Cyber-Mobbing gegen Lehrer: Was Betroffene tun können

Cyber-Mobbing gegen Lehrer: Was Betroffene tun können

Dass Schüler nicht immer Fans ihrer Lehrer sind und sich zuweilen über sie lustig machen, ist kein neues Phänomen. Neu ist jedoch die Reichweite, die Schüler mit verbalen Angriffen auf Pädagogen erzielen. Ein Klick und schon ist ein gehässiger Kommentar über einen Lehrer samt Foto überall auf der Welt zu sehen. Das World Wide Web macht es möglich. In Hamburg sorgt seit Kurzem das Bewertungsportal „CheckDeinLehrer“ für Unruhe an Schulen. Auf der Internet-Plattform werden Lehrkräfte unter anderem als „hässliche Fischaugentante“, „fette Kuh“ oder sogar „Bitch“ diffamiert. Wir erklären, wie sich Betroffene gegen Cyber-Mobbing wehren können.

Bewertungsportal für Hamburger Lehrer

Der Begriff Cyber-Mobbing oder auch Cyber-Bullying meint das „absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßestellen oder Belästigen anderer mithilfe von Internet- oder Mobiltelefondiensten über einen längeren Zeitraum hinweg“, heißt es auf der Internetseite der Initiative Klicksafe. Dass immer wieder Schüler Ziel eines solchen Mobbings im Internet werden können, ist bekannt. Doch auch Lehrer werden auf Internetplattformen bloßgestellt. So ist vor einiger Zeit das Bewertungsportal „CheckDeinLehrer“ online gegangen, auf dem bislang 35 Hamburger Schulen und Hunderte Lehrer gelistet sind. Ihnen können Schüler anonym Noten in den Kategorien Verständlichkeit, Hausaufgaben, Fairness, Klausuren, Hilfsbereitschaft und Humor geben. Neben diesen Sternebewertungen bietet die Plattform Raum für Kommentare, die nicht immer sachlich und reflektiert ausfallen. Zum Teil lassen anonyme Nutzer ihrem Hass auf Pädagogen freien Lauf und beleidigen diese anonym. So lauten die Kommentare zu einigen Lehrern: „Ich helfe gerne, eine alte, verrückte Frau aus ihrem Sumpf von sexueller Frustration herauszuholen“, oder auch: „Er ist vor Kurzem zum Alkoholismus konvertiert.“ Beleidigungen wie „Mängelwesen“ oder „Ratte“ gehörten noch zu den harmloseren Bemerkungen, berichtet das Hamburger Abendblatt.

Tipp
Auch Schüler werden Opfer des Cyber-Mobbings. Was Lehrer dagegen tun können, verraten die Experten Uwe Leest und Kristin Wrubel im Interview mit Herolé. Hier erklären wir außerdem, was Pädagogen gegen Mobbing auf Klassenfahrten unternehmen.

Bislang hat eine Lehrerin Anzeige wegen Verleumdung und Beleidigung erstattet. Das Problem: Der

Mobbing im Internet ist für Betroffene oft noch schmerzhafter als in der Realität: Mehr Menschen werden Zeugen der Attacke.

Verfasser des Kommentars und auch die Betreiber der Internetseite sind nicht bekannt.  Sie geben sich als „Ministerium gegen Produktivität“ aus und schreiben in einem „Manifest“ auf dem Portal: „Uns stört, dass bisher nur die Schüler benotet und bewertet werden und Lehrer mit ihrer teils mangelnden Leistung ungeschoren davonkommen.“

Im Fall eines anderen Bewertungsportals, das 2014 offline ging, entschied der Bundesgerichtshof vor acht Jahren, dass Lehrer in der Regel mit anonymen Bewertungen im Internet leben müssen. Vorausgesetzt, dass die Bewertungen nicht die Intimsphäre der Lehrer verletzen und keine Schmähkritik darstellen.

Das Ausmaß von Cyber-Mobbing

Nicht nur in Hamburg haben Lehrer mit unfairen Attacken im Internet zu kämpfen. In Großbritannien tauchte vor einigen Jahren ein besonders pikantes Internetvideo auf: Zu sehen war, wie Schüler ihrem Lehrer vor laufender Kamera die Hose herunterzogen.

Wie viele Lehrer in Deutschland schon einmal Opfer von Cyber-Mobbing wurden, ist nicht bekannt. In einer Online-Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom gaben sieben Prozent der Lehrer an, dass sie schon einmal ein Video von sich im Internet entdeckt haben. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da viele Lehrer nichts von den Diffamierungen im Internet wissen oder aus Scham nicht darüber reden möchten.

Auch in einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft berichteten Pädagogen von Mobbing im Internet. Besonders beliebt seien unter Schülern peinliche Handyaufnahmen von Lehrern, die anschließend ins Netz gestellt werden. Zudem würden in Internetforen Gewalttaten bis hin zu Morden angekündigt oder Lehrer erhielten beleidigende E-Mails.

Unter diesen Vorfällen leiden die Betroffenen oft stärker als durch offen ausgetragenes Mobbing. Besonders bestürzt sind Lehrer, die nach einem Vorfall wenig Untersützung erfahren haben. Viele hatten den Eindruck, dass weder die Schulleitung, die Schulaufsichtsbehörde, Eltern oder sogar die Polizeit angemessen reagiert hätten.

So können sich Lehrer wehren

Im digitalen Zeitalter sollten Lehrer regelmäßig ihren eigenen Namen in gängige Suchmachinen eingeben, um  kompromittierende Aufnahmen oder gehässige Kommentare über sich zu finden. Tauchen tatsächlich Postings auf, heißt es erst einmal: Ruhe bewahren und Screenshots anfertigen, um später Beweise gegen den Täter zu haben. Unterricht gilt im Sinne des Gesetzgebers nämlich als eine nicht-öffentliche Situation, da der Lehrer vor einer abgrenzbaren Gruppe spricht. Stellt ein Schüler unbefugt Aufnahmen vom Unterricht ins Internet, verletzt er folglich die Persönlichkeitsrechte des Pädagogen und macht sich damit strafbar. Beleidigende und diffamierende Äußerungen im Internet können darüber hinaus §§185ff. StGB (Beledigung, Verleumdung) erfüllen. Drohungen werden nach §223, §240 oder §241 StGB  geahndet.

Wenn bekannt ist, wer die Aufnahmen angefertigt und ins Internet gestellt hat, ist zunächst ein Gespräch unter mindestens sechs Augen zu empfehlen. Der betroffene Lehrer sollte einen Kollegen oder ein Mitglied der Schulleitung zur Hilfe ziehen und den Schüler in einem Gespräch dazu auffordern, die Aufnahmen aus dem Internet zu entfernen. Weigert sich der Schüler, kann der Lehrer mit einer Anzeige drohen.

Hinweis
Wenn ein Lehrer einen Schüler „auf frischer Tat“ beim Filmen oder Fotografieren im Unterricht erwischt, darf er das Handy nicht ohne die Einwilligung des Schülers durchsuchen. Allerdings darf er das Handy einsammeln, bis die Polizei eingetroffen ist.

Ob Facebook oder YouTube – Lehrer haben ein Recht darauf, dass die Betreiber einer Plattform beleidigende Inhalte löschen.

Welche Konsequenzen einem uneinsichtigen Jugendlichen drohen, zeigt ein Fall aus Nordrhein-Westfalen. Dort hatte eine Schülerin ein Foto von ihrem Lehrer mit dem Kommentar „Behinderter Lehrer ever“ (sic!) im Netzwerk Facebook geteilt. Für diese Beleidigung verurteilte sie ein Amtsgericht nun zu 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit – und kam mit dem Urteil noch vergleichsweise glimpflich davon. Andere Schüler hatten für ähnliche Taten einen Schulverweis kassiert.

Was aber tun, wenn im Internet Aufnahmen oder beleidigende Postings unbekannter Autoren kursieren? Dann können sich Pädagogen ebenfalls wehren, indem sie vom Betreiber der Internetseite das Löschen der Posts oder des Videos verlangen und gegebenenfalls mit Anzeige drohen. Unter bestimmten Umständen können Betroffene sogar Schadenersatzansprüche geltend machen.

Prävention: Cyber-Mobbing an Schulen verhindern

Trotz prominenter Cyber-Mobbing-Fälle sollten Lehrer nicht vergessen, dass die meisten Schüler Respekt vor ihren Lehrern haben und diese nicht im Internet diffamieren würden. Auch auf dem Hamburger Bewertungsportal finden sich viele nette Kommentare zum Unterricht von Lehrkräften. Um künftig zu verhindern, dass Schüler ihrem Ärger auf Facebook, YouTube und Co. Luft machen, sollten Schulen ein Klima des respektvollen Miteinanders schaffen. Es kann schon helfen, die Schüler regelmäßig um Feedback zum eigenen Unterricht zu bitten, damit sie nicht auf Bewertungsportale im Internet ausweichen. Empfehlenswert ist es auch, das Thema Cyber-Mobbing im Unterricht zu behandeln. Oftmals sind sich Jugendliche gar nicht bewusst, dass sie sich bereits mit einem gehässigen Kommentar auf Facebook strafbar machen.

Tipp
Unterrichtsmaterialien zum Thema Cyber-Mobbing gibt es zum Beispiel bei der Stiftung Jugend und Bildung.

Fotos: Pixabay, Elizabeth 21/ Wikimedia Commons

Quellen und weiterführende Links

Herolé-Blog: Übersicht: Digitale Medien in der Schule

Herolé-Blog: Kontrovers: Smartphones auf Klassenfahrt

Hamburger Abendblatt: Neues Portal im Netz: Hetze gegen Hamburgs Lehrer

GEW: Internetmobbing

Süddeutsche Zeitung: Wenn Lehrer sich bei Youtube wiederfinden

Heise: Cybermobbing: Bericht beklagt Gewaltzunahme gegen Lehrer

Monique Schmieder

Ihre Reiseexpertin für Großbritannien, Irland, Tschechien, Polen und Deutschland.

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