Mit nasser Hose durch Tschechien

Mit nasser Hose durch Tschechien

Dienstag/Mittwoch, 9. bis 10. September 2014

Als Reiseblogger könnte man mir ja unterstellen, Reiseprofi zu sein. Völlig zu unrecht, wie sich bei meiner Ankunft in Prag herausstellt. Dank des Internet Day Pack meines Smartphone-Tarifes habe ich jeden Tag 10 Megabyte frei, die ich im europäischen Ausland nutzen kann. Also gebe ich bei Google Maps meinen momentanen Standpunkt (Bahnhof Prag-Holesovice) und mein Laufziel (Hotel Expo) ein, um mich durch Prags Straßen navigieren zu können.

Prag 2Die App zeigt mir Punkt A und Punkt B an. Ich laufe los. Um Datenvolumen zu sparen, verzichte ich allerdings grundsätzlich darauf, das Navigationssystem von Google Maps tatsächlich zu starten und mich von der weiblichen Stimme leiten zu lassen. Was für ein Leichtsinn! Nach etwa 30 Minuten und der stillen Frage, wann ich denn wohl endlich mal ankommen würde, bemerke ich es: Ich habe Punkt A für Punkt B gehalten und bin eine halbe Stunde in die falsche Richtung gelaufen… ein absoluter Vollprofi eben.

Die 12. Klasse der Gyula-Trebitsch-Schule aus Tonndorf bekommt von diesem Missgeschick zum Glück nichts mit. Die Schülerinnen und Schüler befinden sich gerade auf einem Stadtrundgang durch Prag mit anschließender Freizeit zum Bummeln und Shoppen. Wir sind erst um 19 Uhr zum Abendessen im Hotel verabredet.

Inzwischen habe ich ein ganz gutes Gespür für die Dynamik innerhalb einer Schülergruppe entwickelt. Auf den bisherigen Fahrten während des #klassenfahrtdiary habe ich recht schnell die wichtigsten Eckpfeiler erkannt: Wo sitzen die coolen Jungs, wer sind die netten Mädchen, wo sind die Kids, die lieber unter sich bleiben? Doch diese Kategorisierung funktioniert bei den Schülern aus Tonndorf nicht.#klassenfahrtdiary Prag

Sie sind alle gleich präsent, aufmerksam, neugierig – und das nicht ohne Grund. Wie sich herausstellt, bildet die Gruppe das Medienprofil ihrer Schule. Die Schüler haben also eine Affinität zum Thema Medien und finden es, glaube ich, einigermaßen spannend, dass sie nun für zwei Tage von einem Blogger mit Videokamera begleitet werden.

Das zeigt sich gleich am nächsten Morgen, als wir uns gemeinsam auf den Weg in den Nordosten Tschechiens zum Rafting machen. „Wer hat denn Lust, sich und die Klasse mal vor der Kamera vorzustellen?“, frage ich im Bus in die Runde. Daraufhin verstecken sich zwar einige hinter ihren Sitzen und schließen die Augen (die letzte Nacht, ich verstehe schon…), aber im selben Moment schnappt sich Alex meine Kamera, nimmt sie mit zu seinen Kumpels Gideon und Felix und startet mit ihnen eine kleine, spontane Videoreportage während der Fahrt.

Trockeneinweisung RaftingIm Isergebirge angekommen, gibt es von den beiden Rafting-Guides Milan und Alex zunächst eine trockene Einführung ins Thema, bevor wir die Schlauchboote in Vierer- und Fünferteams zu einer nahegelegenen Böschung tragen und von dort in Nullkommanix ins kühle Nass brettern. Die Nase der Boote taucht für einen Moment unter die Wasseroberfläche und sorgt für die ersten hellen Mädchenschreie – und die ersten pitschnassen Hosen.

RaftingDie nächsten zwei Stunden sind allerdings viel mehr gemütliches Paddeln als aufregendes Wildwasserrafting. Abgesehen von ein paar Strudeln und einem kurzen Adrenalinkick beim Überwinden eines Wasserfalls verläuft der Fluss ruhig und eben durch eine schöne Landschaft. Aber: Wer Action will, macht sie sich eben selbst. So beschließen die Schüler nach einer Weile, dem Ganzen den besonderen Kick zu verpassen. Erst spritzen sie sich – noch etwas vorsichtig – mit ihren Paddeln nass, dann liegt der erste Schüler rücklings im kniehohen Wasser, bis es schließlich zu einer Wasserschlacht kommt, die sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen hat.

Die Folgen zeigen sich auf der Rückfahrt im Bus: Als ich aus meiner vorderen Reihe nach hinten schaue, blicke ich in zahlreiche geschlossene Augen und geöffnete Münder. Fast alle sind eingeschlafen. Das nennt man dann wohl die Ruhe nach dem Sturm.

 

Christoph Karrasch

Reiseblogger und Abenteurer.

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