Achtsamkeit in Schulen: Empathie und Kreativität fördern

Das Thema Achtsamkeit nimmt in der Gesellschaft immer mehr Platz ein. In der Wirtschaft wird Achtsamkeit bereits in Führungs- und Mitarbeiterseminaren erlernt und soll dazu beitragen, Stress zu reduzieren und ein besseres Arbeitsklima herzustellen. In jüngster Zeit gewinnt Achtsamkeit auch im Kontext von Schulen immer mehr Relevanz.
Das Thema Achtsamkeit nimmt in der Gesellschaft immer mehr Platz ein. In der Wirtschaft wird Achtsamkeit bereits in Führungs- und Mitarbeiterseminaren erlernt und soll dazu beitragen, Stress zu reduzieren und ein besseres Arbeitsklima herzustellen. In jüngster Zeit gewinnt Achtsamkeit auch im Kontext von Schulen immer mehr Relevanz.
Blick auf eine Blume im Wind
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In England ist Achtsamkeitstraining ein verbindliches Schulfach. Ausgebildete Achtsamkeitstrainer führen gemeinsam mit den Schülern Achtsamkeits-Übungen durch und helfen ihnen dadurch, ihre Gedanken und Gefühle einordnen und besser mit Stresssituationen umgehen zu können. In Deutschland beginnen erste Schulen, wie beispielweise die Elisabethenschule in Frankfurt, Achtsamkeit im Unterrichtskontext anzuwenden. In nordrhein-westfälischen Solingen wird derzeit ein Forschungsprojekt zum Thema Achtsamkeit in Schulen, in dem sich Grundschullehrer in Achtsamkeit üben, durchgeführt. Dieses von der Landesregierung angeregte Projekt wird von der Uni Duisburg-Essen, der Essener Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin und der Stadt Solingen begleitet.

Was bedeutet Achtsamkeit?

Bei Achtsamkeit geht es darum, eigene Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen sowie Sinnesreize der Umgebung bewusst wahrzunehmen und diesen mit einer offenen und annehmenden Haltung zu begegnen. Durch das in Achtsamkeitsübungen stattfindende mit sich in Kontakt treten, wird die eigene Selbstwahrnehmung gefördert. Zudem werden positive Gefühlszustände, wie Selbstfürsorge und Mitgefühl, angeregt, und dadurch letztlich Ruhe und Gelassenheit hervorgerufen. Durch die Reduzierung von abschweifenden Gedanken und der höheren Konzentrationsfähigkeit, die durch achtsame Praktiken angeregt werden, stellen diese einen wertvollen Gegenpart zum steigenden Stresslevel in unserer Gesellschaft und einer zunehmenden Zerstreuung durch die uns umgebende multimediale Außenwelt dar. Als Begründer der Achtsamkeitspraxis gilt Jon Kabat-Zinn, der Ende der 1970er-Jahe die am weitesten verbreitete Methode der Mindfullness-Based Stress Reduction (MBSR) entwickelt hat.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden erste Forschungsarbeiten zum Thema Achtsamkeit angeregt. Als positive Auswirkungen konnten dabei eine erhöhte Selbstwirksamkeit, ein verbessertes Körpergefühl und eine gesteigerte Fähigkeit, empathisch zu handeln, nachgewiesen werden. Studien zeigen darüber hinaus, dass Achtsamkeit zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit, einer Impuls- und emotionalen Kontrolle sowie zu Steigerung der sozialer Kompetenz beiträgt. Im Bereich der Schulen ist Vera Kaltwasser eine Pionierin. Durch ihre Vergleichsstudie an der Ludwig-Maximilian-Universität konnte nachgewiesen werden, wie Achtsamkeit im Schulalltag die Aufmerksamkeit, Konzentration und Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation der Schüler verbessert.

MBSR ist die Kurzform für Mindfullness-Bades Stress Reduction

Wie Achtsamkeit im Schulalltag hilft

Die Verkürzung der Schulzeit, ein zunehmenden Leistungsdruck und mediale Reizüberflutung führen dazu, dass immer mehr Kinder psychische Stresserkrankungen erleiden. Ein vermehrter Umgang mit Stress und Prüfungssituationen, welche mit Versagens- und Zukunftsängsten einhergehen können, lösen oftmals Erschöpfung sowie Angst- und Depressionserscheinungen bei Kindern und Jugendlichen aus. Durch achtsame Verhaltensübungen können Schüler mehr über das Funktionieren ihres Gehirn lernen und wissen sich dadurch besser selbst zu verstehen. Die Integration von achtsamen Elementen im Unterricht, wie Atemübungen, Gehmeditation oder Bodyscanns, kann schließlich dazu beigetragen, Lernstörungssymptome zu verringern sowie die Kreativität, die Zufriedenheit und das Selbstvertrauen der Schüler zu steigern. Zudem kann Achtsamkeit zu die Konzentrationsfähigkeit verbessern sowie die Gedächtnisleistung anregen.

Nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer können achtsame Übungen hilfreich sein. Wie in unserem Beitrag zu Burn-Out erläutert, leiden immer mehr Lehrer unter Stress und Leistungsdruck. Achtsamkeit kann Lehrer darin unterstützen, sich selbst zu beruhigen und zu entspannen. Darüber hinaus können Lehrer Achtsamkeitsübungen im Unterricht nutzen, um ihren emotionalen und gedanklichen Zustand während des Unterrichts zu überprüfen. Dazu können sie beispielsweise versuchen, sich in ruhigen Momenten auf ihren Atem zu fokussieren oder Wahrnehmungsübungen durchführen. Diese können dazu beitragen, Herausforderungen des Schulalltags besser zu meistern.

Durch die Anwendung eines achtsamen Verhaltens können Lehrer außerdem dazu beitragen, die Qualität des Schulalltags zu verbessern. Indem Lehrer ihren Schülern mit Offenheit, mit Begeisterung sowie mit einer nicht-urteilenden, wertschätzenden Grundhaltung begegnen und indem sie eine achtsame Sprache im Unterricht wählen, können positive Beziehungen zu Schülern hergestellt werden. Diese tragen zu einem angenehmeren Lern- und Arbeitsklima bei, durch das Schüler motivierter sind.

Lesetipp

Wir haben Ihnen alle wichtigen Informationen zum Thema Burn-out in einem Artikel zusammengefasst.

Achtsamkeit als zukünftige Kompetenz?

Achtsamkeit wird als eine Fähigkeit gesehen, die gleich wie Mathematik, Deutsch oder Sport erlernt werden kann. Laut Gustav Dobos von der Klinik für Naturheilkunde übernehmen das Abrufen von Wissen zunehmend Computer und Künstliche Intelligenz. Um in der Zukunft noch konkurrenzfähig zu sein, werden daher vor allem menschliche Fähigkeiten, wie Empathie und Kreativität, welche durch Achtsamkeitsübungen trainiert werden, gefragt. Somit scheint die Integration von Achtsamkeit im Schulalltag wie in England geschehen durchaus sinnvoll.

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