E-Mails aus Shoreham – Klassenfahrt nach Südengland

E-Mails aus Shoreham – Klassenfahrt nach Südengland

Mit Herolé-Reisen unterwegs in Südengland – als mitreisender Elternteil ohne Lehrerbegleitung – auf dieses Abenteuer hat sich die Mutter einer Englisch-begeisterten Berliner Schülerin eingelassen. Ihre Berichte an die Eltern lesen Sie hier:

Erste E-Mail aus Shoreham bei Brighton – am Abend des zweiten Tages

„Liebe Eltern-Gemeinde,

unsere Abenteuer sollen Euch nicht vorenthalten bleiben – aber zuerst das wichtigste: Allen geht es gut, alle sind satt, zufrieden und unternehmungslustig und einige sogar ausgeschlafen!

Mit einem vergleichsweise kleinen Abenteuer ging es schon auf dem Flughafen in Schönefeld los, wo einer aus der Truppe nach der Gepäckkontrolle bekannt gab, er habe seine Bordkarte verloren.

Nach einiger Zeit gemeinsamer erfolgloser Suche und während die Spannung stieg, erklang dann aber der Ruf „Ich hab sie!“  Und das wichtige Papier hatte, wie so oft in solchen Fällen, fein gefaltet in einer der Taschen gesteckt!

Der Flug war angenehm und problemlos. Nach der Landung hoffte ich insgeheim auf Abholung am Busparkplatz des Flughafens. Die gut gelaunte Truppe hoffte völlig arglos dasselbe. Es passierte – nichts. Nach einer angemessenen Weile vergeblichen Hoffens habe ich die angegebene Nummer der Verbindungsleute von English homestays in unserem Zielort Shoreham angerufen, wo mir mitgeteilt wurde, auf der Ring-Autobahn sei ein Riesenstau wegen eines Unfalls und der Fahrer würde sich wohl verspäten.

Ich könnte ihn aber ja auf seinem Handy versuchen zu erreichen um zu erfahren, wie lange wir uns noch gedulden müssten. Am Handy war  –  die Mailbox. Der habe ich erklärt, wo genau wir warten würden. Inzwischen hatte die nach wie vor gut gelaunte Gruppe alle Bänke am Busparkplatz okkupiert und war damit beschäftigt, die von zu Hause mitgebrachten Köstlichkeiten zu verspeisen, so dass von dieser Seite keine Gefahr drohte. Von der anderen Seite näherte sich unterdessen ein freundlicher Mann, der sich als Chris vorstellte und erklärte, seine Mailbox gerade abgehört und uns so gefunden zu haben. Von da an ging zumindest an diesem Tag alles ohne Zwischenfälle weiter. Unser erster Halt war nach bereits 500 Metern ein nahe gelegener Laden, denn die Getränke waren alle und Nachschub musste her. Mit unserem roten Minibus waren wir dann zwei Stunden bis zum Schloss der Royals unterwegs, die Straßen waren voll, aber alle hatten Spaß. Vor allem Yannick, der vorn neben dem Fahrer Chris saß und begeistert war zu erfahren, dass der im Zweitjob Fußballschiedsrichter der Fifa ist und tolle Spiele gepfiffen hat. Die Einzelheiten über seine Erkenntnisse hat Yannick den hinteren Reihen im Bus jeweils umgehend weiter geleitet. Außerdem hatte Chris auch zielsicher den genau richtigen Musiksender im Radio eingestellt, was für besonders gute Stimmung sorgte.

Klassenfahrt SüdenglandIn Windsor angekommen haben wir eine ähnliche Kontrolle wie am Flughafen absolviert und uns alle mit Audio-Guides ausgerüstet. Das Wetter war majestätisch – Sonne und 22 Grad – und über dem Schloss wehte die königliche Flagge. Das bedeutete, dass wir mit der Queen im selben Gebäude unterwegs waren. Dies bestätigten uns einige Butler rund um das königliche Castle. Die Anwesenheit Ihrer königlichen Majestät bedeutete allerdings auch,  dass nur ein Teil der Räume im Schloss zugänglich war – die sonst auch für Besucher offenen Residenzräume der königlichen Familie waren gestern leider nicht zu sehen – vielleicht nächstes Mal…

Nach drei Stunden Windsor brauchten wir nochmal zwei Stunden bis nach Shoreham – und wurden dort von Chris auf einem Parkplatz abgeliefert, auf dem wir diesmal erfreulicherweise schon erwartet wurden. Kurz darauf erschienen auch die ersten Autos auf dem Parkplatz, in die die ersten Kinder mit Sack und Pack verfrachtet wurden. Abgesehen von einem recht abenteuerlich aussehenden Herrn mit langen grauen Haaren und einem ledernen Cowboyhut, der damit, dass er drei unserer Jungs mit ihren Taschen in ein kleines Auto mit zwei Türen zu sortieren seine liebe Not hatte, wirkten die Gasteltern alle absolut vertrauenserweckend. Der besagte Herr hat die Jungs zum Abendbrot mit fleischhaltiger Suppe bewirtet und ihnen auch für den folgenden Tag ausreichend Proviant mitgegeben. Jedoch wussten die Jungs seinen Namen nicht  – das Kommunikationsverhalten scheint noch einiger Förderung zu bedürfen… Männer unter sich! Nelly, Emilie und Rosa haben es nicht leicht, ihre Betten zu erreichen, weil die auf einem ausgebauten Dachboden stehen und man über eine schmale Leiter dort hinauf klettern muss – aber sie finden das cool.

Anna und Flora wohnen bei einer total fröhlichen Familie mit einem Hundewelpen, zwei Hühnern, die die Frühstückseier legen, und zwei kleinen Töchtern in einem Reihenhaus mit einem kleinen Garten und haben zum Abendbrot Lasagne mit heißer Schokolade bekommen.

Zwei weitere Mädchen berichteten über tollen Meerblick. Und auch alle anderen wirkten am ersten Morgen ausgeruht, hatten gut gefrühstückt und auch alle einige belegte Brote oder Brötchen, Süßigkeiten, einen Apfel, ein Tütchen Chips und Wasser als Lunchpaket dabei.

Kursfahrt EnglischDer Unterricht findet in einem Gebäude des Flugzentrums von Shoreham statt. Dort werden Fluglotsen aus aller Welt ausgebildet. Der Lehrer, Steve, macht das sehr gut – er animiert alle dazu, viel zu sprechen, lässt sie zu zweit oder zu dritt Aufgaben lösen, bei denen sie unbedingt alle ein paar Sätze reden müssen und besonders lustig fand ich, wie sie eine selbst ausgedachte Radio-Werbung präsentiert haben – eine Gruppe hat sogar ein Waschmittel besungen – göttlich!

Der zweite Teil des Unterrichts fand dann draußen statt – es gab eine Liste mit Fragen über Shoreham, so dass alle zusammen eine Runde durch den Ort machen und sich orientieren mussten. Dabei haben sie die Hausboot-Community kennen gelernt – eine total sympathische, aber völlig durchgeknallte Truppe von Leuten, die sich aus den erstaunlichsten Bestandteilen Wohnungen auf die alten Boote gebaut haben. U-Boot-Torpedos, Passagierbusse und vieles Erstaunliche mehr kam da zum Einsatz.

Während die braven Schüler ihren Fragebogen abarbeiteten, habe ich für morgen Bahnfahrkarten nach Portsmouth besorgt, wo wir uns den Hafen ansehen werden.

Nachmittags sind wir eine halbe Stunde mit dem Linien-Bus nach Brighton gefahren und haben einen Stadtrundgang mit Führung gemacht. Lasst Euch von Euren Kindern mal die Geschichte von der “besten Dipperin von Brighton” erzählen!

Der Eindruck nach den ersten beiden Tagen: Manche der Kinder werde ich überreden müssen, wieder mit zurück zu kommen – sie finden es prima hier!

Macht Euch also keine Sorgen, wir haben es gut und alles im Griff!

Viele Grüße aus dem Königreich!“

Zweite E-Mail aus Shoreham bei Brighton – am Abend des dritten Tages

„Liebe Eltern,

vor etwas mehr als einer Stunde sind alle vom Strandabenteuer im Dunklen zu ihren Gastfamilien zurückgekehrt. Zumindest habe ich nichts Gegenteiliges erfahren. Weil nämlich alle so angenehme, freundliche und leicht zu handhabende junge Leute sind, haben wir zusammen beschlossen, dass sie alle nach dem Abendbrot ein Treffen am Meer veranstalten dürfen – ohne Erwachsene. Ich habe die Gasteltern alle instruiert, zu welchem Treffpunkt am Strand sie ihre Schutzbefohlenen um 20.15 Uhr bringen sollen – und dass sie nach genau einer Stunde wieder zurück sein müssen. (Falls jemand nicht pünktlich gewesen wäre, hätten sie mich angerufen.) Die Kinder fühlen sich inzwischen schon sehr sicher hier und wie zu Hause – und sie benehmen sich wirklich gut. Also konnte ich ihnen die Idee mit dem Treffen am Ufer nicht abschlagen.

Sie sind mir heute nach dem Unterricht sehr tapfer auf einen ordentlichen Fußmarsch zur Bahnstation gefolgt, manche zwar so schleppend, dass wir gerade zwei Minuten Zeit hatten, bis der Zug kam – aber das fanden sie natürlich mehr als ausreichend… Wir waren dann knapp eineinhalb Stunden nach Portsmouth Harbour im Westen unterwegs und hatten die Aufgabe vom Englischlehrer, das Schiff Victory zu besichtigen, auf dem Admiral Nelson 1805 die Franzosen in der Schlacht von Trafalgar geschlagen hat. Allerdings war der Eintrittspreis von 14 Pfund pro Kind, sogar als Gruppe, für das Schiff nicht so gut geeignet, die Truppe für diese lehrreiche Besichtigung zu begeistern. Zumal ich auf das vorgetragene Argument, ich solle mir mal vorstellen, wie viele Tüten Chips man für 14 Pfund kriegen könnte, nicht schnell genug eine Entgegnung parat hatte. Schließlich ist es mir aber gelungen, alle mit List und Tücke zu einer Hafenrundfahrt für 5 Pfund pro Nase zu überreden, indem ich ihnen erzählt habe, wir würden eine Bootsfahrt machen, auf der man fast nichts lernen müsste…Schlau, oder?

PortsmouthVictory3Wir waren dann eine knappe Stunde auf dem kleinen Motorschiff unterwegs und sind an all den imposanten modernen Kriegsschiffen der königlichen Marine vorbei gekommen. Und der Guide wusste natürlich, wie viele Torpedos mit welcher Sprengkraft aus welchem Rohr abgefeuert werden können und was für Flugzeuge undHelikopter auf diesem oder jenem Flugzeugträger landen können. Besonders die Jungs waren schwer beeindruckt. Ein Riesen-Frachtschiff, das gerade auslaufen sollte, hatte Bananen geliefert, die das ganze Vereinigte Königreich für die nächsten zwei Monate glücklich machen werden – leider habe ich die Zahl vergessen – waren es elf Millionen oder elf Milliarden Bananen? …

Wie auch immer, nach der lustigen Seefahrt haben alle für die glücklich eingesparten 9 Pfund im Supermarkt am Hafen Chips und Schokolade gekauft und sind dann, beladen mit ihren Einkaufstüten hinter mir her zur Victoria getrottet, die man von außen für umsonst umrunden konnte. Einen haben wir im Supermarkt verloren und das erst nach ein paar hundert Metern gemerkt. Im Supermarkt war er nicht mehr – und bei der wartenden Gruppe war er auch inzwischen noch nicht aufgetaucht – aber wir haben ja die Handys – und er ist auch gleich ganz außer Atem ans Telefon gegangen. Es stellte sich heraus, dass er schon zum vereinbarten Treffpunkt für eventuell verloren Gegangene am Bahnhof gegangen war…

Auf dem Rückweg haben wir für morgen beschlossen, dass ich mit denen, die nochmal nach Brighton wollen, dort hinfahre, sie da Auslauf bekommen… Wer nicht nach Brighton will, kann hier in Shoreham durch den Ort oder am Strand entlang flanieren und wir treffen uns dann wie immer am Parkplatz, wo alle wieder eingesammelt werden. Wir haben festgelegt, dass immer mindestens zwei Leute zusammen unterwegs sein sollen, damit niemand ganz allein ist. Am Sonnabend geht es um sieben Uhr morgens schon los nach London, wo wir und mit einer Stadtführerin treffen, die mit uns Sightseeing macht.

Wir wollen dann im St. James Park auf der Wiese Mittagspause machen und anschließend zum Flughafen aufbrechen.

Alle Eure Grüße, die bei mir angekommen sind, richte ich gleich morgen früh aus!

Liebe Grüße – Kathrin“

Dritte E-Mail aus Shoreham bei Brighton – am Abend des vierten Tages

„Liebe Eltern,

tja, jetzt setzt Euch nochmal gemütlich hin und genießt in Ruhe Euren Kaffee – bald kommt wieder Leben in die Bude!

Nach dem Unterricht hatten sich heute vier Leute entschieden, den zweiten Teil des Tages lieber hier in Shoreham zu verbringen. Sie sind zusammen durch den Ort gezogen, haben Fish and Chips ohne Fisch gegessen, waren am Strand und haben sich angeblich keine Sekunde gelangweilt.

Brightonguide1Mit den anderen haben wir uns ins Getümmel gestürzt – in Brighton war Wochenendstimmung, alle Geschäfte waren offen und in der Stadt und am Pier waren Massen unterwegs!

Da wir ja die Abmachung hatten, dass alle am letzten Nachmittag tun dürfen, wozu sie Lust haben und nur pünktlich wieder an der Busstation sein sollen, hat die Gruppe blitzschnell entschieden, in die entgegengesetzte Richtung zu verschwinden, die ich eingeschlagen hatte…

Nach drei Stunden saßen alle wie die Hühner auf der Stange pünktlich auf einem Geländer an der Haltestelle – und zwar – was für ein Anblick! – die Häupter bedeckt mit einer Krone aus gülden bedruckter Pappe – von Burger King! Dort, beim König der Hackfleischbrötchen, hatten sie den ganzen Nachmittag verbracht. Es ist ja auch eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Brighton!

Sie waren jedenfalls sehr zufrieden mit dem Tag. Gut, dass auch ich nach meinem Allein-Gang durch Brighton sehr entspannt war. Denn meinen Eindruck, dass alle im Lauf der vier Tage immer selbstsicherer geworden sind, haben mit die anderen Passagiere im Bus bestätigt, wenn sie auch nicht ganz so viel Vergnügen an diesem Entwicklungssprung zu haben schienen. Es gab nämlich an den Haltestangen jeder Sitzreihe im Bus diese roten Knöpfe. Wenn man drauf drückt, erklingt eine Mischung aus Piep- und Brummton, der überall im Bus zu hören ist und dem Fahrer signalisiert, er möge an der nächsten Station nicht durchfahren, sondern anhalten, weil jemand aussteigen möchte. Ich erzähle hier nicht die ganze Geschichte, nur so viel: Als wir schließlich selbst aussteigen wollten und ich allen unter dem Motto “Nach uns die Sintflut” genehmigt hatte, je ein ganz-ganz kurzes Mal den roten Knopf zu drücken, aber wirklich bitte-bitte nur noch einmal, hatte der Busfahrer in weiser Voraussicht den Ton entnervt ausgeschaltet, den er unterwegs dank uns so oft wie nie zuvor zu hören bekommen hatte. Glücklicherweise hat er uns rausgelassen, obwohl wir ihm nun nicht mehr rechtzeitig das Signal geben konnten. Die Türen öffneten sich für uns beinahe schon, als der Bus noch fuhr. Es wirkte fast, als wäre der Fahrer erleichtert gewesen,dass unsere fröhliche Gesellschaft sein Vehikel noch vor der Endhaltestelle verlassen hat und er noch einige Stationen in relativer Ruhe weiter fahren konnte…

Nun sind alle in ihren Betten, haben hoffentlich meine mahnenden Worte in ihrem Herzen bewegt, alles einzupacken, nichts zu vergessen und vor allem nochmal sicherzustellen, dass der Ausweis oder der Pass da ist, wo er sein soll. Sie freuen sich schon mächtig auf London. Vielleicht gelingt es uns, das schöne Wetter hier mit zu Euch hinüber zu bringen – zusammen mit all den Eindrücken und Erlebnissen, an die wir uns alle bestimmt noch lange gern erinnern werden!

So – see you tomorrow! Grüße aus Shoreham!“

Manja Hübner

Ihre Reiseexpertin für Großbritannien und Irland

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