Privatschulen – Innovativer Unterricht oder Elitenschmiede?

Seit dem sogenannten Pisa-Schock im Jahr 2001 sind Privatschulen in Deutschland immer beliebter geworden. Neben konfessionellen sowie internationalen Schulen sind insbesondere Bildungseinrichtungen mit einem speziellen pädagogischen Konzept wie Montessori- und Waldorfschulen populär. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Privatschulen.

Privatschulen – Innovativer Unterricht oder Elitenschmiede?

Seit dem sogenannten Pisa-Schock im Jahr 2001 sind Privatschulen in Deutschland immer beliebter geworden. Neben konfessionellen sowie internationalen Schulen sind insbesondere Bildungseinrichtungen mit einem speziellen pädagogischen Konzept wie Montessori- und Waldorfschulen populär. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Privatschulen.
Privatschulen – Innovativer Unterricht oder Elitenschmiede?
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Wie viele Privatschulen gibt es?

Streng genommen handelt es sich bei Privatschulen um Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft. Zur Zeit gibt es in Deutschland rund 3600 allgemeinbildende Privatschulen. Rund 2000 dieser Schulen sind konfessionell geprägt und werden von der katholischen oder evangelischen Kirche betrieben. Es folgen Schulen mit einem ganzheitlichen Lernkonzept, darunter 250 Waldorfschulen und 400 Montessorischulen. Auch die 170 internationalen Schulen sind zu weiten Teilen privat. Sie bieten oftmals den international anerkannten Abschluss „International Baccalaureate“ an.

Mit der Zahl der Privatschulen ist naturgemäß auch die Zahl der Privatschüler gestiegen. Das gilt insbesondere für die neuen Bundesländer. Dort besuchen inzwischen 9,9 Prozent der Schüler eine Schule in freier Trägerschaft. 1992 waren es lediglich 0,9 Prozent. Zum Vergleich: In den sogenannten alten Bundesländern ist der Anteil der Privatschüler in den vergangenen 25 Jahren von 6,1 Prozent auf 8,8 Prozent gestiegen. Das starke Wachstum ist laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nicht nur mit einem sogenannten „Nachholbedarf“ zu erklären, sondern ergibt sich auch aus dem politisch verordneten „Rückzug der öffentlichen Schulen“ vom Land. Da insbesondere Grundschulen in kleinen Orten von der Schließung bedroht sind, entstehen dort nicht selten private Schulen, die von den Kommunen gefördert werden.

Wie setzt sich die Schülerschaft von Privatschulen zusammen?

Ob Kinder eine Privatschule besuchen, hängt laut der GEW noch immer von ihrem sozialen Hintergrund ab. So stammen Privatschüler im Durchschnitt eher aus gebildeten und wohlhabenden Elternhäusern. In den neuen Bundesländern besuchen beispielsweise 23 Prozent aller Akademikerkinder eine Privatschule, aber nur vier Prozent der Kinder aus Arbeiterhaushalten. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund besuchen ebenfalls seltener Privatschulen, da für den Besuch nicht selten hohe Schulgelder fällig werden: Für einige Internationale Schulen zahlen Eltern über 1000 Euro im Monat. Internate sind häufig noch deutlich kostspieliger.

Dem ist jedoch hinzuzufügen, dass die meisten Privatschulen in Deutschland trotz ihres elitären Rufs staatliche Förderungen erhalten. Der Elternbeitrag liegt dann häufig zwischen 50 und 200 Euro monatlich.

Wie sieht das Aufnahmeverfahren an Privatschulen aus?

Der Andrang an Privatschulen ist oftmals so hoch, dass nicht alle Schüler einen Platz an ihrer Wunschschule erhalten. Doch auch andere Gründe können zu einer Ablehnung führen. So verweigerte eine Berliner Waldorfschule einem Kind einen Schulplatz, weil sein Vater aktives AfD-Mitglied ist. Jedoch betonte die Schule auch, dass sich auf die 30 verfügbaren Plätze rund 140 Familien gemeldet hätten.

Grundsätzlich gelten für die Aufnahme an Privatschulen ähnliche Bedingungen wie an staatlichen Schulen: Geschwister- und Nachbarschaftskinder werden generell bevorzugt, außerdem streben die Schulen eine ausgeglichene Anzahl von Mädchen und Jungen an. Darüber hinaus haben die Schulen jedoch auch die Möglichkeit, weitere Aufnahmekriterien zu definieren. So bevorzugen beispielsweise konfessionelle Schulen Kinder, die getauft wurden. Internationale Schulen geben meist Muttersprachlern Vorrang, während Schulen mit einem speziellen pädagogischen Konzept Kinder wählen, die bereits eine entsprechende Kindertagesstätte besucht haben.

Gibt es Qualitätsunterschiede zwischen privaten und öffentlichen Schulen?

Ein häufiges Vorurteil lautet, dass Schüler von Privatschulen bessere Leistungen erzielen als Gleichaltrige, die öffentliche Einrichtungen besuchen. Diese These hat das Netzwerk Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung in seiner Studie „Privatschulen in Deutschland“ untersucht. Das Ergebnis: Privatschüler erzielen keine wesentlich besseren Leistungen – wenn man ihre soziale Herkunft und den Bildungshintergrund der Eltern im Vergleich zu Schülern an öffentlichen Schulen berücksichtigt. Da Privatschüler im Durchschnitt aus wohlhabenden Familien mit hohen Bildungsstandards stammen, erklären sich ihre besseren Leistungen oftmals durch die bessere Förderung, die sie zuhause erhalten. Laut der Studie schneiden Privatschüler lediglich in den Kompetenzbereichen Zuhören (Deutsch) und Hörverstehen (Englisch) besser ab, während sie im Leseverstehen (Englisch) sogar etwas schwächer als ihre Altersgenossen an öffentlichen Einrichtungen sind.

Problematisch an der Studie, für die Testergebnisse von bundesweit 2.721 Schulen ausgewertet wurden, ist allerdings, dass nur Daten weniger Schulen in privater Trägerschaft zur Verfügung standen. Das liegt unter anderem daran, dass nur wenige Waldorfschulen an den bundesweiten IQB-Leistungstests teilnehmen.

Welche Vorteile bieten Privatschulen als Arbeitgeber?

Lehrer, die ihren Unterricht nach speziellen pädagogischen Konzepten gestalten möchten, sind an Privatschulen häufig richtig. Dort können sie nicht nur innovative Lernmethoden anwenden, sondern treffen auch auf gleichgesinnte Kollegen und Eltern. Letztere haben die Schule für ihr Kind gerade wegen der pädagogischen Ausrichtung gewählt und arbeiten daher häufig engagiert mit den Lehrern zusammen.

Ein weiterer Vorteil sind oft die kurzen Entscheidungswege an einer Privatschule, die ein eigenständiges Unternehmen darstellt und sich nicht in eine komplizierte Behördenstruktur eingliedern muss. Viele Entscheidungen können daher schneller umgesetzt werden, so dass Schüler und Lehrer schneller und unkomplizierter auf Herausforderungen reagieren können.

Beim Einstellungsverfahren haben angehende Lehrer zudem den Vorteil, dass sie sich nicht an landesweite Fristen und Termine halten müssen, sondern sich jederzeit auf offene Stellen bewerben können. Im Unterschied zu vielen Lehrern an öffentlichen Schulen profitieren sie zwar nicht von einer Verbeamtung, sondern gehen mit dem Schulträger ein Vertragsverhältnis ein, das vergleichbar mit den Arbeitssituationen in der freien Wirtschaft ist. Entscheidend für die Bezahlung sind oftmals Engagement und Leistung.

Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren an Privatschulen?

Lehrer können sich jederzeit auf freie Stellen an Privatschulen bewerben. Dafür reichen sie meist per E-Mail die üblichen Dokumente ein (Anschreiben, Lebenslauf, Universitätszeugnis sowie ggf. Arbeitszeugnisse). Bundesweite Stellenangebote für Lehrer und Erzieher sind auf der Plattform www.lehrer.biz zu finden. Auch die Verbände deutscher Privatschulen (VDP) der einzelnen Bundesländern sind gute Informationsquellen für offene Stellen:

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