Wander- und Pilgerfahrten

Wander- und Pilgerfahrten

„Wer richtig reisen will, soll zu Fuß gehen,“ sagte einst der Philosoph Rousseau und hat damit bis heute recht behalten. Auch auf Klassenfahrt ist und bleibt das „zu Fuß Gehen“ ein beliebter Programmpunkt, denn beim Wandern lernt die Klasse die neue Umgebung am besten kennen. Immer mehr kristallisiert sich unter Schulklassen jedoch der Trend heraus, auf Klassenfahrt sogar über mehrere Tage gemeinsam zu laufen, unterwegs im Zelt, in Herbergen oder Hütten zu übernachten und am Ende gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Wir stellen die Idee der Wander- oder Pilgerfahrt für Klassenfahrten vor und geben wertvolle Tipps zur Planung und Durchführung.

Wanderfahrten

Wanderfahrten

Der Ausblick am Ende einer langen Wanderung belohnt für jede Anstrengung!

Was macht eine Wanderfahrt so besonders? Beim Wandern gilt das Credo „Der Weg ist das Ziel“. Es geht also nicht darum, schnell anzukommen, sondern eine Wanderung ist deshalb so bereichernd, weil sie Raum für unerwartete Entdeckungen lässt. Wanderfahrten über mehrere Tage können eine tolle Gruppenerfahrung sein. Das Erfolgserlebnis, gemeinsam ein Ziel erreicht und Berge erklommen zu haben, schweißt die Schüler oft auch über die Klassenfahrt hinaus zusammen.

Vom sportlichen Aspekt her fördert Wandern an der frischen Luft die Ausdauer und stärkt den Kreislauf. Bei intakter Gesundheit erfordert Laufen keine Einstiegskompetenzen und ist als Bewegungsart relativ risikoarm. Außerdem kostet Laufen keinen Cent. Es spricht also kaum etwas gegen das Wandern auf Klassenfahrt!

Durch die Bewegung in der Natur kann der Fokus bei Wanderfahrten gut auf die Förderung des Umweltbewusstseins gelegt werden, so sind sie beispielsweise für Biologie- oder Sportleistungskurse besonders interessant.

Beispiele für Wanderziele

Felsenlabyrinth Sächsische Schweiz

Felsenlabyrinth in der Sächsischen Schweiz

Das Gute am Wandern ist: Man kann es fast überall tun! Doch gerade, wer eine mehrtägige Wanderfahrt mit einer Schulklasse plant, sollte darauf achten, dass es unterwegs ausreichend Campingplätze, Hütten oder Herbergen gibt, die größere Gruppen aufnehmen.

Ein Dauerbrenner fürs Wandern ist die Sächsische Schweiz: Das Elbsandsteingebirge ist bekannt für seine bizarren Felsformationen und beeindruckenden Schluchten, aber auch für die gute Infrastruktur. Zusätzlich kann hier z.B. ein Tag zum Klettern oder für eine Kanutour auf der Elbe in das Programm integriert werden. Auch kulturelle Ausflüge in die historische Altstadt von Pirna, zu Schloss Weesenstein oder zur Festung Königstein bringen Abwechslung in die Wanderstrecke. Ganz ohne Passkontrolle können die Schüler sogar bis über die tschechische Grenze wandern!

Im Cilento Nationalpark in Kampanien (Süditalien) ist besonders der berühmte Vulkanberg Vesuv eine Besteigung wert. Wenn die Schüler oben angekommen in den weiten Krater blicken, werden die Anstrengungen des Aufstiegs schnell vergessen sein, denn dieser Eindruck bleibt ihnen garantiert noch lange im Gedächtnis.

Eher den sportlichen Aspekt  stellen Gebirgswanderungen in den Vordergrund. Nach dem Anstieg führt die Tour dann von Hütte zu Hütte, wo nicht nur gerastet, sondern auch übernachtet werden kann. Eine Fülle an Hütten und spannenden Routen bietet z.B. das Allgäu. Doch Vorsicht: Bergtouren sind eher etwas für trainierte Schüler und sollten nicht ohne Bergführer unternommen werden!

Was braucht man zum Wandern?

Damit sich niemand Blasen läuft, gehört zu langen Wanderungen vor allem eins: Stabiles Schuhwerk. Das sind knöchelumschließende, möglichst schon getragene Schuhe mit Profilsohle. Turnschuhe sind inakzeptabel!

Wichtig sind außerdem ein Regenschutz, eine lange Hose, ein Kopfschutz und ein Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor. Auch eine Taschenlampe sollte, gerade im Gebirge, nicht fehlen. Als Lehrer sollten Sie Ihre Wanderkarte natürlich nicht vergessen!

Da die Schüler ihr ganzes Gepäck über einen längeren Zeitraum selbst tragen müssen, ist ein guter Wanderrucksack das A und O einer gelungenen Wanderfahrt. Dieser sollte am Rücken größenverstellbar sein und über einen Bauchgurt verfügen, damit sich das Gewicht gut über den gesamten Körper verteilt.

Achtung
Die Schüler sollten nur so viel Gepäck mitnehmen, wie sie auch tragen können. Teilen Sie eine Packliste aus! Das gibt der Klasse mehr Sicherheit!

Pilgerfahrten

Im Gegensatz zur Wanderfahrt haben Pilgerfahrten einen religiösen Ursprung. Seit der Antike pilgerten Menschen als Ablass für eine auferlegte Buße, wegen eines Gelübtes oder um Gott zu danken zu einem heiligen Ort. Je nach Religionsgemeinschaft konnte das Rom, Jerusalem oder Mekka sein, aber auch eine Wallfahrtskirche oder ein besonderer Ort in der Natur. Auch heute noch ist das Wandern auf traditionellen Pilgerpfaden für viele Menschen eine schöne, nicht immer nur religiös motivierte Erfahrung. Pilgerwanderungen im Rahmen von Klassenfahrten sind besonders für Religions- oder Geschichtsleistungskurse eine schöne Idee.

Beispiele für Pilgerziele

Pilgerfahrt

Das Pilgern auf historischen Wanderrouten kann ein spannendes Erlebnis sein – auch ohne religiösen Hintergrund.

Der bekannteste Pilgerweg der Welt ist der Jakobsweg, auf dem Pilger seit über 1000 Jahre zum Grab des Apostels Jakobus in die Stadt Santiago de Compostela in Nordspanien wandern. Der Hauptweg, der sogenannte „Camino Francés„, beginnt eigentlich in Puente la Reina, viele Pilger starten aber auch erst in St. Jean Pied de Port. Ein anderer Weg beginnt am Col de Somport und führt weiter entlang des Camino Frances durch Pamplona, Estella, Burgos und León bis nach Santiago de Compostela.

Genau genommen gibt es in Europa jedoch viele weitere Jakobswege, die zum Teil direkt vor der Haustüre beginnen. Der Fränkische Jakobsweg kommt aus Prag und führt über die Oberpfalz durch Franken über Nürnberg nach Rothenburg ob der Tauber. Der Ausoniusweg startet in Trier und geht weiter nach Bingen am Rhein zur Rheintalstraße und dann nach Mainz. Die drei Elisabethpfade sind markierte Pilgerwege, die aus Frankfurt am Main, Eisenach oder Köln jeweils am Grab der heiligen Elisabeth in der Elisabethkirche in Marburg enden.

Häufig wird unter einer Pilgerfahrt aber auch eine Reise nach Rom verstanden, wo in der Regel der Petersdom und der Vatikan als katholisches Glaubenszentrum besucht wird.

Was braucht man zum Pilgern?

Für Pilgerwanderungen ist die Klasse genauso gut ausgestattet, wie zu einer langen Wanderung: Auch hier sollten feste Schuhe, Regenschutz und ein guter Rucksack nicht fehlen. Da Pilgerungen auf eine lange Tradition zurückgehen, gibt es jedoch ein paar zusätzliche Utensilien, die das Gefühl, auf einer echten Pilgerung zu sein, bei den Schülern noch unterstützen können: Statt eines Sonnenhuts tragen echte Pilger Pilgerhüte: Das sind breitkrempige Hüte aus wasserabweisendem Filz, die gegen Sonne und Regen schützen. Ein Pilgerstab ist ein Wanderstock, der bis zur Brust reicht und oft am Bodenende eine Eisenspitze und am oberen Ende eine Verdickung hat.

Ganz besonders wichtig ist beim Pilgern jedoch der Pilgerausweis. Das ist ein Dokument, in dem Name, Ziel und manchmal die Fortbewegungsart eines Pilgers aufgeführt sind. Auf dem Jakobsweg in Nordspanien wird anhand des Pilgerausweises (spanisch „Credencial“) geprüft, ob die geforderte Strecke ordnungsgemäß zurückgelegt wurde und am Ende die Pilgerurkunde ausgestellt werden darf. Gleichzeitig ist der Pilgerausweis auch ein Herbergsausweis, der dazu berechtigt, in den Pilgerherbergen auf dem Weg zu übernachten. Solche Pilgerausweise bekommt man in der Regel in den Herbergen unterwegs.

Tipp
Bei historischen Wallfahrten legten die Pilger oft Reiseberichte an, in denen sie ihre Reiseroute, besuchte Kirchen und heilige Stätten ausführlich beschrieben. Lassen Sie die Schüler auch solche Pilgerberichte anlegen! Das sorgt nicht nur für ein echtes Pilgergefühl, sondern ist außerdem noch eine schöne Erinnerung.

Tipps zur Planung

Das Wichtigste bei der Planung einer Wander- und Pilgerfahrt ist die Auswahl der Route. Um die Schüler nicht zu überfordern, sollten Tagesstrecken mit Bedacht gewählt sein. Dabei spielen die klimatischen Verhältnisse am Reiseziel (Nässe, Sonneneinstrahlung) und das Alter der Schüler natürlich eine große Rolle. Für ältere Jugendliche und Erwachsene gilt bei einer ebenen Strecke folgende Faustregel:

Faustregel
Für vier Kilometer benötigt man etwa eine Stunde Wanderzeit; 300 Höhenmeter Anstieg entsprechen einer Stunde Wanderzeit, die zusätzlich addiert werden muss.

Zur Auswahl des Weges sollte aktuelles, detailgetreues Kartenmaterial herangezogen werden. Nur die eingezeichneten Wege kommen in Frage! Auch die Steilheit lässt sich aus einer guten Karte ablesen. Im günstigsten Fall ist der Lehrer die Wanderstrecke im Vorfeld sogar schon einmal abgegangen und hat dabei Rastplätze, Aussichts- und Verweilpunkte und mögliche Gefahrenstellen ausgemacht. Auch die Schlafmöglichkeiten gilt es, vorab zu recherchieren. Gibt es unterwegs Hütten, die auch größere Gruppen beherbergen können, oder finden sich in ausreichenden Abständen Campingplätze, falls gezeltet werden soll?

Gerade bei mehrtägigen Wanderungen ist es wichtig, sich Unterstützung durch eine erfahrene Begleitperson zu holen, die von den Schülern respektiert wird und bereits bei den Vorbereitungstreffen dabei ist. Das ermöglicht auch, dass sich die Gruppe im Notfall aufsplitten kann. Auf eine Gebirgswanderung sollte sogar ein ausgebildeter Bergführer mitkommen, der die Gruppe im Zweifelsfall sicher „über den Berg“ bringt.

Neben der Schulleitung sind auch die Eltern beim Elternabend über die Wander- und Pilgerfahrt und ihre spezifischen Anforderungen gründlich zu informieren. Wenn auf Klassenfahrt Handyverbot gilt, sollten die Eltern dann eine oder zwei Notfallhandynummern an die Hand bekommen, unter der die Lehrkraft erreichbar ist.

Tipps zur Durchführung

Wandern Klassenfahrt

Oben angekommen – ein großes Erfolgserlebnis für die Gipfelstürmer!

Auch unterwegs gilt es, einige Dinge zu beachten. Die Tagesetappen sollten genug Puffer für Pausen und Zeitreserven enthalten. Es zahlt sich außerdem aus, immer eine Ersatzroute im Hinterkopf zu haben, falls einmal etwas nicht nach Plan verlaufen sollte.

Besonders bei schwierigen Strecken sollte die Klasse ihre Schlafstätte noch vor Einbruch der Dunkelheit erreicht haben. Das verringert nicht nur die Verletzungsgefahr, sondern so bleibt auch noch genügend Zeit, die Zelte im Hellen aufzubauen oder die Herberge zu finden.

Die Schüler sollten Ausgangs- und Endpunkt jeder Tagesetappe kennen, falls sie sich verlaufen oder es zu Missverständnissen kommt. Zählen Sie unterwegs immer wieder durch, damit niemand verloren geht!

Gerade bei Wanderungen im Gebirge ist es wichtig, mit den Schülern im Vorfeld akustische und optische Signale (z.B. bei Gefahr oder zum Sammeln) zu vereinbaren und die Reaktionen darauf einzuüben. Im Gebirge sollten die Schüler das alpine Notsignal kennen.

Das alpine Notsignal
Innerhalb einer Minute sechsmal in regelmäßigen Abständen ein optisches oder akustisches Zeichen geben, anschließend eine Minute Pause. Das Zeichen so lange geben, bis die Hilfe eintrifft. Zusätzlich Markierungen auslegen, z.B. Rucksäcke, große Steine. Wer ein alpines Notsignal wahrnimmt, gibt das Antwortzeichen (innerhalb einer Minute drei Zeichen, dann eine Minute Pause) und ist dann verpflichtet, Hilfe zu holen.

Wenn alle Beteiligten gut vorbereitet sind und Absprachen eingehalten werden, wird die Wander- oder Pilgerfahrt garantiert zum tollen Erlebnis, das allen noch lange im Gedächtnis bleibt!

Weiterführende Links

Stefan Weber: „Ganz ohne Geld auf Abschlussfahrt„, Mittelbayerische, 24.10.2015 (http://bit.ly/1PS93yW)

http://lehrer-lounge.com/checkliste-wanderung-mit-schulern-im-gebirge/

http://www.jakobsweg.de/


 

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Laura Schulze

Ihre Reiseexpertin für Portugal und Spanien.

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