Zur Audienz nach Rom

Zur Audienz nach Rom

Dienstag/Mittwoch – 9. und 10. September 2014

„Ist die das nicht?“ hörte ich plötzlich von der Terrasse eines Bungalows. Es ist Dienstag Abend, halb 10 und ich war die letzten 20 Minuten mit der Taschenlampe meines Handys und einem im Dunkeln nicht wirklich gut lesbaren, gezeichneten Plan über einen Campingplatz, der gefühlt so groß war wie mein Berliner Kiez geirrt, auf der Suche nach meiner nächsten Klasse. „Jaaa, das ist die! Ich erkenn die Mütze! Hey, bist du die Reisebloggerin?“ Ich blieb stehen und drehte mich auf dem Absatz um. Genau die bin ich! Eine Reisebloggerin, die sich fünf Minuten später in einem Stuhlkreis des Englisch Leistungskurses aus Hamm/Sieg wiederfand und mit Fragen gelöchert wurde. Zum ersten Mal wussten die Schüler schon im Vorhinein über mich bescheid, hatten sich bereits Christophs und meine Berichte aus der letzten Woche angesehen und wollten wissen, wie das so ist als Reisebloggerin zu arbeiten, wie ich mein Geld verdiene, wo ich zuletzt war, wo ich als nächstes hinfahre und was das schönste Reiseziel für mich war. Ich wollte aber viel lieber wissen wo es am nächsten Tag hingehen sollte und so ganz schien das noch nicht entschieden. Die einen wollten lieber an de Strand, die anderen noch einmal nach Rom, schließlich gab es immer Mittwochs auf dem Petersplatz eine Ansprache des obersten Kirchenoberhauptes. Und so wurden sich die 15 Schüler, 2 Lehrer und ich (denn ich war inzwischen irgendwie schon voll in die Gruppe integriert) schnell einig: 9 Uhr Abfahrt in Richtung Vatikanstaat.

#klassenfahrtdiary Rom2Mit dem öffentlichen Bus erreicht man vom Fabulous Campingplatz aus in etwa 20min die nächste Ubahnstation, die einen direkt ins Stadtinnere führt. Ehe ich mich versah, war ich voll und ganz wieder Schülerin: Da ich noch nie in Rom war und wir es eilig hatten, dackelte ich genau wie meine neuen Klassenkameraden im Schweinsgalopp hinter dem Ortskundigen Lehrer Herr Wertebach her, der in alter Touristenführermanier hin und wieder seine Wasserflasche in den Himmel streckte damit wir ihn im wilden Gemenge der Stadt nicht verlieren.

herole-rom-1Endlich auf dem Petersplatz angekommen mussten wir schnell feststellen, dass wir die Ansprache des Papstes wohl knapp verpasst hatten und sahen nur noch einen Moment dabei zu, wie er ein paar Brautpaaren eifrig die Hände schüttelte. Aber immerhin: Wir konnten stolz behaupten den Papst live und in Farbe gesehen zu haben und das vor seiner Haustür. Doch das sollte zumindest für mich nicht der einzige Faux-Pas des Tages bleiben. Ich sage nur eins: Kurze Mittagspause, herumirren mit den Schülern im Vatikanstaat nach Nahrung, Warteschlangen bei Fastfoodketten und Schwupps waren wir zu spät und mussten uns ganz hinten anstellen, während der Rest des Leistungskurses schon auf dem Weg auf die Kuppel des imposanten Gebäudes war. Komischerweise fühlte ich mich auch jetzt wieder ganz wie eine Schülerin, die wusste dass sie Mist gebaut hat. Zu meinem Glück hatte Nils meine zweite Kamera mit nach oben genommen und mir zusammen mit den anderen eine kleine Videobotschaft aufgenommen. So konnte ich wenigstens Zuhause am Computer ein bisschen die Aussicht genießen.

#klassenfahrtdiary RomAm Nachmittag machten wir uns auf zum Wahrzeichen von Rom: Dem Colosseum, wo uns Herr Wertebach auf sympatische Art und Weise die Geschichte des 80 nach Christus erbauten Amphitheaters näher brachte. Der anschließende Spaziergang durch das Forum Romanum fand nur noch relativ schleppend statt, denn Rom hatte uns alle geschafft und unsere Füße trugen uns nur noch schwer auf den letzten Metern in Richtung Bus. Und so war es irgendwie auch gar nicht so schlimm, dass durch ein aufziehendes Gewitter der Abschlussabend sprichwörtlich ins Wasser fiel und wir uns alle fix und fertig in unsere Camping-Bungalows zurückzogen.

Nina Hüpen-Bestendonk

Reisebloggerin & Grafikdesignerin

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