Digitales Lernen – Sinnvoller Medieneinsatz im Unterricht

Digitales Lernen – Sinnvoller Medieneinsatz im Unterricht

Digitale Medien haben einen schlechten Ruf: Vor allem für Jugendliche sei die regelmäßige Nutzung von Laptop, Smartphone und Co. schädlich, lautet ein weit verbreitetes Vorurteil. Entsprechend kommen die Medien an Schulen eher selten zum Einsatz. Studien zeigen, wie unmodern die Ausstattung vieler Schulen ist. So verfügen 75 Prozent aller Schulen noch über Röhrenfernseher und 62 Prozent über Kassettenrekorder  – doch nur sieben Prozent der Schulen können ihren Schülern Tablet-Computer zur Verfügung stellen. Dabei wünschen sich viele Eltern, dass ihre Kinder in der Schule einen angemessenen Umgang mit dem Computer und Internet lernen. Wir geben Tipps für den Einsatz von digitalen Medien für den Unterricht und die Hausaufgaben.

Lernmedien

Digitale Medien haben oft einen schlechten Ruf – dabei kann ein gezielter Einsatz von Lernprogrammen den Unterricht verbessern.

Wenn Kinder und Jugendliche digitale Medien nutzen, lernen sie dabei meist unmerklich Neues: In TV-Serien nehmen sie zum Beispiel die präsentierten Rollenbilder wahr, werden in Computerspielen kreativ oder beschäftigen sich mit den Schönheitsidealen, denen sie in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram begegnen. Nicht immer sind die Lerneffekte pädagogisch wertvoll: Wenn zum Beispiel zwölfjährige Mädchen bei Instagram Models folgen, entwickeln sie möglicherweise unrealistische Schönheitsideale. Im Gegensatz zu dieser unkontrollierten Informationsflut werden als Lernmedien ausschließlich Angebote bezeichnet, die bewusst auf Wissensvermittlung setzen. Beispiele sind die Sendung mit der Maus, digitale Vokabeltrainer oder Wissenstests.Digitale Medien haben oft einen schlechten Ruf – dabei kann ein Einsatz im Unterricht sinnvoll sein.

Gerade Lernmedien lassen sich gut in den Unterricht integrieren: Es gibt mittlerweile viele Internetseiten, Apps und YouTube-Kanäle  seriöser Anbieter, die sich gezielt mit Unterrichtsinhalten auseinandersetzen und die auf eine spezielle Altersgruppe zugeschnitten sind. Selbst für Grundschüler gibt es passgenaue Angebote. Für den Unterricht an einer Schule oder für die Hausaufgaben sind besonders Internetseiten sinnvoll, die auf die Bedürfnisse von Schülern zugeschnitten sind: Nach einer Lehreinheit lohnt es sich zum Beispiel, die Schüler ein Quiz ausfüllen zu lassen oder sie vor einem Vokabeltest ihr Wissen auf einer entsprechenden Plattform individuell testen zu lassen. Wer sich für den Einsatz von solchen Lernmedien entscheidet, sollte zuvor die Qualität des Angebots überprüfen. Die Medieninitiative „Schau hin“ hat dafür eine Checkliste mit folgenden Punkten entwickelt:

  • Interaktion: Ein gutes Lernmedium bezieht die Jugendlichen mit ein, damit sie nicht die Motivation verlieren. Der Nutzer erhält eine Rückmeldung über seine Erfolge und Misserfolge. So wird deutlich, wo noch Wissenslücken bestehen. Im Idealfall gibt es sogar die Möglichkeit, Erlerntes zu wiederholen und sich bei Interesse weiter zu informieren.
  • Motivation: Auch bei Misserfolgen sollten die Jugendlichen nicht die Lust an der Lernapp oder -Internetseite verlieren. Deshalb ist es wichtig, dass es eine Hilfefunktion gibt: Falls der Nutzer mal nicht mehr weiter weiß, kann er Hinweise nutzen, um anschließend wieder besser voranzukommen. Auch Lehrer und Eltern können ihren Beitrag leisten, um die Schüler zu motivieren. Sie können die Jugendlichen bei der Auswahl des Angebots mit einbeziehen. Auf diese Weise fühlen sich die Jugendlichen ernstgenommen und sind eher bereit, das Lernmedium zu nutzen.
  • Spezifikation: Die Stärke digitaler Lernmedien liegt darin, dass die Schüler individuell üben und ihre Wissenslücken selbstständig füllen. Damit sie diese Möglichkeiten voll ausschöpfen können, muss das Angebot zu ihren Bedürfnissen passen: Viele Internetseiten sind speziell auf eine Klassenstufe ausgerichtet. Lehrer und Eltern sollten deshalb Medien auswählen, die die Kinder weder über- noch unterfordern.

Verschiedene Angebote nutzen

Mit wenig Recherche findet man für den Unterricht in jedem Schulfach geeignete Internetseiten, die für Schüler interessant sind. Hier ist eine Übersicht über die verschiedenen Angebote:

Lernseiten

Für Kinder gibt es viele Internetseiten, die Lernstoff gut aufbereitet präsentieren und Lust aufs Lernen machen. Besonders für Grundschüler gibt es sinnvolle Portale: Mit der Kinderzeitmaschine können geschichtsinteressierte Schüler bis etwa 13 Jahre in die Vergangenheit reisen und das Alte Ägypten und das Mittelalter erkunden. Besonderes Highlight: Wer Lust hat, kann sogar seine eigene Burg erstellen! Das Grundschulwiki erinnert an die Erwachsenen-Version Wikipedia. Die Kinder-Ausgabe bietet zwar weniger Beiträge als Wikipedia, dafür sind die Texte leicht verständlich und auch für jüngere Schüler geeignet. Spannend ist auch die Seite Physikforkids.de, die ab zehn Jahren geeignet ist interessante Fragen wie „Was ist Schall?“ fachgerecht beantwortet.

Für Klassen gibt es auch Portale wie Mathepirat.de, die vor allem für die Arbeit zuhause interessant sind: Hier kann der Lehrer bestimmen, welche Aufgaben für die Schüler geeignet sind. Sie arbeiten freiwillig daran und erhalten zur Belohnung digitale Urkunden, die sie ausdrücken können. Spannend ist auch das Schülermagazin Palk@n, das verschiedene Themen altersgerecht aufarbeitet.

Tipp
Eine Übersicht über pädagogisch sinnvolle Lernseiten gibt es hier.

Youtube-Kanäle

Während sich Lernseiten meist an jüngere Schüler wenden, gibt es für die älteren tolle Angebote bei Youtube. Viele Kanäle haben sich darauf spezialisiert, Lerninhalte gut zu präsentieren- von Mathe über Biologie und Politik ist alles dabei! Die Videos lassen sich in den Unterricht einbauen, sind aber auch fürs Lernen zuhause geeignet. Gerade lernschwache Schüler in Mathe profitieren von Kanälen wie DorFuchs oder Daniel Jung. Die Videos sind recht professionell gestaltet und eignen sich besonders zur Wiederholung. Wer Probleme mit Physik hat, ist bei dem Kanal 100SekundenPhysik richtig: In wenigen Minuten werden komplexe Sachverhalte verständlich erklärt. Themen wie die Panama Papers oder Olympia werden im Channel Explainity erklärt: An jedem ersten Mittwoch im Monat wird ein neues Video veröffentlicht, das das aktuelle Weltgeschehen für Jugendliche verständlich macht.

Tipp
Empfehlenswerte Youtube-Kanäle hat „Schau hin!“ hier zusammengestellt.

Lern-Apps

Mit Apps können Kinder und Jugendliche ihr Wissen gezielt erweitern und zum Beispiel Vokabeln lernen.

Mit Lernapps können Kinder und Jugendliche ihr Wissen gezielt erweitern.Das Smartphone hält Jugendliche nur vom Lernen ab – so das gängige Vorurteil. Mit verschiedenen Apps kann das Smartphone aber eine echte Unterstützung in der Schule und zuhause werden. Neben kostenlosen Sprachkursen wie Duolingo gibt es auch digitale Formelsammlungen wie Formelwerk und oder das Merck Periodensystem, die besonders für weiterführende Schulen geeignet sind. Für jüngere Schüler gibt es Apps mit Helden wie Janosch oder Conni aus der gleichnamigen Kinderbuchserie.

Medienkompetenz stärken

Gerade ältere Schüler nutzen auch ohne Unterstützung ihrer Lehrer das Internet regelmäßig: Besonders für Referate und Recherchen ist Google für sie eine wichtige Quelle. Umso wichtiger ist es, dass ihnen Lehrer einen sachgerechten Umgang mit dem Internet vermitteln: Wie man seriöse Quellen erkennt, sollte daher bestenfalls der Inhalt einer Unterrichtsstunde sein. Aus aktuellem Anlass ist es auch sinnvoll, Jugendliche über Falschmeldungen, die sogenannten Fake News, zu informieren. Die EU-Initiative Klicksafe hat eine Broschüre über dieses Thema zusammengestellt. Für jüngere Schüler, die mit den herkömmlichen Suchmaschinen noch überfordert sind, gibt es Kinder-Suchmaschinen wie fragFINN, die bis etwa zehn Jahren geeignet sind.

Tipp
Eine Checkliste zur Bewertung von Internetquellen gibt es hier.

Digitale Medien auf der Klassenfahrt

Ein häufiges Streitthema: Smartphones auf der Klassenfahrt!

Ob Handys auf der Klassenfahrt benutzt werden dürfen, ist an einer Schule oft ein Streitthema. Gerade Schülern aus den höheren Jahrgangsstufen können Lehrer aber nur schwer die Nutzung des Handys verbieten. Wer sich gegen ein Smartphone-Verbot entscheidet, kann seinen Schülern für die Klassenfahrt sogar gezielt Apps empfehlen – gerade bei Städtereisen gibt es oft sinnvolle Anwendungen für das Handy. Ob Stadtplan, eine App für das örtliche U-Bahnnetz oder ein Währungsrechner: Nach kleinen Recherchen finden sich meist praktische und kostenlose Angebote für eine gelungene Klassenfahrt!

Tipp
Weitere Informationen und Beiträge zum Thema „Digitale Medien in der Schule“, können hier nachgelesen werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Herolé-Blog: Kontrovers: Smartphones auf Klassenfahrt 

Herolé-Blog: Medienpädagoge Philippe Wampfler: Schulen, die Handys verbieten wollen, verpassen eine große Chance“

Herolé-Blog: Digitale Medien in der Schule – Chancen, Risiken, Perspektiven 

Geo: Lernen mit neuen Medien: Digital macht schlau!

Schau hin!: Lernen mit Medien 

 


 

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Susanne Westbrock

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