didacta 2019: Trends und Neuigkeiten von der Bildungsmesse

didacta 2019: Trends und Neuigkeiten von der Bildungsmesse

Am vergangenen Wochenende war die rheinische Metropole Köln das Mekka für Pädagogen und Bildungsexperten aus ganz Deutschland: Rund 100.000 Besucher kamen zur weltweit größten Bildungsmesse didacta, um sich von 800 Ausstellern aus 50 Ländern zeigen zu lassen, wie die Zukunft der Bildung aussehen könnte. Wir verraten, welche Themen und Trends die Bildungsmesse in diesem Jahr dominierten.

Digital didacta: Ideen für die Schule 4.0

Dem Thema Digitalisierung hatten die Veranstalter eine ganze Messehalle gewidmet. Dort zeigten Aussteller, welche digitalen Lernmaterialien in Schulen und Kindergärten zum Einsatz kommen könnten. Mit den Universitäten Saarbrücken und Osnabrück waren erstmals auch Akteure aus der Lehrerbildung vertreten, die 18 Lern-Prototypen entlang der lebenslangen Bildungskette präsentierten. Dort konnten Kinder an einer interaktiven Kletterwand das Weltall erkunden oder mit Hilfe von Augmented Reality spielerisch geometrische Formeln kennenlernen. Ohne echtes Gerät, aber mit modernster Technik lernten erwachsene Besucher, wie man Landmaschinen reparieren kann.

Ebenso innovativ sind die Konzepte, die die Schulbuchverlage Klett und Cornelsen vorlegten. Diese haben ihr digitales Angebot inzwischen deutlich ausgebaut und werden in dieser Strategie von einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PwC bestärkt: Demnach betrug der Anteil der digitalen Produkte am Gesamterlös des Schulbuchmarkts im Februar 2018 lediglich 4,3 Prozent. Bis 2021 könnte er jedoch auf fast 40 Prozent ansteigen.

Bei der didacta 2019 präsentierten die Schulbuchverlage ihre Ideen zu digitalen Unterrichtsmaterialien.

Der Trend geht jedoch nicht einfach nur in Richtung Digitalisierung der bereits vorhandenen Bücher. Wie Cornelsen bei der didacta demonstrierte, bringt sein mBook Interaktivität ins Schulbuch: Darin können Schüler per Klick Videos und Audiodateien abspielen und lernen durch aktives Ausprobieren und Experimentieren. Ähnlich ist auch das Konzept des Klett Verlags, der seinen eCourse als Baukastensystem angelegt hat. Lehrkräfte können die Inhalte im Editiermodus gezielt an den Entwicklungsstand ihrer Schüler anpassen und beispielsweise einzelne Schritte auslassen und durch neue ersetzen. Anschließend teilen sie den Kurs über eine Cloud mit den verschiedenen Lerngruppen.  Das funktioniert allerdings nur in Schulen, die mit einem stabilen WLan ausgestattet sind.

Tipp
Neben den digitalen Angeboten präsentierten die Schulbuchverlage natürlich auch ihre analogen Unterrichtsmaterialien. Wie auch in den vergangenen Jahren prämierte das Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und dem Didacta-Verband die besten Schulbücher. Informationen zu den diesjährigen Gewinnern gibt es auf der Internetseite der didacta.

Die Vorteile der Digitalisierung demonstrierte auch der WDR, der ein besonderes Geschichtsprojekt entwickelt hat: Da in Zukunft immer seltener Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs Schulen besuchen und von ihren Erlebnissen berichten können, hat der Rundfunksender eine vor allem für den Unterricht gedachte App entwickelt: Per Augmented Reality (AR) werden Zeitzeugen wie Hologramme digital in die Umgebung des Users eingebettet und berichten dort von ihrer Geschichte. Bislang wurden drei Geschichten von Zeitzeugen produziert, die bereits in der App „WDR AR 1933 bis 1945“ zu sehen sind. Für Apple-Geräte ist die App bereits kostenlos im iTunes Store erhältlich. Android-Nutzer müssen sich noch bis März gedulden.

Tipp
Mehr Informationen zu seinem Projekt verrät der WDR auf seiner Internetseite.

Ein Highlight vor allem für jüngere Besucher war der Auftritt des YouTubers DorFuchs, der mit seinen Mathe-Songs in den vergangenen Jahren Millionen Klicks gesammelt hat. Mit seinen eingängigen Melodien  hilft er Schülern dabei, sich beispielsweise die binomischen Formel schnell einzuprägen:

Ernährung als Unterrichtsthema

Wie lernen Schüler, sich gesund und nachhaltig zu ernähren? Zu diesem Thema gab es ebenfalls zahlreiche Aussteller, die Ideen für alle Altersgruppen präsentierten: Bunte Pappkarten mit Obst und Gemüse darauf für Kindergartenkinder, Rezeptbücher mit Fotoanleitungen sowie Materialien zur Wahrnehmung des eigenen Körpers für Teenager. Unter dem Motto „Einfach besser unterrichten“ erhielten Lehrkräfte beim Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) Impulse für mehr Ernährungsbildung mit praxiserprobten Unterrichtsmaterialien. Für Grundschulkinder hatte das BZfE beispielsweise einen Ernährungsführerschein für Grundschulen mit Erklärvideos und digitalen Hör-Kochanleitungen vorbereitet.

Sportlich und gesund ging es bei IN FORM zu, der Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. An dessen Stand wurden Themen wie Essen, Ernährung und Bewegung erlebbar. Besucher erfuhren zudem, wie sie leckere Gerichte aus Lebensmittelresten zubereiten können – „Zu gut für die Tonne“ lautete hier das Motto.

Inklusion – Das Zukunftsthema an deutschen Schulen

Langfristig sollten Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam eine Schule besuchen – darauf können sich die meisten Bildungsexperten verständigen. Wie die Inklusion konkret umgesetzt werden soll, ist jedoch umstritten.  Im Rahmen der didacta diskutierte der Aktivist Raúl Aguayo-Krauthausen, der selbst Rollstuhlfahrer ist und die gemeinnützige Denkfabrik Sozialhelden gegründet hat, mit Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Lehrerverbandes, und Eva-Maria Thoms vom Verein mittendrin e.V. Während Raúl Aguayo-Krauthausen bereits im Vorfeld der didacta betont hatte, dass einige Bundesländer wie Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg massiven Aufholbedarf in Sachen Digitalisierung hätten, plädierte Meidinger in der Vergangenheit für ein Moratorium bei der Inklusion.

Weitere Impressionen von der diesjährigen didacta zeigt dieses Video:

Quellen und weiterführende Links

WDR: 100.000 Besucher kamen zur didacta nach Köln

FAZ: didacta 2019 – das Ende der Kreidezeit?

didacta Köln: Offizielle Internetseite  


 

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Carsten Herold

Geschäftsführer HEROLÉ Reisen

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