Bildungsföderalismus: Unterschiedliche Arbeitsbedingungen für Lehrer

Bildungsföderalismus: Unterschiedliche Arbeitsbedingungen für Lehrer

Bildung ist in Deutschland Ländersache. Festgeschrieben ist dies im Artikel 30 des Grundgesetzes – das bedeutet 16 Länder und somit 16 verschiedene Schulsysteme. Damit zumindest gleiche Standards gewährleistet sind, muss eine Zusammenarbeit der Länder erfolgen. Die Koordination dafür findet hauptsächlich über die Kultusministerkonferenz (KMK) statt. Nichtsdestotrotz trifft am Ende jedes Bundesland seine eigenen Entscheidungen, was zu Differenzen und Problemen führen kann.

Welche Auswirkungen hat der Bildungsföderalismus auf Lehrer?

Für Lehrer ergeben sich verschiedene Arbeitsbedingungen je nach Bundesland.

Unterschiede fallen zum Beispiel bei der Bezahlung auf. Während sich Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg über ein Einstiegsgehalt von ca. 3200€ netto freuen dürfen, müssen sich Gymnasiallehrer in Sachsen mit ersten Gehältern von ca. 2300€ begnügen.

Die folgende Grafik gibt einen Überblick über die Einstiegsgehälter für Grundschullehrer in den einzelnen Bundesländern.

Genauere Informationen zu den Einstiegsgehältern gibt es hier.

Auch eine mögliche Verbeamtung spielt für Lehrer oftmals eine entscheidende Rolle bei der Jobsuche. Die Voraussetzungen und die Verbeamtungsgrenzen hierfür unterscheiden sich in den einzelnen Bundesländern. In Berlin findet seit 2004 keine Verbeamtung von Lehrkräften mehr statt und in Sachsen ist erst ab dem 01.01.2019 eine Verbeamtung möglich. In allen anderen Ländern können Lehrer verbeamtet werden, sofern Plan- oder Vertretungsstellen zur Verfügung stehen und die nötigen Voraussetzungen erfüllt sind. Das Höchstalter für eine Verbeamtung liegt je nach Bundesland zwischen 40 und 50 Jahren.

Genauere Informationen zu den Verbeamtungsgrenzen gibt es hier.

Weiterhin lassen sich die Bundesländer in Hinblick auf die Pflichtstunden (auch Deputat genannt) vergleichen, also die Unterrichtsstunden, die Lehrer jede Woche unterrichten müssen. Diese schwanken je nach Bundesland und Schulart zwischen 23 und 28 Stunden pro Woche. Für Grundschullehrer beträgt das Deputat beispielsweise zwischen 27 und 28 Pflichtstunden, für Realschullehrer zwischen 24 und 28 Pflichtstunden und für Gymnasiallehrer zwischen 22 und 27 Pflichtstunden.

Genauere Informationen zu den Pflichtstunden gibt es hier.

Wie geht es weiter?

Durch den bestehenden Lehrermangel befinden sich die Bundesländer im ständigen Wettbewerb und werben um Lehrkräfte mit Gehaltserhöhungen und dem Beamtenstatus. Langfristig gesehen kann der Konkurrenzkampf vor allem für finanzschwache Bundesländer zu einem Problem werden.

Laut einer Umfrage von Bitkom Research vom März 2018 spricht sich die große Mehrheit der Bevölkerung dafür aus, den Bildungsföderalismus abzuschaffen.

Eine Möglichkeit, um die großen Differenzen zwischen den einzelnen Ländern zu verringern und Bildung vergleichbarer zu machen, könnte ein Bildungsstaatsvertrag sein. Bestandteil dessen könnte auch eine länderübergreifende Besoldung von Lehrkräften sowie eine einheitliche Gestaltung der Lehrerausbildung sein.

Weitere Informationen zu möglichen Regelungen eines Bildungsstaatsvertrags gibt es hier.

Quellen und weiterführende Links

MDR: Warum Bildung in Deutschland Ländersache ist

GEW: Bezahlung von Lehrerinnen und Lehrern

KMK: Pflichtstunden der Lehrkräfte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen

Bitcom: Drei von vier Bürgern wollen Bildungsföderalismus abschaffen

Studis Online: Lehramt studieren

GEW: Arbeitszeit und Unterrichtszeit

bildungsklick: Ein Bildungsstaatsvertrag der Länder fördert die Qualität von Schulen

Süddeutsche Zeitung: Lehrermangel – Konkurrenz verdirbt das Geschäft

ZEIT ONLINE: Deutschland braucht einen neuen Bildungsstaatsvertrag

 

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Carsten Herold

Geschäftsführer HEROLÉ Reisen

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