 

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Romy Herold

Ihre Reiseexpertin für Deutschland und Dänemark

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