Schulen ohne Schulleiter – viele Stellen bleiben unbesetzt

Dass in vielen Bundesländern akuter Lehrermangel herrscht, ist mittlerweile ein bekanntes Problem. An vielen Schulen fehlt zudem das Führungspersonal – Schulleiter zu werden ist für viele Pädagogen offenbar keine attraktive Option. Wir verraten, wo Schulleiter fehlen, welche Aufgaben sie übernehmen müssen und was sich laut Lehrergewerkschaften ändern muss.
Dass in vielen Bundesländern akuter Lehrermangel herrscht, ist mittlerweile ein bekanntes Problem. An vielen Schulen fehlt zudem das Führungspersonal – Schulleiter zu werden ist für viele Pädagogen offenbar keine attraktive Option. Wir verraten, wo Schulleiter fehlen, welche Aufgaben sie übernehmen müssen und was sich laut Lehrergewerkschaften ändern muss.
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Schulleiter gesucht

Wie viele Schulleiter deutschlandweit fehlen, ist aufgrund der föderalen Bildungslandschaft nur schwer einzuschätzen. Zahlen aus den einzelnen Bundesländern verdeutlichen jedoch einen gravierenden Mangel. Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schulformübergreifend etwa 700 Schulleiter und mehr als 900 Stellvertreter. Eine grundlegende Besserung sei nicht in Sicht, konstatiert die GEW.

Besonders oft sind Grundschulen in ländlichen Gebieten vom Schulleitermangel betroffen. So blieben 2017 laut dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) bundesweit etwa 1000 Grundschulleiter-Posten unbesetzt. Stark betroffen war Nordrhein-Westfalen, in dem 390 von 2700 Stellen an Grundschulen unbesetzt blieben. Auch im benachbarten Niedersachsen blieben 179 Grundschulen ohne Direktor.

Aufgaben schrecken viele Bewerber ab

Dass viele Stellen mittlerweile unbesetzt bleiben, liegt unter anderem daran, dass viele Lehrer vor den komplexen Anforderungen an die Schulleitung zurückschrecken. Amtsinhaber sehen sich oft im Spannungsfeld zwischen überarbeiteten Lehrern, anspruchsvollen Schülern und Eltern, der Schulaufsicht und dem Schulträger – meist der Kommune. Hinzu kommen viele Verwaltungsaufgaben, der eigene Unterricht und die Schulentwicklung. So wird von Schulleitern erwartet, dass sie Zukunftsprojekte in Angriff nehmen und die Spezialisierung der Schule vorantreiben. Hinzu kommen komplexe Herausforderungen wie Inklusion, eine wachsende Zahl an Seiteneinsteigern in den Lehrbetrieb, die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund und die Digitalisierung der Schulen.

Laut einer Umfrage der GEW in Nordrhein-Westfalen empfinden Schulleiter folgende Tätigkeiten als besonders belastend:

  • Berichte für Behörden verfassen und gegenüber der Schulaufsicht Rechenschaft ablegen
  • Verwaltungsvorgänge und deren Archivierung
  • Schulsponsoring betreiben
  • Instandhaltungsmaßnahmen des Schulgebäudes organisieren

Gerade an kleinen Grundschulen häufen sich weitere Aufgaben an, da es oftmals keine breite Führungsebene aus Fachleitern und Koordinatoren gibt. Erst ab einer Größe von 180 Schülern steht einer Grundschule ein Konrektor zu, der sich stundenweise mit der Unterrichtsverteilung oder dem Vertretungsplan beschäftigt. Auch ein Sekretariat und ein Hausmeister sind an kleinen Schulen nicht selbstverständlich.

Viele Aufgaben – niedriges Gehalt?

Als einen weiteren Grund für den Mangel an Nachwuchs-Schulleitern nennen Gewerkschaften das vergleichsweise niedrige Gehalt, das Führungspersonal an Schulen erwartet. Wie hoch die Gehaltsdifferenz zu einer normalen Lehrerstelle ist, hängt von der Schulform und dem Bundesland ab. Generell gilt jedoch, dass vor allem Grundschulrektoren nur ein geringes Plus von wenigen Hundert Euro erhalten. Konrektoren haben oftmals nur 50 Euro netto im Monat mehr auf ihrem Konto als ihre Kollegen, obwohl sie neben dem regulären Unterricht viele weitere Aufgaben übernehmen. Als besonders ungerecht empfinden stellvertretende Schulleiter ihre Bezahlung zudem, wenn der Direktor ausfällt und sie faktisch die gesamte Schulleitung übernehmen müssen.

Am besten bezahlt sind Schulleiter an Gymnasien. Dort wartet abhängig von der Größe der Schule Besoldungsgruppe A16 (je nach Bundesland und Alter 5600 bis 7000 Euro brutto) auf den Direktor. Angesichts der hohen Belastung und vieler Überstunden verzichten viele Lehrer dennoch lieber auf das Gehalt.

Wie viel Schulleiter abhängig von der Schulform verdienen, hat die Wirtschaftswoche am Beispiel des Landes Baden-Württemberg aufgeschlüsselt.

Das fordern Gewerkschaften

Wenn Schulleiter fehlen, leiden die Lehrer und Schüler unter dem Führungsmangel. Die GEW und andere Lehrerverbände fordern daher regelmäßig, die Stellen attraktiver zu gestalten, um qualifizierte Bewerber zu gewinnen.

Eine Forderung der Gewerkschaft ist, dass die Schulen besser mit Personal für administrative Aufgaben ausgestattet werden. Für viele Aufgaben, die heute faktisch von den Schulleitern erledigt werden, sei kein pädagogisch geschultes Personal nötig. Wenn neue Aufgaben zum Schulleiter-Profil hinzukämen.

Zudem tritt die GEW in NRW dafür ein, dass

  • Teamstrukturen erweitert werden, so dass in den Schulen eine mittlere Führungsebene entsteht
  • mehr Möglichkeiten für Schulleitung in Teilzeit geschaffen werden
  • die Personalgewinnung in Verbindung mit der Schulleiterausbildung und dem Übergangsmanagement verbessert wird.

Dass gute Arbeitsbedingungen die Qualität der Schulen erheblich verbessert, zeigt ein radikales Experiment aus den USA: Dort hat der Yale-Absolvent Zeke Vanderhoek in New York eine Schule gegründet, die Lehrern ein Spitzengehalt von 125.000 Dollar im Jahr zahlt – etwa doppelt so viel wie das in New York durchschnittliche Lehrer-Jahresgehalt von 65.000 Dollar. Sein Kalkül, dass Top-Gehälter auch Top-Pädagogen anlockt, ist aufgegangen: Eine Evaluation aus dem Jahr 2014 zeigt, dass die Schüler des „Equity Project“ deutlich mehr wissen als ihre Altersgenossen.

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