Jahresrückblick 2019

Schulstreiks für das Klima, der neue Digitalpakt und eine weitere PISA-Studie, die das Land aufschreckt: Zahlreiche Bildungsthemen haben Deutschland in diesem Jahr beschäftigt. Wir blicken auf einige der wichtigsten Themen 2019 zurück.
Schulstreiks für das Klima, der neue Digitalpakt und eine weitere PISA-Studie, die das Land aufschreckt: Zahlreiche Bildungsthemen haben Deutschland in diesem Jahr beschäftigt. Wir blicken auf einige der wichtigsten Themen 2019 zurück.
Holzwürfel mit den Jahreszahlen 2020 werden aufeinandergestapelt.
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Fridays For Future

Kaum ein Thema wirbelte 2019 so viel Staub auf, wie die an den Freitagen zur Unterrichtszeit stattfindenden Fridays For Future-Klimademonstrationen. Am 20. August 2018 war die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg erstmals alleine in Stockholm in den „Schulstreik“ getreten und hatte sich vor das schwedische Reichstagsgebäude gesetzt. Um mehr Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken zu erzielen, verwendete sie den Hashtag #FridaysForFuture, der schon bald von anderen aufgegriffen wurde.

Bereits im Februar 2019 nahmen in Deutschland über 30.000 Schüler und andere junge Menschen an der ersten großen Fridays for Future-Demo teil. Ihren bisherigen Höhepunkt erlebte die Bewegung am 20.September mit dem globalen Klimastreik, an dem sich Schätzungen zufolge zwischen vier und sieben Millionen Menschen in aller Welt beteiligten. Ein weiterer globaler Streik fand Ende November parallel zur 25. UN-Klimakonferenz in Madrid statt.

Der richtige Umgang mit streikenden Schülern

Lehrer und Bildungspolitiker standen (und stehen) dem Phänomen der anhaltenden Schulstreiks an Freitagen ratlos gegenüber. Einige lobten das Engagement der Schüler, andere drohten dagegen mit Sanktionen, da ihrer Ansicht nach die Schulpflicht verletzt würde. Eine klare Rechtslage gibt es nicht. Allerdings stellte sich bereits im Sommer heraus, dass die im Frühling vor den ersten großen Demonstrationen ausgesprochenen Drohungen seitens Schulleitungen und Kultusministerien größtenteils im Sand verlaufen waren.

Schüler feiern zahlreiche Erfolge

Stattdessen zeigte sich im Laufe des Jahres, dass die Fridays for Future-Demonstrationen auf fruchtbaren Boden fielen: Immer mehr Erwachsene schlossen sich unter Namen wie Grannies For Future und Scientists For Future der Bewegung an, während die ersten Städte den Klimanotstand ausriefen. Mit einem Abebben der Demonstrationen im kommenden Jahr ist nicht zu rechnen. Schulen werden sich auch weiterhin mit den freitäglichen Schulstreiks beschäftigen müssen. Sinnvoll ist es zweifelsfrei dem Thema Umweltschutz im Unterricht mehr Platz einzuräumen. So können die Hintergründe des Klimawandels in den naturwissenschaftlichen Fächern besprochen werden. Ergänzend dazu sind Tagesausflüge oder Klassenfahrten zu informativen Zielen wie dem Klimahaus in Bremerhaven und dem Ozeaneum in Stralsund empfehlenswert.

Nachhaltigkeit auf bei Klassenfahrten ein Thema

Nachdem das Flugzeug gerade von jungen Menschen jahrelang mit der Selbstverständlichkeit eines Linienbusses genutzt worden war, fiel es auf einmal als CO2-Verursacher in Ungnade. Der Begriff Flugscham machte die Runde. Allerdings ist das Flugzeug aus dem modernen Leben nicht wegzudenken – auch bei Klassenfahrten nicht. HEROLÉ Reisen reagiert mit der Kooperation mit Wilderness International auf die steigende Bedeutung nachhaltiger klimaneutraler Klassenfahrten: Bei allen Klassenfahrten 2020 wird der entstehende CO2-Fussabdruck vollständig kompensiert.

Lesetipp

Lesen Sie hier mehr zu klimaneutralen Reisen mit HEROLÉ.

Digitalisierung an den Schulen kommt nicht voran

Es ist leider nichts Neues: Deutsche Schüler hinken beim Umgang mit digitalen Medien hinterher. Darum rief die Bundesregierung im Frühling den Digitalpakt Schule ins Leben: Insgesamt 5,5 Milliarden Euro wurden bereitgestellt, damit Schulen neue Computer, Tablets und digitale Whiteboards kaufen konnten. Allerdings kommt der Digitalpakt nach ersten Medienberichten noch nicht in Schwung. So wurden beispielsweise in Niedersachsen etwa 930.000 Euro an Fördergeldern von über 40 Schulträgern beantragt: Bislang gab es jedoch noch keine einzige Bewilligung.

Lesetipp

Die Möglichkeiten für den Einsatz digitaler Medien bei Schulprojekten haben wir bereits in einem früheren Beitrag zusammengestellt.

Studie bescheinigt deutschen Schülern schlechte IT-Kenntnisse

Da passt es ins Bild, dass eine Vergleichsstudie unter Achtklässlern aus aller Welt den deutschen Schülern schlechte Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien bescheinigte. Spitzenplätze nahmen die Schüler aus Südkorea und aus Dänemark ein. Zu den Kritikpunkten gehören nach wie vor fehlendes Internet an deutschen Schulen und zu wenige Lehrer, die digitale Medien regelmäßig im Unterricht einsetzen. Zwar ist der Anteil der Lehrer, die digitale Hilfsmittel täglich verwenden, von 10% auf 25% gestiegen, doch meist werden sie nur genutzt, um Informationen im Frontalunterricht zu präsentieren.

Ein Drittel der Schüler fast komplett abgehängt

Besonders erschreckend, so die deutsche Studienleiterin Birgit Eickelmann, sei die Tatsache, dass ein Drittel nur über rudimentäre Computerkenntnisse verfüge. Diese Schüler könnten gerade einmal eine E-Mail öffnen und Links anklicken. Eickelmann sieht hier die Schulen in der Pflicht: Wenn ein Fünftel der getesteten Achtklässler angibt, dass im Unterricht nie digitale Medien eingesetzt werden, ignoriere die Schule die Lebenswelt der Schüler jenseits des Unterrichts, in der Smartphones und Computer selbstverständlich sind. Das lesenswerte Interview mit der Bildungsforscherin ist auf ZEIT Online nachzulesen.

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PISA-Studie 2019: Und wieder mal ein Schock

Das Thema PISA verheißt in Deutschland meist nichts Gutes. So war es dann auch am 3.Dezember 2019, als die Ergebnisse der Pisa-Studie 2018 veröffentlicht wurden. Im Mittelpunkt der Aufregung diesmal: Mangelnde Lesekompetenz. Etwa jeder fünfte Neunklässler kann nicht richtig lesen, bei den Schülern außerhalb der Gymnasien sogar jeder Dritte. Kritiker malen das Bild einer Generation, die nur noch am Smartphone daddelt. Bildungsforscher sehen dies jedoch differenzierter.

Mehr Lesefutter für Schüler

Die Professorin für Literaturdidaktik Christine Gabe weist in einem Interview mit dem Spiegel auf die Bedeutung des Vorlesens schon in der Grundschule hin. Je mehr Lehrer den Schülern vorlesen, umso mehr erwacht die Lust an Geschichten. Jungen Schülern sollten für sie spannendere lebensnahe Leseangebote wie Comics und Graphic Novels gemacht werden, statt ihnen die Lust am Lesen mit trockener Literatur und der Analyse von Gedichten zu verleiden. Dazu sollten sie mit Leseolympiaden angeregt werden, überhaupt mehr zu lesen. Das Phänomen Harry Potter hat gezeigt, dass sich junge Leute durchaus zum Lesen verlocken lassen, wenn die Geschichten sie interessieren. Für den Schulunterricht sind Jugendbücher empfehlenswert, die historische Epochen wie den zweiten Weltkrieg aus jugendlicher Sicht beschreiben und Romane, die sich mit aktuellen Themen wie Klimawandel und Migration befassen.

Lesefutter für Schüler

  • Helen Endemann: Todestreifen
  • Janes Boyne: Der Junge auf dem Berg
  • Judith Kerr: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl
  • Susanne Fülscher: Ich will das nicht
  • Jane de Leeuw: Eisvogelsommer
  • Malala Yousafzai: Meine Geschichte
  • Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten
  • Saci Lloyd: Euer schönes Leben kotzt mich an
  • Dirk Reinhardt: Train Kids
  • Anna Kuschnarowa:Djihad Paradise

Was sonst noch wichtig war 2019

Der Brexit und Klassenfahrten nach Großbritannien

Das Gezerre um den Brexit hält auch Schulklassen in Atem. Die britische Hauptstadt London gehört seit vielen Jahren zu den beliebtesten Zielen für Klassenfahrten überhaupt. Dazu stehen Sprachreisen in Städte wie Oxford und die Seebäder Brighton und Eastbourne hoch im Kurs und das landschaftlich schöne Schottland mit Edinburgh. Doch viele Lehrer scheuen sich derzeit, Klassenfahrten ins Vereinigte Königreich zu buchen, solange die politische Lage unklar ist.

Lesetipp

HEROLÉ hält Sie über den Brexit und die damit verbundenen Einreisevorschriften für Klassenfahrten auf dem Laufenden.

Für 2020 können Klassenfahrten nach Großbritannien ohnehin problemlos geplant werden, denn zumindest für dieses Jahr gilt auch bei einem harten Brexit noch eine Übergangsregelung für die Einreise mit Personalausweis oder Reisepass.

Tod auf Klassenfahrt: Lehrer und die Aufsichtspflicht

Im September 2019 wurde ein dramatischer Zwischenfall bekannt: Eine 13-jährige Schülerin mit Diabetes war während einer Klassenfahrt nach London schwer erkrankt und kurz darauf verstorben. Mitschüler gaben an, dass die begleitenden Lehrer ihre Hinweise auf den schlechten körperlichen Zustand der Schülerin ignoriert hatten. Erst als die Schülerin am Tag der Abreise zu schwach war, um aufzustehen, wurde ein Rettungswagen gerufen. Sie starb jedoch am folgenden Tag in einem Krankenhaus in London.

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ermittelt nun gegen vier Aufsichtspersonen, da der Tatverdacht der „fahrlässigen Tötung“ bestehe. Ein Urteil wurde bislang noch nicht gefällt, allerdings stieß der tragische Vorfall wieder einmal eine Debatte um die Aufsichtspflicht von Lehrern und anderen Aufsichtspersonen bei Klassenfahrten um.

Lesetipp

Die wichtigsten Fakten zur Aufsichtspflicht sind in diesem Beitrag zusammengefasst.

Rechtsstreit um neue App zur Lehrerbewertung

Im Nachbarland Österreich sorgte eine neue App für Aufregung: Der 17-jährige Schüler Benjamin Hadrigan programmierte die App mit dem Namen „Lernsieg“, die es Schülern erlaubt, ihre Lehrer anonym zu bewerten. Schüler in Österreich und Deutschland könnten dabei eins bis fünf Sternchen für ihre Lehrer vergeben. Nach einem ordentlichen Shitstorm mit zahlreichen Hassmails für Erfinder Hadrigan wurde die App zunächst wieder aus dem Netz genommen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits über 16.000 Bewertungen für Schulen und 125.000 Bewertungen für einzelne Pädagogen eingegangen. Vom Tisch ist die Sache damit jedoch nicht: „Lernsieg“ soll nach einer Überarbeitung noch einmal neu an den Start gehen.

Bildnachweis

  • Titelbild: Costello 77 / Shutterstock.com
  • Gruppe von Fridays for Future-Demonstranten halten Banner gegen Klimawandel in die Höhe: DisobeyArt/ Shutterstock.com
  • Geschäftsführer Carsten Herold von HEROLÉ Reisen und Kai Andersch von Wilderness International halten HEROLÉ-Banner im Toba Valley in Westkanada in die Höhe: © Wilderness International
  • Eine Hand stellt ein Tablet in ein Bücherregal: Ermolaev Alexander / Shutterstock.com
  • Lehrerin mit Schülern auf dem Schulhof: Robert Kneschke / Shutterstock.com

Über HEROLÉ

HEROLÉ mit Sitz in Dresden wurde 2002 gegründet und ist heute einer der drei größten Veranstalter von und Spezialist für Klassenfahrten in Deutschland. Dafür sprechen auch über 140.000 Teilnehmer, die jedes Jahr mit HEROLÉ auf Klassenfahrt gegangen sind. Mit der unternehmenseigenen Flotte von 18 modernen Reisebussen werden über 140 weltweite Reiseziele angesteuert.

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